Es gibt kein Wort, das unumstößlich ist. Mich stützt kein Glaube.

Heinz Kahlau

kahlau.jpg

* 6. Februar 1931 in Drewitz bei Potsdam, Δ 6.4.2012 in Greifswald;
deutscher Dichter, Dramatiker sowie Verfasser von Dreh- und Kinderbüchern, gilt als einer der meist gelesenen deutschen Lyriker der Gegenwart.

Er wurde als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren. Nach der Volksschule arbeitete er als Elektriker, Holzdrechsler und Traktorist in Potsdam. Im Jahr 1949 ging er nach Berlin. Hier studierte er ab 1953 an der Akademie der Künste u. a. als Meisterschüler von Bertolt Brecht. Der Gedichtband „Hoffnung lebt in den Zweigen der Caiba” (1954) war seine erste Veröffentlichung. Ab 1956 war er freischaffender Schriftsteller und schrieb Lyrik, Dramen, Prosa sowie Agitations- und Propaganda-Lieder, arbeitete auch als Funk- und Filmautor. Das Kindertheater in der DDR erfuhr mit seinen Stücken und Hörspielen einen wesentlichen Impuls zur Veränderung.

Weil ihm wegen kritischer Verse im Zusammenhang mit dem Ungarn-Aufstand von 1956 Haft drohte, unterschrieb er 1957 eine Verpflichtungserklärung als IM der Stasi, was er im Mai 1990 freiwillig offenbarte. Auf eigenen Wunsch wurde er schließlich 1964 aus der Zusammenarbeit entlassen.

Die Veröffentlichung des Gedichtbandes „Der Fluß der Dinge” (1964) mit autobiografischem Charakter wird als Wende seiner poetischen Tätigkeit bezeichnet und fand Eingang in zahlreiche Anthologien und Schulbücher. Er wendete sich darin der Subjektivität zu und schilderte seine Entscheidung für den Kommunismus und die darauf folgenden Anfechtungen seiner Person. Bekannt wurde er außerdem durch seine Nachdichtungen, u. a. chinesischer und jiddischer Volkslieder sowie amerikanischer Arbeiterlieder.  Kahlau hat eine zutiefst atheistische Weltsicht und beschreibt ein weltliches Lebensgefühl. In vielen seiner Werke u. a. in seinem Gedicht „Kein Gott” kommt seine undogmatische, skeptische weltlich-humanistische Anschauung zum Ausdruck.

Er bekam eine Vielzahl von Preisen u. a. 1963 den Heinrich-Heine-Preis, 1972 den Lessing-Preis der DDR, 1981 den Johannes-R.-Becher-Preis und -Medaille, 1984 den Nationalpreis III. Klasse der DDR und 1989 den Vaterländischen Verdienstorden der DDR in Bronze als „Aktivist der Ersten Stunde”.

Ab 1970 war er zehn Jahre lang Präsident des P.E.N der DDR. Er engagierte sich im Schriftstellerverband der DDR und schrieb für die Gruppe „Karat”. Sein Gedichtband „Querholz”, der noch vor der Grenzöffnung 1989 erschien, enthält zum Teil regimekritische Verse. 1990/91 wird er Mitglied der Untersuchungskommission zur Geschichte des Schriftstellerverbandes der DDR und ab 1991 Mitglied des Vorstandes des Berliner Verbandes Deutscher Schriftsteller.
Im Jahre 2006 zog er sich aus Berlin zurück und lebte auf der Insel Usedom.

Zitat:
„... Ich habe keinen Vater, der mich tröstet.
Es gibt kein Wort, das unumstößlich ist.
Mich stützt kein Glaube.
Keine weise Fügung besitzt ein Maß das meinen Nutzen misst ..."