format.at 22 Sep 2009 Nr. 7783

Geldwäsche: Die dunklen Geschäfte des Vatikan

Corinna Milborn

Der Vatikan als Drehscheibe für Mafiagelder, Schmiergeldzahlungen und Steuerhinterziehung: Eine nun veröffentlichte Sammlung von 5.000 Dokumenten aus dem Inneren der Vatikanbank ist eine politische Bombe.

Ende dieser Woche tritt, erzählen gut informierte Vatikan-Journalisten, in einer hochvertraulichen Sitzung im Inneren des Vatikans die versammelte Spitze der Weißen Finanz zusammen. Eine ganze Reihe von Kardinälen, der Präsident und der innerste Kreis der Vatikanfinanzen schreiten zur Krisensitzung. Thema des geheimnisvollen Meetings: Seit zwei Monaten untersucht eine Kardinalskommission die dunklen Seiten der Weißen Finanz. Ziel: die Ablöse des lang gedienten Präsidenten der Vatikanbank Angelo Caloia vorzubereiten. (...)

Hinter der hochnotpeinlichen Zusammenkunft stehen jüngst veröffentlichte Finanzskandale des Vatikans aus den 1990er Jahren, die an Brisanz jeden verschwörungstheoretischen Roman schlagen. Die Zutaten der Skandalsaga sind korrupte Politiker, die Mafia, Kardinäle, das Opus Dei und mindestens 275 Millionen Euro an Mafia- und Schmiergeldern, die in den 1990er-Jahren durch Nummernkonten der Vatikanbank geschleust wurden. Offiziell waren diese Konten auf wohltätige Stiftungen gemeldet. Aufgedeckt hat den Sumpf niemand Geringerer als jener Mann, der seit den großen Finanzskandalen der 1980er-Jahre in der Vatikanbank aufräumen sollte: Monsignore Renato Dardozzi, Mitglied des innersten Kreises der vatikanischen Hochfinanz, hat über die Jahre ein geheimes Archiv von fast 5.000 Dokumenten angelegt und Stück für Stück in die Schweiz geschmuggelt – Akten des vatikanischen Staatssekretariats und Papiere der Vatikanbank, die Istituto per le Opere di Religione (IOR), also Institut für religiöse Werke, heißt. Die Dokumente zeugen allerdings kaum von christlicher Ethik: Sie beweisen Geldwäsche im Dienste der Mafia, die Blockade von Korruptionsermittlungen, Schmiergeldaffären und geheime Nummernkonten, die etwa das Geld von Ex-Staatspräsident Giulio Andreotti enthielten.

Dardozzi schwieg als getreuer Kirchenmann zeit seines ­Lebens über die skandalösen Vorgänge. Doch in seinem Tes­tament verfügte er, sein geheimes Archiv solle nach seinem Tod veröffentlicht werden. 2007 wandten sich die Testamentsvollstrecker an den prominenten italienischen Journalisten ­Gianluigi Nuzzi. Nuzzi fuhr in die Schweiz und nahm im ­Keller eines entlegenen Bauernhofes zwei Samsonite-Koffer voller Dokumente in Empfang (Interview). (...)