derSTANDARD.at 1 Mär 2010 Nr. 8947

"Kein Moslem nennt mich rassistisch"

von Maria Sterkl

Einen anderen Umgang mit dem Islam fordert Ex-Muslimen-Gründerin Mina Ahadi - ansonsten drohten Islamismus oder Rechtsextremismus (...)

Ahadi: Österreich ist ein Beispiel dafür, was herauskommt, wenn man gar nichts tut. Wenn man so tut, als ob es keine Probleme gäbe, landet man dort, wo Österreich heute steht. Und dann passiert folgendes: Entweder die Islamisten setzen sich durch, oder die Rechtsextremisten.

derStandard.at: Wer trägt hier die Verantwortung?

Ahadi: Die Politik und die Multikulti-Bewegung. Bisher hieß es: "Die Ausländer sind alle nett, die haben eine andere Kultur und das geht uns nichts an, wenn sie zuhause die Frauen schlagen." Wir sagen: Stopp, es ist genug. Wenn heute Mädchen in Wien keinen Freund haben dürfen, wenn Mädchen ein Kopftuch tragen müssen, dann haben wir ein Problem. Und da kritisiere ich am schärfsten die Intellektuellen: Diejenigen, die erklären, sie seien Humanisten, Atheisten und was auch immer: Alle haben bis jetzt geschwiegen.

derStandard.at: Was verlangen Sie von den Intellektuellen?

Ahadi: Menschenrechte sind nicht ein Eigentum Europas. Wenn sich jemand humanistisch nennt, dann muss er anerkennen, dass Menschenrechte universal sind. Wenn jemand nichts zu essen hat, dann ist es egal, woher er kommt. Und wenn ein Mensch zuhause geschlagen wird, ist das nicht in Ordnung - unabhängig davon, welcher Religion er angehört. Ich bin absolut gegen dieses Schweigen und gegen den Kulturrelativismus.