20min.ch 9 Okt 2009 Nr. 7929

Verbot von Gesichtsschleiern

Der ranghöchste muslimische Geistliche in Ägypten hat das Tragen von Gesichtsschleiern an der renommierten Al-Azhar-Universität verboten. Diese seien eine vorislamische Tradition, die mit der Religion nichts zu tun habe.


Sein Wort wiegt schwer in der islamischen Welt: Mohammed Sajid Tantawi ist Imam der Al-Azhar-Moschee und Rektor der ägyptischen Al-Azhar-Universität. Die Universität gilt als ein wichtiges Zentrum für das islamische Recht der Sunniten und prägt mit ihren Auslegungen des Islams die sunnitischen Muslime rund um den Globus.

Nun kündigte Tantawi an, dass die Universität in den kommenden Tagen die sogenannte Ganzkörperverhüllung bei Frauen verbieten werde. Sämtliche Ganzkörperverhüllungen wie der Niqab (Gesichtsschleier) oder die Burqa werden damit als religiös nicht zulässig eingestuft und verboten. (...)

Die Diskussion um die Ganzkörperverhüllung brach nach einem Besuch des Gelehrten Tantawi an einer Mädchenschule aus, wie verschiedene Medien berichten: Tantawi forderte dort ein Mädchen auf, statt ihres Niqab ein normales Kopftuch zu tragen. Das Mädchen bekräftigte gegenüber dem Gelehrten, dass der Niqab eine religiöse Pflicht sei und sie es deshalb nicht ablegen werde. Worauf ihr der Geistliche erklärte, dass das nur Traditionen seien und nichts mit dem Islam zu tun habe. «Glaub mir, ich weiss mehr über Religion als du und deine Eltern», soll Tantawi weiter gesagt haben. (...)

In Ägypten stieg die Zahl der Frauen, die von einem normalen Kopftuch zum Niqab wechselten, in den letzten Jahren stark an. Vor allem fundamentalistisch–orthodoxe Gruppen hatten diese Form der Verhüllung von Frauen in den letzten Jahren vorangetrieben. Die ägyptische Regierung beobachte diese Entwicklung mit Sorge, heisst es in verschiedenen Medien.