Kämpfer für die Autonomie der Schulen

Friedrich Adolph Wilhelm Diesterweg

* 29. Oktober 1790 in Siegen, Westfalen, Δ 7. Juli 1866 in Berlin;
deutscher Pädagoge und Vorläufer der Reformpädagogik.

 

Sein Ideal war die Erziehung zur Selbstständigkeit im Dienste der Humanität, mündige und kritische Staatsbürger sollten für ihn das Produkt der Erziehung sein. Entsprechend gewann die Volksbildung für Diesterweg den Charakter einer Volksbefreiung. Aus diesem Grunde kämpfte er zeitlebens gegen den kirchlichen Einfluss auf das Schulwesen.

Diesterweg war von 1811 bis 1820 Haus- und Gymnasiallehrer und danach Leiter des Lehrerseminars in Moers. 1832 wurde er als Direktor an das neue Seminar für Stadtschulen nach Berlin berufen, wo er die Pädagogische Gesellschaft gründete. Dort engagierte er sich für die Verbesserung der Volksschule und trat für eine vermehrte pädagogische Bildung und die soziale Anerkennung der Volksschullehrer ein. Er vertrat Anschauung und Selbsttätigkeit als didaktische Grundsätze und forderte eine pädagogisch-fachliche (damals bestand noch die geistliche) Schulaufsicht und eine einheitliche Schulorganisation. Er wollte eine Professionalisierung des Lehrerstandes erreichen. Außerdem kämpfte er für die Autonomie der Schule gegenüber den gesellschaftlichen Mächten insbesondere den Kirchen und trat für einen konfessionsunabhängigen Religionsunterricht ein.

Aufgrund seiner fortschrittlichen Ideen, insbesondere, weil er für eine nicht-konfessionelle Schule und gegen die kirchliche Vorherrschaft in der Schule eintrat, wurde er 1847 des Amtes enthoben und 1850 vorzeitig pensioniert. Ab 1851 gab er das „Pädagogische Jahrbuch für Lehrer und Schulfreunde" heraus, es folgten zahlreiche mathematische, pädagogische Veröffentlichungen und Sprachlehrbücher. Als preußischer Landtagsabgeordneter für die linksliberale Fortschrittspartei setzte er sich ab 1858 weiterhin für die Trennung von Staat und Kirche und seine bildungspolitischen Ziele ein.

Zitat:

„Die Freiheit wird einem nicht angeboren, sie wird nicht geschenkt, sie will erarbeitet sein.“