Neodarwinismus

August Weismann zum 100. Todestag

KASSEL. (hpd) Der 1834 in Frankfurt am Main geborene Zoologe und Evolutionstheoretiker August Weismann (1834–1914) hat sich, wie seine älteren Fachkollegen Alfred Russel Wallace (1823–1913) und Charles Darwin (1809–1882), bereits als Teenager derart intensiv mit der Naturkunde beschäftigt, dass er u. a. eine private Käfersammlung anlegte und diese immer wieder ergänzte.

Trotz dieser Begeisterung für die Biologie ordnete der strenge Vater an, zum Broterwerb ein nützliches Studium zu beginnen – Weismann wurde Mediziner, arbeitete aber u. a. zeitweise als Chemiker. Seinen Lebensunterhalt sowie biologische Forschungsarbeiten und das Zoologie-Studium musste sich der geborene Naturkundler bis zum 28. Lebensjahr u. a. als Leibarzt verdienen. Weismann wurde nach seiner Habilitation 1867 in Freiburg i. Br. zum Professor der Zoologie ernannt, wo er, als Lehrstuhlinhaber, bis zu seinem Lebensende tätig war.

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Als Begründer der Neo-Darwin’schen Theorie, Urvater einer neuen Vererbungslehre (Keimbahn-Soma-Differenzierung) sowie Forschungen zu Alterungsprozessen und dem Zelltod, wurde Weismann weltbekannt. Bei den “Darwin-Wallace-Celebrations”, die am 1. Juli 1908 von der Linnean Society of London veranstaltet wurden, war August Weismann, neben Alfred R. Wallace und Ernst Haeckel, einer der Geehrten: Weismann wurde eine Darwin-Wallace-Medaille verliehen – der Präsident der Linnean Society hatte in seiner Laudatio Weismann als einen der einflussreichsten Evolutionsforscher seiner Zeit gewürdigt.

Diese hohe Anerkennung führte dazu, dass Weismann, der u. a. die Bedeutung der sexuellen Fortpflanzung als Variationengenerator erkannt hatte, von seinem obersten Dienstherren im Land Baden Württemberg erst kurz vor seinem Tod entpflichtet werden konnte (Emeritierung 1912).

Am 5. November 1914, nur wenige Monate nach Beginn des 1. Weltkrieges, starb der große Biologe in seiner Wahlheimat Freiburg, wo er auf dem Hauptfriedhof nahe einem großen Teich beerdigt worden ist (das Grab existiert noch heute).