Ich denke an dem Artikel ist viel Wahres dran, aber gerade bei den Motiven der AfD-Wähler geht die Analyse zu kurz
- "sie (die AfD-Wähler) wollen wollen gar nicht, dass die AfD regiert": Der Fokus-Artikel spricht von 40% AfD-Wähler und "zwei Drittel der Deutschen", also 67%, die keine AfD-Regierung wollen.
Wenn 40% der Deutschen AfD wählen und 33% eine AfD-Regierung wollen, dann wollen also über 80% der AfD-Wähler eine AfD-Regierung. "nicht wollen" sieht für mich anders aus.
- "Fremdenfeindlichkeit entsteht häufig dann, wenn Sündenböcke ... gesucht werden": Ja, generelle Fremdenfeindlichkeit hat damit sicher auch zu tun. Aber wir reden dennoch von einer Einwanderung von 1 Million (!) Syrern, also Personen, die ich durchaus als "kulturfremd" bezeichnen würde. Unter anderem wegen der Sprache, anderer Religion/Religiosität, Kleidungsregeln und Essensregeln (die auch wieder mit der Religion zu tun haben),...
Und sie kamen nicht kontrolliert und nach Kompetenz als Arbeitskräfte ausgewählt, sondern unkontrolliert, ohne Filterung. Das ist also nicht nur "Sündenbock", sondern tatsächliche Angst vor unkontrollierter Veränderung. Die aber gleichzeitig nicht eine "Naturkatastrophe" war, bei der man nichts machen konnte.
Die Ironie dabei: Das Thema Einwanderung und deren Begrenzung war in Deutschland traditionell immer bei CDU/CSU angesiedelt. Also bei einer demokratischen Partei, egal wie man jetzt persönlich zu Einwanderung stand. In diesem Fall haben CDU/CSU das Thema aber der AfD überlassen, was meiner Meinung nach einer der Hauptgründe für das Erstarken der AfD war.
Ich denke also, dass die AfD selbst mit dem restlichen Versagen der meisten Parteien (Wohnungsbau, Demographie und damit einhergehend das Rentensystem wären da als erstes zu nennen) durchaus zu verhindern gewesen wäre. Zumindest in der aktuellen Stärke.