USA

Eltern verklagen katholische Schule wegen politischer Korrektheit

Tampa Bay, Florida
Tampa Bay, Florida

Das Ehepaar Anthony und Barbara Scarpo hat die katholische Schule "Academy of the Holy Names" ("Akademie der heiligen Namen") verklagt. Sie wollen ihre Spende an die Bildungseinrichtung, die ihre beiden Töchter besuchten, samt Schulgeld zurück. Der Grund für den drastischen Schritt: Die in Tampa im Bundesstaat Florida gelegene Einrichtung sei zu woke und zu politisch korrekt.

Die Scarpos werfen der Schule Betrug und mangelnde Treue gegenüber der katholischen Lehre vor, berichtet die Tampa Bay Times. Daher fordern sie ihre im Jahr 2017 getätigte Spende in Höhe von 1,35 Millionen Dollar und auch das gezahlte Schulgeld zurück, das je nach Klassenstufe bis zu 21.710 Dollar im Jahr beträgt; es soll an katholische Wohltätigkeitseinrichtungen gespendet werden, welche die erzürnten Eltern auswählen.

Die Academy sei "vom Weg abgekommen", indem sie sich vom Mainstream-Katholizismus distanziert habe. Sie habe sich der neuen, entzweienden "politisch korrekten 'Woke'-Kultur, die gerade en vogue ist" zugewandt, das Hauptaugenmerk sei auf Genderidentität, Sexualität, Schwangerschaftsabbruch und andere "heiße Eisen" gerichtet – so lauten die Vorwüfe der Scarpos, berichtet Newsweek. Schüler würden dazu gebracht, sich schuldig zu fühlen, weil sie weiß und wohlhabend genug sind, um die "Academy of the Holy Names" zu besuchen. "Die andauernde Indoktrination mit Ihrer verdrehten Version von sozialer und Rassengerechtigkeit, Fairness, Inklusion, Sexualität und dem heutigen, politisch korrekten Narrativ hat die Hallen der Akademie wie ein Gestank durchdrungen und ihm wurde erlaubt, in die Köpfe unserer Kinder einzusickern. Dort verursacht es Stress, Ärger, Schuld und Verwirrung", schrieb der erboste Vater in einem Brief an die Schule, so die Tampa Bay Times weiter.

Doch die Forderungen der wohlhabenden Spender geht über das Finanzielle hinaus: Sie wollen zusätzlich erreichen, dass die Katholische Konferenz von Florida die Schule nicht mehr akkreditiert und diese nicht mehr mit dem Label "katholische Einrichtung" für sich werben darf. Es gehe Ehepaar Scarpo auch gar nicht um Geld, so ihr Anwalt, "es geht darum, eine Stimme für Menschen zu sein, die nicht gehört werden". Seine Mandanten wollten, dass die Academy zu ihren Wurzeln zurückkehre.

Die Schule weist die Vorwürfe der Klage zurück: Deren Anwalt spricht von einem PR-Trick, die Ansprüche seien frivol, so Newsweek. Indem ein staatliches Gericht sich damit befassen würde, ob die Unterrichtsinhalte mit einer katholischen Erziehung vereinbar seien, würde es die sogenannte "Establishment Clause" verletzen. Diese Klausel verbietet die Einführung einer Staatsreligion. Man behalte sich jedoch eine Gegenklage vor, sollten die Scarpos ihr Vorgehen weiter verfolgen. Eine Schulsprecherin ergänzte, der Schullehrplan sei und habe immer auf katholischen Werten und strengen akademischen Standards aufgebaut, dazu gehörten Erziehung, soziale Gerechtigkeit, Einkehr und die Künste, mit besonderer Fürsorge für Frauen, Kinder sowie arme und ausgegrenzte Menschen.

Die beiden Töchter des Elternpaars Scarpo sind übrigens keine Schülerinnen der "Academy of the Holy Names" mehr: Eine der beiden hat ihre Schulbildung dort bereits abgeschlossen, die andere besucht mittlerweile eine andere Bildungseinrichtung.

Drei andere ehemalige Schülerinnen wollten die Anschuldigungen so nicht stehen lassen und verfassten einen Offenen Brief, wie die Tampa Bay Times in einem Folgebericht schildert. Demnach seien die Kritikpunkte der rückfordernden Eltern keine Verfehlungen, sondern "Beispiele für katholischen Glauben in Aktion". Den Brief sollen Stand Mitte Juli bereits über 430 Alumni auch anderer Schulen, die wie die "Academy of the Holy Names" ebenfalls von den "Sisters of the Holy Names of Jesus and Mary" betrieben werden, unterzeichnet haben. In dem Offenen Brief heißt es unter anderem: "Wir stehen hinter Lehrinhalten wie Diversität, Fairness und Inklusion." "Wir glauben, dass solche Lehren nicht im Widerspruch zum katholischen Glauben stehen. Im Gegenteil, wir argumentieren, dass diese Lehrinhalte wesentlich für die Entwicklung des katholischen Glaubens sind."

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Kommentare (5)

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Mi. 28 Jul 2021 - 13:14

Das ganze ist nichts weiter als der Versuch die Regeln der RKK zu zementieren und liberalere Ansichten, welche eventuell einen Fortschritt in Glaubensangelegenheiten bringen könnten, abzuwürgen.
Die rigiden Glaubensgrundsätze sollten dadurch staatlich anerkannt und festgeschrieben werden, dies grenzt an Erpressung der Institutionen.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Mi. 28 Jul 2021 - 13:46

Mei, "zu woke und zu politisch korrekt" - die haben Sorgen...
Obwohl - für 1,35 Mio $ kann man schon was fordern, nich?

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Do. 29 Jul 2021 - 10:54

Da ich die Verhältnisse dort nicht kenne, kann ich zum vorliegenden Fall nichts sagen. Allerdings - und möglicherweise haben sich dies die Scarpos zunutze gemacht - gibt es an amerikanischen Schulen und Universitäten ein grassierendes Problem mit identitären Linken, die der Wokenbewegung angehören. Mehr Schockierendes dazu in Caroline Fourests Buch "Generation beleidigt" von 2020.

Allerdings ist die "katholische Bewegung" keinen Deut besser. Auch sie ist dualistisch und operiert mit Druckmitteln und emotionaler Erpressung. Falls die Wokebewegung wirklich an dieser Schule Fuß gefasst haben sollte, hieße die Rückkehr zum Katholizismus, den Teufel mit Beelzebub auszutreiben.

Zurzeit denke ich sehr viel über diese hysterische, angeblich so sensible Bewegung nach. Was mir heute spontan in den Sinn kam, war in Anbetracht deren völligen Humorlosigkeit: "Der Humohr hat seine Schuldigkeit getan, der Humohr kann gehen..."

David Z (nicht überprüft)

Do. 29 Jul 2021 - 13:53

Die Verhältnisse in Sachen "woke culture" gehen an einigen US Schulen tatsächlich über das gesunde Mass hinaus, wie inzwischen regelmässig bekannt wird.

Von daher sollte man mit Kritik nicht zu voreilig sein.

Gisa Bodenstein

Die Autorin studierte Kulturgeographie mit den Wahlfächern Politische Wissenschaft, English and American Studies und Physische Geographie in Erlangen. Danach war sie für die Erlanger Nachrichten und die Berliner Morgenpost tätig. Seit 2017 arbeitet sie für den hpd und hat im April 2025 den Posten der Chefredakteurin übernommen.

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