Gedenktage

Schöneberg / Berlin 7.2.1904

Emil Rosenow

(*9. März 1871 in Köln; Δ 7. Februar 1904 in Schöneberg/Berlin) war ein Schriftsteller, Redakteur und SPD-Politiker im Kaiserreich.

Er wurde als Sohn eines Schuhmachermeisters geboren. Seine Eltern starben sehr früh. Fortan wuchs er bei einem Vormund in Köln auf und besuchte dort die Volksschule. Zunächst begann eine Buchhändlerlehre, ab 1885 hatte er eine Anstellung in einem Bankhaus. Bereits mit 14 Jahren fing er an, Erzählungen zu schreiben, und als 15jähriger war er der fast alleinige Autor der Zeitschrift „Kölner Humorist". Er schrieb seinen ersten Roman, "Die Ungerechtigkeit des sozialen Lebens" und trat 1888 in die SPD ein.

1889 wurde er Mitarbeiter des „Kölner Anzeigers" und der Elberfelder „Freien Presse". Auch für den "Wahren Jakob", bekannt für seine antiklerikalen Karikaturen, verfasste er Leitartikel und Novellen. Sozialdemokratisches Engagement und Vortragstätigkeit zwangen ihn, seine Stellung als Bankangestellter aufzugeben. Er ging 1892 als Redakteur der sozialdemokratischen Zeitung "Beobachter" nach Chemnitz.

Die sechs Chemnitzer Jahre zählen zu den produktivsten in seinem literarisch-publizistischen Schaffen. Chemnitz hatte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem markanten industriellen Zentrum in Deutschland entwickelt, das eine kulturelle "Infrastruktur" hervorbrachte, die vielfach anders beschaffen war, als in den bekannten literarischen Zentren und Kunstmetropolen des Deutschen Reiches. Rosenow hat sie erlebt und von politischen und ästhetischen Positionen aus mitgestaltet. Er verfasste auch eine sozialreformatorische Schrift zur Verbesserung der Lage der Chemnitzer Arbeiter. Im Arbeiterbildungsverein wirkte er als Dozent für Geschichte und hielt zahlreiche Reden als Agitator. 1898 wurde er für den Wahlkreis Zschopau/Marienberg jüngster Abgeordneter im deutschen Reichstag.

Mehrmals wurde der Freidenker Rosenow infolge seines politischen Engagements mit Gefängnis bestraft. Seit 1898 war er als freier Schriftsteller tätig. Auf Verlangen des Parteivorstandes ging er für ein dreiviertel Jahr als Chefredakteur der "Rheinisch-Westfälischen Arbeiterzeitung" nach Dortmund. 1900 zog er mit seiner Familie und seinen zwei Kindern nach Berlin. Bekanntheit erlangte seine satirische sächsische Dialektkomödie um erzgebirgische Spielzeugmacher, „Kater Lampe". Vom Jahre 1900 an schrieb er unermüdlich, um sein Leben fristen zu können. Sehr viele Novellen, Erzählungen, Humoresken sind in dieser Zeit entstanden.

In der deutschen Literaturgeschichte ist er unverdient in Vergessenheit geraten. Während ihn die einen als Vertreter der naturalistischen Heimatkunst ansehen, zählen ihn andere zu den "bekanntesten sozialistischen Dramatikern der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg". Einig ist man sich jedoch über den Erfolg seiner Dramen "Die im Schatten leben" (1899) und "Kater Lampe" (1902).

In seinem Werk „Wider die Pfaffenherrschaft" (Bd. 1,1904 /Bd. 2 fortgeführt von H. Strobel, 1906) deckt er die Misswirtschaft und Doppelmoral der Klöster auf und rechnet mit der angeblichen Moral und Sittlichkeit der kirchlichen Würdenträger ab.