Rezension

Wie Andersartigkeit entsteht

Am Anfang des Manifests steht die Schilderung eines Kusses. Eine Überschreitung nicht der Normen, sondern der Speziesgrenzen. Denn Ms. Cayenne Pepper, welche die Autorin mit ihrer Schlabberzunge beglückt, ist eine Australische Hirtenhündin. Donna Haraway fragt in ihrem "Manifest für Gefährten", das auf Amerikanisch "The Companion Species Manifesto. Dog, Men and Significant Otherness" heißt, nach Art und Andersartigkeit und deren Entstehen entlang von Geschichten und Geschichte.

Der Zufall, das Universum und du

"Der Zufall ist ein wichtiger Teil unseres Lebens; er hat uns fest in der Hand…." – diese Aussage wissenschaftlich zu untermauern, ist das Ziel des Buches und dem entsprechend lautet auch sein Untertitel "Die Wissenschaft vom Glück": "Leben ist ein riesengroßes Glücksspiel, in dem der Zufall eine alles überragende Bedeutung besitzt".

Erste vergleichende sozialwissenschaftliche Studie zum NSU-Rechtsterrorismus

Der Sozialwissenschaftler Daniel Köhler legt mit "Right-WingTerrorism in the 21st Century. The 'National socialist Underground' and the history of terror from the Far-Right in Germany" eine erste vergleichende sozialwissenschaftliche Studie zum NSU-Rechtsterrorismus vor. Positiv fällt die nüchtern und sachliche Herangehensweise auf, verbunden mit einem komparativen Blick auf die Geschichte des deutschen Rechtsterrorismus.

Göttliches Übel

Schon Boethius hatte das Problem "in seinem berühmten Buch 'Vom Trost der Philosophie' in eine prägnante Frageform gebracht: Si deus, unde malum? Wenn es einen allgütigen, allwissenden und allmächtigen Gott gibt, woher dann die Leiden Unschuldiger, die Qualen Todkranker, die Gräuel des Krieges?" Es ist dieses Theodizee-Problem, die Frage nach der "Rechtfertigung der Güte und Weisheit Gottes angesichts der Weltübel", dem Gerhard Streminger in seinem in überarbeiteter Auflage erschienenen Buch über "Gottes Güte und die Übel der Welt" nachgeht und das er in aller Gründlichkeit analysiert.

Islamistischer Terrorismus in Deutschland

Der ZDF-Terrorismusexperte Elmar Theveßen legt in seinem Buch "Terror in Deutschland. Die tödliche Strategie der Islamisten" eine journalistische Bestandsaufnahme vor und geht dabei von der Existenz eines "Materplans" aus. Es handelt sich um eine anschauliche Darstellung von einem Kenner der Materie, die aber etwas mehr Analyse und Systematik verdient gehabt hätte.

Islamistischer Terrorismus in Frankreich

Der Islamismusforscher und Soziologe Gilles Kepel legt mit "Terror in Frankreich. Der neue Dschhad in Europa" eine Studie zur Entwicklung des Djihadismus im Nachbarland vor. Dabei kombiniert er gekonnt die Betrachtung des islamistischen Milieus mit der der französischen Gesellschaft, hätte aber analytisch noch klarer und stringenter sein können.

Bürokratie und Massenmord

Der Historiker Peter Logerich legt mit "Wannseekonferenz. Der Weg zur 'Endlösung'" eine Darstellung und Deutung der bürokratischen Vorbereitung des Massenmordes an den Juden im Zweiten Weltkrieg vor. Der Autor entzieht sich einfachen Erklärungen und macht auf die Komplexität des Prozesses aufmerksam, wobei er auch Detailaspekte der Konferenz akribisch untersucht und so eine schlüssige Interpretation präsentiert.

Adorno – der Zauberer

Gisela von Wysocki hat selbst bei Adorno studiert. So kann man erwarten, in dem zweiten, dem neuen Roman der heute 76-jährigen nun einiges über Adorno als Professor zu erfahren. Denn so oder so ähnlich mag es wirklich gewesen sein: Adorno – ein Zauberer, ein Wortzauberer, der sich selbst nur zu gern von Frauen bezaubern ließ. Angehimmelt und charmant. Der Koautor der "Dialektik der Aufklärung" philosophierte, wo immer er auch war.

Gewalt und Monotheismus

Der Ägyptologe Jan Assmann geht in seinem Buch "Totale Religion. Ursprünge und Formen puritanischer Verschärfung" erneut dem Kontext von Gewalt und Monotheismus nach. Dabei beschränkt er sich auf eine kenntnisreiche Darstellung zur Entstehungsgeschichte, eine darüber hinausgehende Erörterung im strukturellen oder übergeschichtlichen Sinne findet man darin nicht.