Ledermann

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Szene Ledermann, Theater Trier

TRIER. (hpd) Uraufführung der Kurzoper über Desertion (Fahnenflucht) zum Ende des 2. Weltkriegs.

Ich war kürzlich mit meiner Mama in dem Trierer Stadttheater bei einer Veranstaltung, namens `Mensch am Limit´. Dort haben die eine Oper aufgeführt, die hieß `Ledermann´. Da ging es über die Nazizeit, das ist eine Zeit, wo ein Mann namens Adolf Hitler regierte, der ganz viele Menschen umgebracht hatte.

Also, und darum ging es:
Lena sitzt im Keller und macht sich schreckliche Gedanken über ihren Mann, der in den Krieg gezogen war. Da kommt die Mutter von Lena, um sie aufzuheitern. Selber ist sie jedoch auch nicht ganz so froh darüber. Da kommt auf einmal ein Gestapomann, auch Ledermann genannt, in den Keller. Er behauptet, Lenas Mann Hans sei von der Armee weggelaufen, aber ihm sei noch nichts passiert. Dann geht die Mutter von Lena zweifelnd aus dem Keller. Währenddessen vergewaltigt der Ledermann Lena, das heißt, er nutzt sie gemein aus. Dann kommt eine Rückblende, in der der Ledermann Hans wehtut und ihn dann erschießt. Danach wird sozusagen wieder vorgespult, der Ledermann gibt Lenas Mutter einen Brief und geht weg. Als die Mutter den Brief liest, ist klar, was geschehen ist. Sie holt einen Revolver und rennt hinaus auf die Straße, um den Ledermann zu erschießen. Währenddessen kommt Lena, inzwischen wieder angezogen, wieder in den Keller und liest den Abschiedsbrief von Hans ebenfalls. Sie bleibt an der Stelle „Nie wieder töten“ hängen. Dann hört sie draußen Schüsse fallen. Ein bisschen später platzt die Mutter in den Keller und sagt: „Er ist tot!“
Und dabei spielte das Geschehen in einem so einem kleinen Raum, dass man dachte, man hätte selber mitgespielt. Es waren 30-Minuten Echtzeit.

Später habe ich Lena (Evelyn Czesla), die Mutter (Angelika Schmid) und den Dramaturg (Peter Larsen) befragt:

hpd: Wie sind Sie dazu gekommen, gerade in DIESEM Stück mitzuspielen und zu singen?

Evelyn Czesla: Ich wurde sozusagen dazu `gezwungen´.

Angelika Schmid: Die Theaterleitung bestimmt das. Die dürfen sich das aussuchen.

hpd: Ist es Ihre einzige große Leidenschaft zu singen und zu schauspielern?

Czesla: Ja, schon als Kind wollte ich das immer, weil meine Tante auch gesungen hat und weil ich dann auch mal auf der Bühne stehen wollte.

Schmid: Ja, das ist ja schließlich mein Beruf.

hpd: Wissen Sie schon, wo Sie als nächstes auftreten sollen?

Czesla: Ja! Es heißt `Die Hochzeit des Figaro´ (von Mozart).

Schmid: Ja! Faust 1 und 2.

hpd: Wie war es, in SO einem Stück mitzuwirken?


Schmid: Sehr spannend und interessant. Die Musik und die Gefühle waren schwer und es ist spannend, sich in die Rollen einzufühlen. Es ist interessant, dass unsere Eltern dasselbe erlebt haben könnten.

hpd: Wie fanden Sie das Thema?

Schmid: Ich fand das Thema toll, weil es mal was anderes ist.

Und am Schluss habe ich den Dramaturg  (Dr. Peter Larsen) Folgendes gefragt:

hpd: Warum haben Sie sich gerade dieses Projekt gegriffen?

Larsen: Das und noch andere Sachen, wie zum Beispiel die Künstler nach Teilnahme zu fragen oder die Programmhefte zu organisieren, ist meine Aufgabe.

hpd: Welche Verbindung haben Sie selbst zu dieser Zeit?

Larsen: Mein Vater war im Krieg und als ich klein war, hat er mir viele Geschichten erzählt, wie zum Beispiel, dass meine Mutter bei einem Bombenangriff gestorben ist und dass unser Haus, auch wegen einem Bombenangriff, eingekracht ist. Ich bin in Berlin aufgewachsen und wenn ich mal wieder da hinfahre, dann begegne ich selbst dieser Geschichte ein bisschen.

Ich muss sagen, für vier Schauspieler, einen Dramaturg, einen Dirigenten, einen Posaunisten, drei Schlagzeuger, einen Oboenspieler, einen Bratschisten und eine Fagottspielerin, war das wirklich eine große Leistung.

Lilias Baumhögger