Wenn öffentliche Stellen ein Bild von Musliminnen zeichnen, das Islamisten in die Karten spielt
„Wir müssen uns diversitätssensibel aufstellen. Unsere Angebote sollen Migranten und Muslime ansprechen.“ − „Stimmt. Lass uns ein Bild mit einer Frau mit Hijab auf unsere Homepage setzen!“ So oder so ähnlich mögen die Teamsitzungen in den Kommunikationsabteilungen mancher Kommunen, Städte, Länder, des Bundes oder auch auf europäischer Ebene klingen, wann immer eine interkulturelle Öffnung proklamiert wird und man sich schließlich für eine Illustration mit einer kopftuchtragenden Frau entscheidet. Doch dies wird weder der Realität von Migration noch der von Musliminnen gerecht. Letztlich erweist es der Gleichberechtigung einen Bärendienst. Und Islamisten werden sich die Hände reiben.
Foto: © David Farago
Zuletzt wurde die hpd-Redaktion auf ein Beispiel der Stadt Augsburg1 aufmerksam gemacht. Auf der offiziellen Karriere-Website der Stadt prangte im Header das Bild zweier Personen: eine Frau mit Kopftuch und Abaya, also sogenannter „Modest Fashion“, das heißt: zurückhaltender Mode, und daneben ein Mann in Feuerwehr- beziehungsweise Arbeitskleidung.
Der hpd hat nachgefragt. In der Antwort des zuständigen Direktoriums 1 der Stadt Augsburg heißt es:
„Die Kampagne verfolgt das Ziel, junge Menschen für eine Ausbildung bei der Stadt Augsburg zu gewinnen und die Vielfalt der beruflichen Möglichkeiten in der Stadtverwaltung sichtbar zu machen. Die abgebildeten Personen stehen stellvertretend für die Menschen, die bei der Stadt Augsburg arbeiten oder sich für eine Tätigkeit bei uns interessieren, ohne Anspruch darauf, deren Mehrheit zu repräsentieren. Dabei ist es uns wichtig, die gesellschaftliche Vielfalt unserer Stadt widerzuspiegeln. Die Verwendung des Motivs der Frau mit Kopftuch und Abaya ist nicht als Aussage über bestimmte religiöse, gesellschaftliche oder politische Auffassungen zu verstehen. Vielmehr soll zum Ausdruck gebracht werden, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Lebenswege Teil unserer Stadtgesellschaft sind und bei der Stadt Augsburg willkommen sind.“
Doch Augsburg ist kein Einzelfall. So bebildert die Koordinationsstelle für ehrenamtliche Mitarbeit der Landeshauptstadt Hannover ihr Angebot mit einer Grafik, auf der eine muslimische Frau mit Kopftuch und „reizarmer” Kleidung zu sehen ist, während (vermutlich) Vater und Sohn daneben − kurzärmlig gekleidet − Fußball spielen.
Besonders bemerkenswert ist der Berliner Senat. Dieser hat 2021 einen Leitfaden zur diversitätssensiblen Kommunikation unter dem Titel „Vielfalt zum Ausdruck bringen!“ veröffentlicht. Darin wird kritisiert, Musliminnen nicht einfach mit Kopftuch von hinten abzubilden, da der Schleier dadurch negativ konnotiert zum alleinigen Blickfang gerieren könnte. Stattdessen wird empfohlen, Musliminnen mit Kopftuch beispielsweise beim Sport abzubilden. Im Dezember 2025 wurde diese Empfehlung mit dem „Kriterienkatalog zur diversitysensiblen Bildauswahl“ des Berliner Senats nochmals bekräftigt.
2021 hatte auch die Antidiskriminierungs- und Inklusionsabteilung des Europarats, gesponsert von der Europäischen Union, Illustrationen von Frauen auf der einen Gesichtshälfte mit und auf der anderen ohne Kopftuch veröffentlicht und den Hijab mit Begriffen wie „Schönheit“, „Freiheit“ und „Freude“ verbunden. Aufgrund massiver Kritik aus Frankreich wurden die Bilder nach wenigen Tagen zurückgezogen.
Was zunächst harmlos, vielleicht sogar besonders progressiv wirken mag, ist bei näherer Betrachtung ziemlich verhängnisvoll. Und das aus mehreren Gründen.
Die Zwangsislamisierung der Migration
Allen voran scheint solcher Bildauswahl vielfach ein kollektivistischer Kurzschluss zugrunde zu liegen: Migration gleich Islam. Islam gleich Kopftuch. Die tatsächliche Pluralität von Migranten wird damit verengt.
Erstens stammen längst nicht alle Migranten aus muslimisch geprägten Herkunftsgesellschaften. Von den rund 31,1 Prozent der Bevölkerung mit Migrationshintergrund stammt nur etwa ein Viertel aus muslimisch geprägten Herkunftsländern. Der Rest verteilt sich unter anderem auf (Spät-)Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion, Polen und Rumänien sowie auf die EU-Binnenmigration. Und zweitens sind selbstverständlich nicht alle Menschen aus muslimisch geprägten Herkunftsregionen automatisch Muslime: Viele sind Christen, Jesiden, Bahai oder haben der Religion abgeschworen. Nebenbei bemerkt steigt die Zahl von Apostaten, vor allem unter der Jugend, aus mehrheitlich muslimischen Herkunftsländern sprunghaft an. In Deutschland kämpfen Ex-Muslime weiterhin für die Anerkennung von Atheismus als Fluchtgrund. Dass (Ex-)Muslime in Sammelunterkünften mit ihren Verfolgern konfrontiert sind, ist die Spitze des Eisbergs. Die wenigsten Integrationsangebote berücksichtigen in ihrer Bildsprache nicht-muslimische Migranten. Sie dürften sich nicht angesprochen fühlen – da macht es sich etwa die Stadt Augsburg zu einfach.
Legitimierung von Geschlechtertrennung
Noch problematischer wird es, wenn ausgerechnet das Kopftuch zum visuellen Stellvertreter für muslimisches Leben insgesamt herhält. Lale Akgün, Mitbegründerin des Arbeitskreises Politischer Islam und Vorstandsmitglied im Arbeitskreis Säkularität und Humanismus in der SPD, merkt gegenüber dem hpd an: „Wenn Migrantinnen mitgemeint sind, pflegt man in Deutschland, gerade auf Plakaten von Behörden oder NGOs, eine Frau mit Kopftuch zu platzieren, um sich dann sehr weltoffen zu fühlen. Gerade so, als wäre das Kopftuch ein ‚Markenzeichen‘ von Migrantinnen. Das finde ich nicht nur deplatziert, sondern geradezu frauenfeindlich und diskriminierend.“
Auch die Stadt Augsburg schreibt in ihrer Antwort: „Augsburg ist eine vielfältige und weltoffene Stadt, in der Menschen mit unterschiedlichen kulturellen, religiösen und persönlichen Hintergründen leben. Diese Vielfalt prägt auch unsere Belegschaft sowie die Menschen, die wir mit unserer Ausbildungswerbung ansprechen möchten. Unser Anspruch ist es, diese Realität in der öffentlichen Kommunikation angemessen abzubilden.“
Aber: Nur etwa 30 Prozent der muslimischen Frauen in Deutschland tragen ein Kopftuch, eine Mehrheit von 70 Prozent trägt keins. Dieser Befund geht auf die 2021 veröffentlichte Untersuchung „Muslimisches Leben in Deutschland” zurück.
Das Kopftuch steht für Geschlechterapartheid: Warum trägt der Mann keines? Warum „muss“ die Frau es in Anwesenheit von Männern tragen? Das Kopftuch steht für die Kontrolle weiblicher Sexualität: Warum wird empfohlen, es ab der Geschlechtsreife zu tragen? Warum gelten Frauen, die es tragen, als besonders „sittsam“; die es nicht tragen, als „unrein“? Kopftuch und Abaya stehen für die Übersexualisierung des weiblichen Körpers: Warum sonst gilt die weibliche Silhouette oder bereits eine Strähne Frauenhaar als derartige Verführung, das sogar Vergewaltigungen an unverschleierten Frauen legitimiert werden?
Die Verschleierung steht für den Politischen Islam der Islamischen Republik Iran, der Türkei, Saudi-Arabiens, Katars, Afghanistans etc. Er steht für den legalistischen, islamistischen Verbandsislam von DITIB, Millî Görüş bis zur Deutschen Muslimischen Gemeinschaft.
Mit diesen Illustrationen reproduziert die öffentliche Hand ein Bild von Musliminnen, das lediglich eine konservative bis politisch-islamische Lesart des Islams sichtbar macht. Sie macht sich hier eine repressive Sexualmoral zu eigen und verstärkt damit letztlich die Deutungshoheit darüber, was als ‚muslimisch‘ gilt und was nicht. Das kommt Islamisten entgegen, die ihre fundamentalistische Auslegung als „der Islam“ etablieren wollen.
Was ist mit den Musliminnen, die kein Kopftuch tragen? Was ist mit jenen, die die Verhüllungspraxis sogar ausdrücklich ablehnen? Ihnen wird mit dieser Bildsprache Unrecht getan. Auch sie scheinen keinen Platz in der Diversität zu haben.
Teilhabe statt Integration
Die Bebilderung mit Kopftuchträgerinnen exemplifiziert auch den Triumph des Begriffs der Teilhabe, der sich simultan mit dem Abgesang auf die klassische Integration vollzogen hat.
Integration versteht sich als Prozess der Anpassung beziehungsweise der Akkulturation an die grundlegenden Werte und Gepflogenheiten der aufnehmenden Gesellschaft. Sozialer Zusammenhalt und die Orientierung zugewanderter Individuen setzen schließlich auch ein Mindestmaß an gemeinsamen Normen voraus. Dabei geht es nicht um Bratwurst, Bier und Oktoberfest, sondern um die „Hardcore-Werte“, wie es der Forensiker Frank Urbaniok ausdrückt: sexuelle Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Gewaltfreiheit.
Die Bildwahl öffentlicher Institutionen scheint dagegen zunehmend einem anderen Verständnis zu folgen: Teilhabe.
Die Botschaft lautet sinngemäß: Musliminnen sollen an der Gesellschaft partizipieren können, ohne sich an deren grundlegende Werte anpassen zu müssen. Sie sollen so bleiben, wie sie sind – oder wie man sie sich vorstellt – und genau darin liege die vermeintliche Anerkennung.
Das Problem dabei ist jedoch, dass Kopftuch und insbesondere Abaya keineswegs vollkommen neutrale Kleidungsstücke, sondern Instrumente repressiver Geschlechtervorstellungen und Ausdruck einer polit-islamischen Ideologie sind.
Noch perfider wird es dann, wenn der Schleier – wie vom Berliner Senat empfohlen – entgegen der stereotypen Rolle präsentiert und damit normalisiert wird: etwa an einer muslimischen Frau mit Kopftuch, die arbeitet, Sport treibt oder zugleich Feministin ist.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Klar sollen Frauen mit Hijab ihr Leben leben. Aber solche Inszenierungen nähren den Eindruck, den Schleier als 100 Prozent mit der modernen Gesellschaft vereinbar erscheinen zu lassen. Dabei täuschen jene Motive darüber hinweg, dass die Teilhabe dieser verhüllten Musliminnen nur dann als möglich erscheint, wenn der zuvor als sündhaft markierte weibliche Körper verhüllt wird. Kurzum: Wir akzeptieren eine scheinbar religiös legitimierte Diskriminierung von Frauen − der größeren Gruppe −, um eine mögliche Diskriminierung von Musliminnen − der kleineren Gruppe − zu vermeiden.
Standen im Feminismus und Antirassismus früher Fragen nach Gleichberechtigung und der materiellen Verbesserung von Lebensverhältnissen im Zentrum, dreht sich heute alles um Repräsentanz. Nicht mehr: Welche Leiderfahrungen und Machtverhältnisse wirken? Sondern: Wer findet statt und wer wird repräsentiert.
Wenn Vielfalt Neutralität verdrängt
Ein säkularer Staat ist zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet. Das bedeutet jedoch nicht, Vielfalt als positiven Wert an sich zu fördern, ohne zu hinterfragen, wofür eigentlich diejenigen stehen, die als Repräsentanten der Vielfalt gepriesen werden. Schnell entsteht ein Interessenskonflikt: Weil das Kopftuch etwa mit der Gleichberechtigung, wie sie in Artikel 3 festgelegt ist, quer steht.
Neben der Genugtuung von Islamisten erreicht die derzeitige Praxis womöglich das Schlechteste aus zwei weiteren Reaktionen: Zum einen verprellt der Staat damit liberale Muslime und säkulare Migranten, die mit politischen Islamdeutungen nichts zu tun haben wollen. Ein Vertrauensverlust entsteht bei den Leuten, die wir eigentlich brauchen. Zum anderen können solche Darstellungen bei Teilen der Mehrheitsgesellschaft Ängste und Abwehrreaktionen verstärken. Wenn öffentliche Institutionen muslimisches Leben immer wieder nahezu ausschließlich über den Schleier darstellen, kann beim Betrachter der Eindruck entstehen: „Die Muslime sind schon überall – und jetzt sollen sich demnächst auch noch unsere Frauen verschleiern.“
Das ist selbstverständlich keine zwangsläufige Reaktion. Aber eine mögliche. Jedenfalls: Futter für die AfD.
1 Hinweis der Redaktion: Das Bild wurde inzwischen geändert. Ob ein Zusammenhang zur Anfrage des hpd besteht, ist nicht bekannt.
Kommentare (16)
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kann mir jemand, erklären,…
kann mir jemand, erklären, warum der Artikel von Moritz Pieczewski-Freimuth, nicht - nicht - rassistisch ist? So würde ich ihn nämlich einordnen, als "antimuslimischen Rassismus"
Der Artikel erklärt es Ihnen!
Der Artikel erklärt es Ihnen!
Könnten Sie mal ausführen,…
Könnten Sie mal ausführen, woraus Sie das ableiten. Immerhin werden im Artikel alle Musliminnen, mit und ohne Kopftuch als Musliminnen aufgezeigt und nicht gemeinsam "atttackiert".
An dem Punkt sind wir also…
An dem Punkt sind wir also jetzt angekommen: Ein Rassismusvorwurf muss gar nicht mehr begründet werden, vielmehr soll begründet werden, weshalb man NICHT rassistisch ist. Wer soll das noch ernst nehmen?
Sehr geehrte Frau Rother,…
Sehr geehrte Frau Rother,
der Begriff "antimuslimischer Rassismus" ist ein verzerrendes Kunstwort, das echten Rassismus verharmlost. Es erstickt als Totschlagargument jegliche kritische Debatte, und das machen sich auch Vertreter des Politischen Islams zunutze. Rassismus ist die Diskriminierung aufgrund eines unveränderlichen körperlichen Merkmals wie der Hautfarbe, nicht die Diskriminierung aufgrund einer Religion, die ein Mensch frei wählen kann. Selbstverständlich darf Muslimfeindlichkeit - das ist der bessere Begriff - nicht stattfinden, und tut es auch nicht in unserem Artikel. Vielmehr geht es um Frauendiskriminierung und Kritik am Islam (einer Religion), nicht um die Diskriminierung von Menschen, im Gegenteil, er wendet sich gegen letztere.
Die hpd-Redaktion
@ hpd-Redaktion, Zitat: …
@ hpd-Redaktion, Zitat: "Rassismus ist die Diskriminierung aufgrund eines unveränderlichen körperlichen Merkmals wie der Hautfarbe ... " das ist eine Definition aus uralten Zeiten, ich empfehle der Redaktion, sich auf den neuesten Stand zu bringen. Sie könnten hiermit anfangen:
"Jenaer Erklärung
Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung
Die Idee der Existenz von Menschenrassen war von Anfang an mit einer Bewertung dieser vermeintlichen Rassen verknüpft, ja die Vorstellung der unterschiedlichen Wertigkeit von Menschengruppen ging der vermeintlich wissenschaftlichen Beschäftigung voraus. Die vorrangig biologische Begründung von Menschengruppen als Rassen – etwa aufgrund der Hautfarbe, Augen- oder Schädelform – hat zur Verfolgung, Versklavung und Ermordung von Abermillionen von Menschen geführt. Auch heute noch wird der Begriff Rasse im Zusammenhang mit menschlichen Gruppen vielfach verwendet. Es gibt hierfür aber keine biologische Begründung und tatsächlich hat es diese auch nie gegeben. Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung. (...)
Der Rassismus unter den Menschen besteht jedoch weiter. (...)"
Quelle: https://www.fli.de/fileadmin/FLI/Startseite/Jenaer_Erklaerung-2019.pdf
Ja, es gibt heute nur noch…
Ja, es gibt heute nur noch eine Menschenrasse, nachdem es einst mindestens sieben gab.
Rassismus ist deshalb eine Ideologie ohne Basis und der Rassist ist einfach unwissend.
Aber was hat dies mit Religion zu tun? Religion ist eine von Menschen erfundene Ideologie, kein genetisches Merkmal. Ohne Religion gäbe es keine Religion. D. h., wenn man nicht in Religionsgemeinschaften hineingeboren würde, hätte man mit großer Wahrscheinlichkeit keine Ahnung davon. Welcher Spezies (Rasse) man angehört, ist jedoch angeboren, unabänderlich. Jeder Religiöse ist ein Mensch. Aber nicht jeder Mensch ist ein Religiöser.
Was aufgeklärte Menschen stört, ist der Größenwahn religiöser Gemeinden, mit der größten Selbstverständlichkeit Kinder, die nur als Mensch auf die Welt kommen, in ein zu enges Korsett ihrer (!) Religion zu stecken. Ihnen die Freiheit zu nehmen, einen eigenen Weg zu finden. Es ist deren Größenwahn, diesen Kindern ein Stück ihrer Genitalien abzuschneiden, Frauen unsichtbar zu machen oder sie gar zu töten, wenn sie eigene Ziele im Leben haben.
Dies durch Aufklärung zu bekämpfen ist so wichtig, wie der Kampf für Demokratie. Nur in einer freien Demokratie und frei von Ideologie im Kopf, frei geliebt von den Eltern, ohne "göttliche" Vorgaben, kann der Mensch das bleiben, was er von Geburt an ist: ein Mensch!
Ich finde es seltsam, dass…
Ich finde es seltsam, dass Sie sich hier ausgerechnet auf die Jenaer Erklärung berufen. Diese wendet sich doch gerade gegen ein Konzept von "Rasse", das Grundlage für den "klassischen", biologistischen Rassismus ist. Wie soll man daraus ableiten können, diese Rassismusdefinition sei veraltet?
Es ist richtig, dass es auch andere Definitionen gibt. Das bedeutet aber keinesfalls, dass die Definition, die die hpd-Redaktion hier verwendet, veraltet wäre. Es gibt gute Gründe, an der engeren Definition von Rassismus festzuhalten. Aber selbst, wenn man einen erweiterten Rassismusbegriff zugrunde legt, lässt sich der Text von Pieczewski-Freimuth nicht als rassistisch charakterisieren. Die Begründung, dass auch ein "Rassismus ohne Rassen" noch als Rassismus bezeichnet werden könne, lautet ja, dass Kultur essentialisiert werde und als genau so "fest verdrahtet" und wesenhaft vorgestellt werde wie biologische Eigenschaften. Dass Pieczewski-Freimuth hier eine solche essentialistische Vorstellung von Kultur vertritt, lässt sich nicht nachweisen. Im Gegenteil.
@ malte Ihre Auslegung des…
@ malte Ihre Auslegung des Begriffes "Rassismus" war mir schon bekannt – sie ist im rechten Lager äusserst beliebt, weil man damit Probleme "auslagert": "Muslimischer Rassismus"? Passt nicht in unsere Definition - weg damit!
Weil, an dem Artikel nichts…
Weil, an dem Artikel nichts rassistisches ist außer in Ihrer Fantasie.
Was sollte an dem Hinweis, dass nicht alle Muslima Kopftuch tragen oder dass es sich um eine steretypisierende Darstellung handelt auch rassistisch sein?
Es gibt keinen …
Es gibt keinen "antimuslimischen Rassismus". Das ist ein Kampfbegriff aus der identitäspolitischen Bubble.
So wird das nichts mit der…
So wird das nichts mit der Emanzipation der Muslima, im Gegenteil, es verfestigt die Frau als Objekt der Muslimischen Männer, keusch eingehüllt und fern von jeglicher Emanzipation, soll das ewig so weitergehen oder rebellieren die Muslima einmal gegen diesen Zwang der Verhüllungen.
Diese männliche Unterdrückung zeigt eigentlich wie ängstlich die Männer im Islam sind
und den Frauen keinerlei Emanzipation gewähren aus Angst, diese könnten einmal
vernünftiger als die Paschas werden.
Selbstverständlich bildet…
Selbstverständlich bildet die Ausbildungswerbung der Stadt Augsburg nicht die Welt ab und sie ist auch nicht repräsentativ für irgendetwas. Aber sie informiert potenzielle Bewerberinnen darüber, dass die Stadt Augsburg als Ausbildungsbetrieb auch Kopfträgerinnen einstellt. Für diejenigen jungen Frauen auf Ausbildungsplatzsuche, die Kopftuch tragen, ist das eine wichtige Information.
Moritz Pieczewski-Freimuth und Lale Akgün scheint diese Einstellungspraxis allerdings nicht zu gefallen. Die Gründe werden nicht ganz klar. Der erhobene Zeigefinger ist sichtbar: Assimiliert euch! Legt das Kopftuch ab! Wie aber umgehen mit den Assimalationsverweigerinnen, also denjenigen, die das Kopftuch aufbehalten? Ich bin mir nicht sicher, aber ich hege den Verdacht, beiden (und der ganzen 'gbs') wäre es lieber, Kopftuchträgerinnen hielten sich ans Klischee und fügten sich in ihre Rolle als Ehefrau und Mutter, die allerhöchstens mit Putzen zum Familieneinkommen beiträgt. Oder wie stehen evolutionäre Humanist*innen zur kopftuchtragenden Fachkraft? Eine Antwort würde mich interessieren.
Da haben die Grafiker aber…
Da haben die Grafiker aber jetzt viel zu tun. Denn dank der Werbung wissen zwar jetzt Kopftuchträgerinnen, dass sie sich bewerben können. Es ist aber kein Mann mit Turban abgebildet, ein streng gläubiger Sikh könnte also denken, er würde nicht eingestellt. Oder ein Rastafari mit Dreadlocks. Wir sehen auch keine Rollstuhlfahrerin, können also Behinderte sicher sein, dass sie sich bewerben können? Wie stellen Sie sich das vor: Soll eine solche Werbung jetzt stets die gesamte gesellschaftliche Vielfalt abbilden, damit auch ja jeder "weiß", dass er oder sie sich bewerben kann? Wie wenig Denkvermögen trauen Sie Ihren Mitmenschen zu? Zumal ja eine solche Werbung im Grunde nichts aussagt. Es ist ja möglich, dass die Stadt Augsburg sich mit dem Plakat ein sauberes, "diverses" Image verpasst, in der Realität dann aber trotzdem diskriminiert wird.
Der zweite Teil Absatz ist dann wirklich unterste Schublade. Aus keiner Aussage in dem Text kann man ableiten, Pieczewski-Freimuth oder Akgün wendeten sich gegen die Beschäftigung von Frauen mit Kopftuch. Das ist eine vollkommen haltlose Unterstellung. Ausgerechnet Lale Akgün vorzuwerfen, traditionelle Geschlechterrollen zu verteidigen ist so absurd, dass sich hier jeder Kommentar erübrigt.
Und wieso erwähnen Sie eigentlich ständig die gbs? Soweit ich weiß, sind weder Pieczewski-Freimuth noch Frau Akgün für die Stiftung tätig.
"auch Kopfträgerinnen…
"auch Kopfträgerinnen einstellt" - das ist wichtig, weil Frauen mit Kopf sonst nicht wüssten, dass sie eingestellt werden.
Eine ernsthafte Antwort hat aber malte bereits gegeben. Wer alle Gruppen bedienen will, der hat viel zu tun, ansonsten geht man davon aus, dass das GG für alle gilt.
kann mir jemand, erklären,……
kann mir jemand, erklären,…
Liebe Susanne,
das ist sehr einfach: Der "antimuslimische Rassismus" ist eine Chimäre – es gibt ihn nicht.
Es gibt Ressentiments gegen Muslime und gegen den Islam, das ist korrekt.
Was es aber tatsächlich gibt, ist muslimischer Rassismus, der Rassismus der Umma (~ die globale muslimische Glaubensgemeinschaft) ggü. Dhimmis und Kuffar.
-- "Glaube ich nicht!" --
Okay, dann lesen Sie z.B. dieses: https://www.achgut.com/artikel/der_zynische_alltag_der_christenverfolgung_in_aegypten, und dergleichen Berichte gibt es ohne Ende.
Ein Blick auf diese Karte ist sehr erhellend: https://www.opendoors.de/christenverfolgung/weltverfolgungsindex.
Nichts ist verfassungs- und rechtsstaatsfeindlicher als die Forderung nach Kalifat und Scharia.
Lesen Sie die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam:
"Menschenrechte? Schön, schön. Aber absoluten Vorrang hat die Scharia".
Eine Abaya ist prima, wenn Sie in der kalten Jahreszeit ein schönes, warmes, bodenlanges Kleid brauchen, aber bei der Verschleierung hört die Freude auf.
"Verschleierung? So what?" -- Tja, dann testen Sie doch mal eine Burka.
Oder lesen Sie "Khaled Hosseini – Tausend strahlende Sonnen", über das Leben im Albtraum.
Oder machen Sie einfach die Augen auf, bevor Sie bemerken: „Huch, jetzt bin ich ein Mensch dritter Klasse."