Der Kommentar verwechselt lokale, sektorale Engpässe mit gesamtwirtschaftlicher Nachfrage. Unerfüllte Nachfrage im Handwerk ist kein Beleg für eine gesamtwirtschaftliche Arbeitsknappheit, sondern Ausdruck fehlender Anpassung durch Produktivität, Investitionen und Preise.
Makroökonomisch zeigt sich die Schwäche der deutschen Wirtschaft nicht in leeren Auftragsbüchern, sondern in stagnierender Produktivität, schwacher Investitionstätigkeit und hoher Sparneigung. Diese Phänomene lassen sich nicht durch moralische Appelle zur Mehrarbeit beheben.
Auch die These, der Sozialstaat dämpfe wirtschaftliche Dynamik, übersieht dessen zentrale Funktion als Nachfrage- und Stabilitätsanker. Gerade in einer alternden Gesellschaft ist soziale Absicherung keine Belastung, sondern Voraussetzung wirtschaftlicher Resilienz.
Mein Beitrag richtet sich nicht gegen soziale Marktwirtschaft, sondern gegen ihre Verengung auf Angebots- und Disziplinlogik. Die historische soziale Marktwirtschaft verstand sich stets als System gesamtwirtschaftlicher Balance – nicht als Moralökonomie individueller Arbeitsanstrengung. Nicht umsonst habe ich an das Stabilitätsgesetz von 1967 erinnert.
Eine kurze Klarstellung noch: Meine Argumentation ist nicht politisch „links“ motiviert, sondern folgt makroökonomischer Analyse und empirischer Evidenz. Die Unterscheidung zwischen Nachfrage-, Angebots- und Produktivitätsfragen ist kein ideologisches Statement, sondern Bestandteil wirtschaftswissenschaftlicher Grundannahmen – und historisch ein Kern der sozialen Marktwirtschaft.
Wenn solche Überlegungen heute als „links“ wahrgenommen werden, sagt das weniger über ihre Inhalte als über die Verengung des aktuellen Diskursrahmens aus.