Konfessionsfreie sind dumm

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Joachim Gauck / Foto: wikipedia

BERLIN. (hpd) Das jeden­falls ist die Meinung der Tagesspiegel-Autorin Claudia Keller. In einem Artikel von gestern “Wer an Gott glaubt, hat den not­wen­di­gen Horizont“ bemüht sie sich, der Ungerechtigkeit “im Namen des Herren” ein Loblied zu sin­gen. Mir ist übel.

Frau Keller schreibt doch tat­säch­lich: “Mit Joachim Gauck wird ein evan­ge­li­scher Christ Bundespräsident. … Acht der zehn bis­he­ri­gen Staatsoberhäupter waren Protestanten. Die meis­ten waren es nicht nur auf dem Papier, son­dern enga­gier­ten sich inten­siv in ihrer Kirche.”

Das allein zeigt, dass es mit der Trennung von Staat und Kirche in Deutschland nicht weit her ist. Denn wenn das Staatsoberhaupt eines moder­nen und säku­la­ren Staates Kirchenmann ist, ist die Kirche Teil des Staatswesens. Das war schon bei Gaucks Vorgänger, dem evan­ge­li­ka­len Wulff, ein gro­ßes Problem. Denn – wie es sich zeigte – die “Moralvorstellungen”, die diese Herren hegen, ent­spre­chen zum einen nicht mehr der Wirklichkeit, und zum ande­ren hal­ten sie sich nicht an ihre eige­nen, gro­ßen Worte.

Viel schlim­mer als die­ses augen­wi­schende Geschreibe sind dann jedoch die Folgesätze: “Einen Konfessionslosen gab es noch nie in die­sem Amt. Das ist kein Zufall. Der Bundespräsident sollte jemand sein, der über den Tag hin­aus­denkt und gesell­schaft­li­che Zusammenhänge vor einem Horizont zu deu­ten ver­mag, der den Alltag über­steigt.”

Damit unter­stellt Frau Keller einem Drittel der deut­schen Bevölkerung (ver­mut­lich sogar mehr als nur einem Drittel) Dummheit und Planlosigkeit. Das ist an Dreistigkeit kaum noch zu über­bie­ten.

Die Kirchen und vor allem ihre Vertreter haben so gut wie kei­nen Rückhalt mehr in der Bevölkerung. Das jedoch wol­len weder Politiker noch deren Speichellecker erken­nen.
Wenn es nicht so belei­di­gend wäre, was Frau Keller uns da an den Kopf wirft; man könnte weise drü­ber lächeln: Klingt es doch wie das Singen im Walde. Wer sich ein­re­det, zu “den Guten” zu gehö­ren, muss Realität aus­blen­den. Denn ansons­ten würde er (oder sie) erken­nen, wie nackt der Kaiser ist.

F.N.