3.9.1859
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Thüringer Allgemeine.de 20 Mär 2010 Nr. 9094
Von Holger Wetzel
Was genau ist denn so schön an Erfurt, Janosch? Diese tierisch alten besprühten Wände! Wow. In meiner Weltanschauung speichern Wände alles, was um sie herum einmal geschah, wie auf einem Film.
Die Stadt habe Janosch schon beim ersten Besuch gefallen, erzählt Löser. Der Künstler habe sich hier wohlgefühlt. Und sie seien beide Fans der Kanaren-Inseln, erklärt der junge Galerist. Janosch, inzwischen 79, lebt seit 1980 zurückgezogen auf Teneriffa.
Doch schottet er sich dort nicht gänzlich von der Welt ab. Der sich täglich ausweitende Missbrauchsskandal in Kirchenkreisen beschäftigt, ja erregt den Zeichner sehr. Janosch, 1931 als Horst Eckert in Oberschlesien geboren, hat seine strenge jesuitische Erziehung zeitlebens als eine peinigende Erfahrung empfunden. Manche provokante Karikatur und seine Kritik an der Institution der Kirche zeugen davon. Den Dom, den er so schön gezeichnet hat, möchte er nicht betreten.
Manche Interpreten meinen, die Kinderbücher, mit denen Janosch weltberühmt wurde, seien eine Reaktion auf diese Qualen der Kindheit.