Hamburger Bio-Abitur ohne Evolution

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Dino-Tod und Aufstieg der Säuger (aus: U. Kutschera, Evolutionsbiologie, 4. A., 2015)
Dino-Tod und Aufstieg der Säuger (aus: U. Kutschera, Evolutionsbiologie, 4. A., 2015)

KASSEL (hpd) Zeitgleich mit dem Erscheinen der Neuauflage 2015 des UTB-Lehrbuchs Evolutionsbiologie wurde der Autor von besorgten Hamburger Schülern darüber informiert, dass ab 2017 das Thema Evolution nicht länger zum Abitur-Prüfungsinhalt zählen soll.

Der vor zehn Jahren verstorbene deutsch/amerikanische Evolutionsforscher, Biologiehistoriker und Wissenschaftsphilosoph Ernst Mayr (1904–2005) hat in einem Brief zur Gründung des Arbeitskreises (AK) Evolutionsbiologie (www.evolutionsbiologen.de) geschrieben: "Alle Fragen, die die Welt uns aufwirft, können nur durch eine evolutionäre Einstellung zugänglich werden" (Cambridge, Mass., USA, 2. Sept. 2002).

Diese Aussage gilt heute umso mehr als damals, da die wachsenden Menschheitsprobleme nur im Lichte unserer Stammesentwicklung und zukünftigen Evolution, auf Grundlage naturwissenschaftlichen Faktenwissens, gelöst werden können. In einem von zehn Schülern des Hamburger Gymnasiums Christianeum unterzeichneten Brief vom 25. April 2015 bringen die Autoren ihre Sorgen in den folgenden Worten zum Ausdruck: "Sehr geehrter Herr Professor Kutschera, mit Bestürzung haben wird den Rahmenrichtlinien für das Hamburger Biologie-Abitur 2017 entnommen, dass die Evolutionstheorie nicht länger zum Kanon des Abiturwissens zählt. Anders als in den vergangenen Jahrzehnten lauten die Prüfungsgebiete für das schriftliche Abitur nach dem 3. Semester nicht länger Genetik, Ökologie und Evolution, sondern Genetik, Ökologie und Neurophysiologie. […] … die jugendliche Frage nach dem Sinn des Lebens und der Erklärbarkeit der menschlichen Existenz lässt viele Schüler und Schülerinnen das Fach Biologie anwählen. Hier befürchten wir einen Rückgang des Faches Biologie in der Oberstufe."

Die Hamburger Schüler fassen ihre Bedenken in dem folgenden Satz zusammen: "Der Hauptgrund unserer Sorge aber rührt aus dem bildungspolitischen Auftrag der Schule, mündige und aufgeklärte Schüler zur 'Reifeprüfung' zu führen. Ohne eine intensive und sachgerechte Berücksichtigung der Evolutionstheorie ist dieses Bildungsziel aus unserer Sicht ernsthaft in Gefahr. Insbesondere durch die zunehmende Einflussnahme religiöser Fundamentalisten unterschiedlichster Couleur auf die gesellschaftspolitische Diskussion in Deutschland erscheint uns die Entscheidung der Hamburger Bildungsbehörde als problematisch."

Das Hamburger Schüler-Kollektiv bittet in ihrem Schreiben den Arbeitskreis (AK) Evolutionsbiologie, Kooperationspartner der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs), auf diese Entscheidung der Hamburger Bildungsbehörde einzuwirken, mit dem Ziel, sie rückgängig zu machen. Das Thema Evolution muss wieder in die schriftliche Abiturprüfung aufgenommen werden, da es zu den zentralen Lehrinhalten der Biologie zählt: Ohne evolutionäre Verwandtschaftsverhältnisse wird die Biologie wieder zu dem, was sie einmal war – Käfer sammeln ohne praktischen Nutzen.

 


Bildungsplan Abitur Regelungen für die zentralen schriftlichen Prüfungsaufgaben 2017, s. S. 98 – 101