Auf Missionsreise

Papst Franziskus auf Seelenfang in Kuba und den USA

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Jorge Mario Bergoglio
Jorge Mario Bergoglio

ODERNHEIM. (hpd) Sprücheklopfer Bergoglio alias Franziskus I. ist wieder total auf Seelenfang. Bei seinem Besuch im kommunistischen Kuba wettert er gegen alle Ideologien, bezeichnet sie als falsche Denk- und Lehrsysteme und behauptet, der Mensch könne anderen Menschen nur dann wirklich selbstlos und uneigennützig helfen, wenn er frei von Ideologien sei.

Es ist klar, dass Weltmissionar Franziskus hier die Gastfreundschaft der kommunistischen Regierung Kubas unter dem Mantel scheinbar freundlicher Worte missbraucht, weil in der ganzen katholischen Soziallehre der Kommunismus primär und ständig als falsche Ideologie bekämpft wird.

Dabei verschweigt Cleverle Franziskus selbstverständlich, dass das katholische System, dass die ganze Dogmatik, Moraltheologie, Soziallehre und Sakramentologie der Kirche eine einzige, von eigenen egoistischen Interessen geleitete Ideologie ist, die den Menschen vorgaukelt, der Eintritt in diese Institution bringe den Himmel, bringe Heil und Erlösung, vor allem aber, was den den Papst bejubelnden Massen natürlich verschwiegen wird, Gewinnmaximierung für die Herrschaftsschicht der Kirche auf allen Feldern des politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Handelns.

Selbstverständlich ist die kubanische Regierung, sind der nicht mehr amtierende Fidel Castro und sein als Staatschef regierender Bruder Raúl dem Papst dankbar, dass er bei der Annäherung der beiden Erzfeinde, der superkapitalistischen Weltmacht USA und des kleinen kommunistischen Landes Kuba, eine vermittelnde Rolle spielte. Aber dabei darf nicht vergessen werden, dass die katholische Kirche nie etwas ohne Gegenleistung, ohne Berücksichtigung ihrer eigenen massiven Interessen tut.Und tatsächlich hüpft auch beim päpstlichen Besuch Kubas die katholische Katze aus dem Sack, indem der Vermeintlich so ideologiefreie und interessenlose Franziskus in seiner Predigt vor Hunderttausenden Menschen auf dem Revolutionsplatz in Havanna plötzlich ziemlich kategorisch "mehr religiöse Freiheiten" für seine Kirche einfordert und nachdrücklich betont, dass "der Öffnungsprozess Kubas im Verhältnis zur katholischen Kirche weiter zu verstärken" sei. Denn die Kirche sei ja eine liebende Mutter, die "das kubanische Volk auf seinem Weg begleiten" wolle, und zwar "in Freiheit und mit allen notwendigen Mitteln und Freiräumen".

Im Klartext, der durch die jahrhundertelange politische Praxis der Kirche tausendfach bestätigt ist, heißt das: Der kubanische Staat hat uns gefälligst alle Mittel, Freiräume, Freiheiten und vor allem Privilegien zu geben, damit wir das kubanische Volk so richtig begleiten können. Wie diese "Begleitung" in der Vergangenheit aussah, davon können gerade Mittel- und Südamerika das grässlichste Lied singen: deren indianische Ureinwohner wurden zum größten Teil ausgerottet!

Genau dazu passt, dass Papst Franziskus nach seinem Kuba-Besuch sofort in die USA reist und dort den Franziskanerpater Junipero Serra Ferrer (1713 – 1784) heiligsprechen wird.

Dieser fanatische spanische Missionar wird in den USA als "Zivilisator Kaliforniens" gefeiert, während die Indios ihn beschuldigen, an der Zerstörung ihrer Kultur und am Tod von etwa 60.000 Stammesbrüdern beteiligt gewesen zu sein.

"Ich kann ja verstehen", sagt Julia Bogany, Stammesälteste der Tongva im Gebiet von Los Angeles, "dass auch Mörder und Vergewaltiger einen Heiligen brauchen, zu dem sie beten können". Was sie aber nicht verstehe, sei die Tatsache, dass der jetzige so gütig erscheinen wollende Papst über das Leid hinwegsieht, das den Indios angetan wurde, indem er einen Mittäter heiligspricht.

Die Antwort, warum das so ist, fällt nicht schwer. Papst Franziskus trat in den Jesuitenorden ein, weil ihm nach seinen eigenen Worten "das Dreigestirn Disziplin, Gehorsam und Missionierungswille" dieses Ordens so gefiel, und er es zu seiner Richtschnur machte. Deswegen will Franziskus unter Wegradierung der wahren Geschichte des Junipero Serra diesen zum heiligen Vorbild für die zu bekehrenden Reste von Nachfahren der Ureinwohner Amerikas machen. O-Ton Franziskus: "Er ist ein heiliges Beispiel für die Universalität der Kirche und ein besonderer Schutzpatron für die Lateinamerikaner". Bogany dagegen: Da "macht er einen Heiligen aus dem Menschen, der sie unterjocht hat". So wichtig ist dem Papst die Heiligsprechung Serras, dass er sich über die vatikanischen Regeln für diese hinwegsetzt, die ja zwei "Wunder" von dem Heiligkeitskandidaten fordern. Serra aber lieferte nur eines, und das war schon im Jahr 1988. Das zweite "Wunder" aber wollte und wollte nicht kommen. Also erklärt jetzt der Unfehlbare, dieser Mönch habe trotzdem als heilig zu gelten! Gesetze gelten halt nur für die Machtlosen, nicht aber für die an den Schalthebeln der Macht Befindlichen. Dem Papst gilt der Franziskaner aus dem 18. Jahrhundert als "Evangelisierer des amerikanischen Westens" und als solchen braucht er ihn zur Missionierung der Massen!

P.S. Einige Hinweise bei den Ausführungen über die Heiligsprechung Serras verdanke ich einem Aufsatz von J. Schmitz in der Badischen Zeitung vom 15.9.2015, S. 3; bezüglich des Gesamts der politischen Strategien und der Missionierungstaktik von Papst Franziskus verweise ich auf mein Buch: "Papst Franziskus. Die kritische Biografie" im Tectum Verlag Marburg, erschienen im August 2015.