Hallelujah, Herr Kommissar?

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Abb.: polizeiseelsorge.de

SCHWERIN. (hpd). Der evangelische Polizeiseelsorger in Mecklenburg-Vorpommern, Andreas Schorlemmer, sieht einen großen Bedarf an christlichen Seelsorgern für die Polizisten. Schwerin ist in dieser Woche Tagungsort einer „Konferenz evangelischer Polizeipfarrer“ - das Thema der Konferenz lautet: „Mission Polizeiseelsorge“.

Immer mehr Polizisten würden an ihrer psychischen und physischen Leistungsgrenze arbeiten. Deshalb müsse die Arbeit der Seelsorger unter den Polizeibeamten ausgeweitet werden.

Dagegen ist an sich nichts zu sagen. Doch warum muss es eine spezielle „Polizeiseelsorge“, noch dazu innerhalb der Dienststellen geben? Es gibt doch auch keine solche für Bäcker, Friseusen, Dachdecker oder andere Berufe an deren Arbeitsplatz. Und besteht nicht hierzulande ein verfassungsmäßiges Gebot der Trennung von Staat und Kirche?

Wenn also dieser oder jener Polizist dem christlichen Glauben anhängt und/oder religiöser Seelsorge bedarf, dann sollte er dies wie jeder andere Bürger auch außerhalb seines Dienstes tun und dazu kirchliche Einrichtungen aufsuchen.

Schaut man noch genauer hin, worum es in der so genannten Polizeiseelsorge geht, dann stößt man auf eine solche Aussage: „In der Bundesrepublik Deutschland gibt es in allen Bundesländern Polizeiseelsorger, die in erster Linie berufsethische Fragen in den Ausbildungsstätten der Landespolizeien und der Bundespolizei in Seminaren und persönlichen Einzelgesprächen klären helfen.“

Hört, hört. Polizisten, als Exekutivbeamte des Staates, werden also in berufsethischen Fragen nicht von erfahrenen Polizisten, von Wissenschaftlern oder spezialisierten Psychologen aus- und weitergebildet, sondern von Theologen... Sind wir denn noch (oder etwa schon wieder) im Mittelalter?

Ich kann auch das Argument nicht akzeptieren, dass Polizisten z.B. durch traumatische Erlebnisse, wie dem Überbringen von Todesnachrichten belastet würden und daher des Beistandes durch Polizeipfarrer bedürften. Aber... Gibt es nicht seit Jahrzehnten den ehrbaren Beruf des Psychologen? Und gibt es nicht sogar ausreichend spezialisierte Polizeipsychologen? Deren Aufgabe wäre es doch, Polizisten - unabhängig von ihrem individuellen Glauben oder Nichtglauben - in Notlagen beizustehen...

Abschließend... Ist nicht die Ausbildung von Polizisten eine staatliche Angelegenheit und findet diese nicht an entsprechenden Schulen, Fachhochschulen und Akademien mit qualifizierten Lehrkräften statt? Warum müssen dann ausgerechnet Theologen dort über polizeiliche Berufsethik befinden?

Siegfried R. Krebs

 

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