Die Bio-Urne „Das frEI“

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Rita Capitain mit "frEi" / Fotos © Evelin Frerk

BLUNK. (hpd) Die Künstlerin Rita Capitain hat sich auf das Land in Norddeutschland zurückgezogen, um dort, in der Ruhe zwischen den Meeren, ihrem Anliegen folgen zu können, individuelle Bio-Urnen anzufertigen. Der hpd hat sie besucht.


Die Adresse ist einfach zu finden, auch wenn der Weg bis dahin recht lang ist. Das ist durchaus im doppelten Sinn zu verstehen. Zum einen ist der Ort Blunk bei Bad Segeberg, in dem Rita Capitain seit Sommer 2009 wohnt und ihr Atelier hat, nördlich von Hamburg, von den meisten Orten Deutschlands weit entfernt. Zum anderen hat Rita Capitain selber lange Jahre, Jahrzehnte gebraucht, um sich zu entschließen und entschieden dem zu widmen, was sie jetzt als ihre Aufgabe ansieht: die Entwicklung und die Gestaltung von Bio-Urnen, die diesem Begriff tatsächlich entsprechen und der Individualität des Verstorbenen gerecht werden.

Wir sind telefonisch verabredet und so ist die Grundstückseinfahrt geöffnet, wir sind recht pünktlich, Frau Capitain kommt uns entgegen. Ihre freundliche Art und die ersten Sätze machen bereits deutlich, dass sie nicht aus der Gegend hier, aus Norddeutschland stammt. „Das stimmt“, lacht sie, „ich komme aus dem Rheinland, um es genau zu sagen, aus Köln.“

Wider bessere Empfindung hatte sie ihr gestalterisches Bestreben als junge Frau beiseite geschoben, war in die Wirtschaft gegangen, hatte schließlich im Marketing gearbeitet und doch, als brauchte ein Quell seine Zeit, um an die Oberfläche zu finden, acht Jahre lang ‚nebenher’ eine Ausbildung und Fortbildung bei einem Bildhauer absolviert. Ihr Gesellenstück war ein Torso. „Als ich wusste, ich kann das, bin ich zum weichen Stein gekommen, dann zum harten Stein und schließlich habe ich in Italien Marmor geschlagen.“ Diese Kraft strahlt sie aus.

Mit fünfzig wurde es beruflich zunehmend schwieriger, Zeitverträge, schlechtere Honorare, so dass sie sich entschloss, ihrem Leben eine entschiedene Wendung zu geben. Sie ist bewusst aufs Land gezogen: „Die klare Luft ist gut für meine Bronchien, möglichst nah am Meer.“ Sie will in einer stimmigen Umgebung leben. Drei Jahre auf Rügen, die Begegnung und Diskussionen mit einem Bestatter, lenkten ihre Aufmerksamkeit auf die Bestattungskultur in Deutschland und die Frage: „Wie möchte ich es für mich gestalten?“ Das, was es gab, gefiel ihr nicht.

Kunst ist klar. Sie ist einfach und bringt die Hauptsache in den Mittelpunkt. Diese ‚Hauptsache’ ist für sie der Mensch. Im Krematorium wird auf den Sarg ein Schamottstein gelegt, mit Daten, sozusagen als Personalausweis. Nach der Feuerbestattung verbleiben 2-3 Kilo Aschenreste, die in eine herkömmliche Kapsel aus Weißblech verfüllt werden. Häufig zersetzt sich diese Kapsel nicht. Ist die Grabstelle abgelaufen, wird die Kapsel samt der darin enthaltenen Asche als Sondermüll entsorgt.

Diese Situation entsprach nicht den Vorstellungen der Urnenmacherin. Sowohl die Individualität der Toten fand darin nirgendwo einen Ausdruck, noch war ihrer Ansicht nach die Vorstellung eines Entstehens und Vergehens angemessen realisiert. Nach theoretischen Überlegungen und praktischen Versuchen ist dann eine Form entstanden, die nicht zufällig einem Ei entspricht. "Ich denke, das ist die Form, aus der wir alle kommen. Und so schließt sich der Kreislauf vom Beginn zum Ende."