10.9.1923
Kampf für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte Mehr...
Pluralismus 18 Nov 2009 - 16:32 Nr. 8259
In der AV Schulpflicht wird ausführlich beschrieben, welche Unterrichtsfreie Tage für die Schüler bestehen, die einer Religionsgemeinschaft angehören:
Zusätzlich zu diesen Regelungen gilt:
Generell gilt, dass vom Unterricht nur befreit werden kann, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Und um das Selbstbestimmungsrecht der Eltern gleich auf die genehmigten Tage und Bekenntnisse zu begrenzen, heißt es in Punkt 5 (2) der Ausführungsvorschriften warnend: „Ein religiöses oder weltanschauliches Bekenntnis allein ist kein wichtiger Grund, der eine Befreiung rechtfertigt.“
Die Senatsverwaltung für Bildung war nicht bereit, Auskunft zum Werdegang der neuen Verwaltungsvorschrift zu übermitteln. Somit konnte sie auch nicht erläutern, warum weltanschauliche Gedenktage der Säkularen bei der Aktualisierung der Vorschrift nicht gleichzeitig berücksichtigt wurden.
Der Humanistische Verband Berlin, mit rund 48.000 teilnehmenden Schülern in Humanistischer Lebenskunde der weltanschaulich am stärksten positionierte säkulare Verband Berlins, ist verwundert über die Entscheidung der Senatsverwaltung, dem Schulkalender weitere religiöse Feiertage hinzuzufügen und damit die Trennung der Schülerschaft entlang religiöser Linien zu forcieren. „Anstatt Schule als gemeinsamen Lebensraum aller Schülerinnen und Schüler zu gestalten, erlangen religiöse Orientierungen so eine immer größere Bedeutung für das erfahrbare Zusammenleben in der Schule. Dies ist ein klarer Eingriff in die Neutralität der Schule, in der religiöse Orientierungen auf diese Art immer stärker in den Vordergrund treten und den Schulalltag beeinflussen. Ein regulärer Unterricht ist mit der wechselnden Abwesenheit von Schülern deutlich schwerer zu gestalten.“
Der Humanistische Verband Berlin gibt den Vertretern der einzelnen Konfessionen darüber hinaus zu bedenken, "dass eine Befreiung Ihrer Schüler nicht im Sinne eines toleranten und offenen Schulalltags ist. Für einen solchen sind Begegnung und Austausch entscheidend, nicht aber Abwesenheit und religiöse Abgrenzung.“
Der Verband hatte bereits erst vor kurzem erklärt dass er weder einen Bedarf für zusätzliche muslimische oder jüdische Feiertage im Schulkalender sehen würde, aber auch keinen Bedarf für einen säkularen Feiertag – wie einen Evolutionstag -, erkennen könne.
C.F.