Kampf für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte

Uri Avnery

* 10. September 1923 in Beckum; als Helmut Ostermann geboren;
israelischer Journalist, Schriftsteller und Friedensaktivist. Er tritt seit über 60 Jahren für die Verständigung mit den Arabern und für einen Palästinensischen Staat ein.

 

Er vertritt in seinen Auffassungen die strikte Trennung von Staat und Religion. Damit ist er gegen den orthodoxen Einfluss auf das religiöse und politische Leben in Israel.

Uri Avnery wurde 1923 in Deutschland geboren, erlebte die Weimarer Republik als Kind und musste als Zehnjähriger vor den Nazis fliehen. Seine Familie wanderte nach Palästina aus. Mit 15 Jahren schloss er sich der rechtszionistischen jüdischen Untergrundgruppe Irgun an, von der er sich 1942 trennte, weil er deren antiarabischen Kurs und ihre gesellschaftspolitisch reaktionären Vorstellungen nicht teilte. In der Folge machte er sich für eine Zusammenarbeit der jüdischen und der arabischen Nationalbewegung gegen den Kolonialismus stark. Angesichts der arabischen Aggression gegen den neu gegründeten jüdischen Staat, kämpfte er 1948 in der israelischen Armee. Seine Erfahrungen aus diesem Krieg bestärkten ihn jedoch in seiner Haltung, einen friedlichen Ausgleich zwischen Israelis und Arabern anzustreben und machten ihn zum Pazifisten.

Seine Positionen vertrat er vier Jahrzehnte in dem von ihm herausgegebenen Nachrichtenmagazins „Haolam Haseh”, das er bis 1990 leitete. 1965 gründete er unter diesem Namen auch eine Partei mit der er zweimal hintereinander in die Knesset einzog. Er setzte sich für Menschen- und Bürgerrechte, auch der arabischen Minderheit, ein, für die Trennung von Staat und Religion und für einen eigenen palästinensischen Staat. Mit seiner Kritik an der israelischen Politik und der Beharrlichkeit bei der Aufdeckung von Skandalen wurde er zum Dauerärgernis jeder israelischen Regierung.

Seit 1974 hatte er geheim gehaltene Kontakte zu hochrangigen PLO-Vertretern und initiierte 1975 einen inoffiziellen israelisch-palästinensischen Dialog. 1977 schaffte er, als Vertreter einer damals neu gegründeten Friedenspartei „Shelli”, ein politisches Comeback und wurde 1979 wieder in die Knesset gewählt. 1988 gab Avnery die Parteiarbeit auf und setzte den Kampf für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte in der 1993 gegründeten, parteiunabhängigen Friedensorganisation „Gusch Schalom” fort.

Angesichts des israelisch-palästinensischen Teufelskreises aus Gewalt und Vergeltung nach dem Amtsantritt von Ariel Scharon forderte er 2001/2002 eine internationale Friedenstruppe für die besetzten Gebiete und machte die Politik der Bush-Administration für die Verschärfung der Lage im Nahen Osten verantwortlich.

Für sein Engagement erhielt er unter anderem den Aachener Friedenspreis und den Alternativen Nobelpreis.