Ein aktiver Politker und leidenschaftlicher Redner

Ferdinand Lassalle

* 11. April 1825 in Breslau, Δ 31. August 1864 in Genf, beim Duell;
Schriftsteller, Politiker, Gründer des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins

 

Lassalle war der Sohn eines jüdischen Geschäftsmannes. Er studierte von 1843 bis 1846 an den Universitäten Breslau und Berlin. Seine Studienrichtungen waren Philologie, Geschichte und Philosophie. Während seiner Studienzeit in Breslau wechselte er zu einer jakobinisch demokratischen Einstellung, die auf einem orthodoxen Hegelianismus basiert. 1845 lernte er den französischen Sozialpolitiker Louis Blanc kennen, der mit Staats­hilfe Arbeiter-­Produktiv­genossen­schaften aufbauen wollte. Stark und nachhaltig beeinflusst wurde er ebenfalls von dem Sozial­philosophen Pierre Joseph Proudhon, der das nicht durch Arbeit entstandene Eigentum verurteilte („Eigentum ist Diebstahl“). Während der Februar-Revolution lernte er Karl Marx und Friedrich Engels kennen und beteiligte sich 1848/49 an der Märzrevolution. Er veröffentlichte Artikel in der von Karl Marx herausgegebenen „Neuen Rheinischen Zeitung“.

Auf der Grundlage der hegelschen Theorie verfasste Lassalle seine eigene Staats- und Gesellschaftstheorie. Lassalle stimmte grundlegend mit den marxistischen Ideen der Überwindung des Kapitalismus und der Entstehung einer sozialistischen Gesell­schafts­form überein. Jedoch der Weg dahin unterschied sich von Marx. Lassalle wollte über die Wahl sein Ziel erreichen und setzte sich für ein allgemeines Wahlrecht ein. Er wollte statt des Privateigentums an Produktionsmitteln  Produktiv­assoziationen bilden, bei denen die Arbeiter mit finanzieller Unterstützung des Staates selbst unternehmerisch tätig werden sollten.

Während Marx den Staat als Unter­drückungs­instrument der herrschenden Klasse verstand, sah Lassalle in ihm die positive Organisations­form der Gesellschaft. Im Gegensatz zu Marx' und Engels' revolutionärem Sozialismus vertritt Lassalle einen staatsfreundlichen sozialdemokratischen Reformismus.

Lassalle gründete am 23. März 1863 den Allgemeinen Deutschen Arbeiter­verein (ADAV), für den sein Programm Leitlinie war und wurde dessen erster gewählter Präsident. Lassalle legte damit den Grundstein der sozial­demokratischen Bewegung in Deutschland.

Neben seinem politischen Engagement veröffentlichte er zahlreiche literarische Werke. Zu seinen bedeutenden politisch-philoso­phischen Schriften zählen „Das System der erworbenen Rechte, eine Versöhnung des positiven Rechts und der Rechtsphilosophie“ (1861) und „Das Arbeits­programm“(1863).

Er war ein außergewöhnlich aktiver Politiker, ein leidenschaftlicher Redner und ein außerordentlich effektiver Agitator und Organisator. Außerdem zeichnete er sich auf dem Gebiet der Geschichts- und Rechtsphilosophie, der politischen Ökonomie und der politischen Wissenschaft aus.

In seiner Jugend hegte Lassalle noch Interesse am Judentum, später nahm er aber eine ablehnende Haltung gegenüber der jüdischen Religion ein. Im Jahre 1860 schrieb Lassalle: „Ich kann behaupten, dass ich kein Jude mehr bin“, und fügte hinzu: „Ich liebe die Juden gar nicht, ich verabscheue sie sogar im allgemeinen. Ich sehe in ihnen nichts als die äußerst degenerierten Söhne einer großen, aber längst vergangenen Zeit. Diese Menschen haben in den Jahrhunderten ihrer Versklavung die Eigenschaften von Sklaven angenommen, und deshalb bin ich Ihnen so unfreundlich gesinnt. Ich habe auch keinerlei Berührung mit ihnen. Unter meinen Freunden und in der Gesellschaft, die mich umringt, gibt es fast keinen einzigen Juden.“

Lassalle wollte zwar um einer Heirat willen Christ werden, erkannte es aber als Nachgeben eines Vorurteils. Dies erschien ihm wiederum als Feigheit und Heuchelei, da er kein Christ war.

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