Vielen Dank auch von mir. Ich liebe es, mit Menschen diskutieren zu können und sich nicht gegenseitig mit Meinungen abzuwatschen.

Ich gehe direkt bei Punkt 2 rein: Sie haben natürlich völlig Recht, dass es verlockend ist, es sich finanziell im Staatsdienst gemütlich zu machen und die Verwandtschaft "unterzubringen". Dass Korruptionsbekämpfung bei uns leichter geht als in anderen Staaten ist auch so. Mir ging es um etwas anderes: eine Partei wie die AfD, die bereits ohne staatstragende Ämter derart ausufernd ihre Familien in Lohn und Brot bringt, gibt für mich einen Vorgeschmack darauf, was passiert, wenn sie eine Regierung anführen würde. Gar mit absoluter Mehrheit. Dann könnten wir bald russische Verhältnisse hier haben.

Und noch etwas zeigt das unstrittige Vorgehen der AfD: Was für eine Idee hat man dort von "Machtausübung"? Ich kann staatliche Macht dazu nutzen, für das Land Gutes umzusetzen oder ich kann egoistisch erst einmal an mich denken. Ich bin in diesem Punkt radikal und halte es mit John F. Kennedy, der von seinen Bürgern verlangte, erst an das Land und dann an sich zu denken. Umso mehr muss man dies von den StaatsDIENERN verlangen, die auf Basis eines Wählervotums für eine begrenzte Zeit diesen Dienst am Land erfüllen dürfen. Das ist ein Privileg!

Natürlich ist dies ein ewiger Kampf gegen die Schwäche von Menschen, die eher sich selbst dienen wollen. Während dies aber bei etablierten "Altparteien" eher Einzelfälle sind, sehe ich das bei der AfD als strukturelles Problem. Das ist das Wesen des Autokratismus, nämlich nach und nach die Kontrollmechanismen abzuschaffen, um sich letztlich ungestraft am Staatsvermögen zu bedienen.

Punkt 3: Auch hier nutzt ein Blick in die Vergangenheit wenig. Außer zu lernen, dass viel Leid hätte vermieden werden können, wenn man angegriffenen Ländern zu Hilfe gekommen wäre. Gerade die USA haben sich hier unrühmlich verhalten und waren viel zu lange der "Weltpolizist", der sich jedoch oft genug wie die heutigen ICE-Truppen von Trump verhielt. Aber die weltpolitische Lage ist aktuell einem massiven Wandel unterzogen. Letztlich wissen verantwortungsbewusste Politiker, dass wir eine geeinte Welt anstreben müssen, um die sinnlose Ressourcenverschwendung in Rüstung zu beenden. Wir brauchen jeden Cent für Umweltrettung (Schutz reicht schon nicht mehr) und Soziales, auch Infrastruktur, sodass wir uns anachronistische Kriege nicht mehr leisten können.

Auch hier hat die AfD falsche Ansätze, da sie einen vorgestrigen Nationalismus anstreben, am lieben die EU zerschlagen würden, zurück zur DM etc. pp. Wir alle kennen die Fieberfanatasien dieser Partei. Meine Fantasie sind die vereinigten Staaten der Welt, die friedlich, schiedlich zusammenarbeitet unter einer demokratischen Regierung in einer Staatsform, in der Religionen und andere Ideologien einen privaten Stellenwert haben ohne Anspruch auf Staatslenkung. Das würde enorme Ressourcen sparen und wir könnten das Projekt "Weltrettung" ernsthaft angehen und Flüchtlingsströme aus Kriegs-, Umwelt- oder Wirtschaftsgründen komplett beenden. Da die AfD das exakte Gegenteil anstrebt, muss ich deren Funktionären mangelnde Vision einer zukünftigen, funktionierenden und lebenswerten Welt unterstellen.

Punkt 4: Ja, Religionen insgesamt werden bei uns auf politischer Ebene oft verharmlost, sicher mit Blick auf Art. 4 GG. Deutschland hat auch eine Bringschuld in Bezug auf das Judentum, da sich gerade der Rechtspopulismus auf dessen Anhänger "eingeschossen" hat (teilweise im wörtlichen Sinne). Vor Anfang an gab es diese toxische Feindschaft und man sah sich als christliche Mehrheitsgesellschaft im Recht, die jüdische Minderheit zumindest auszugrenzen oder gar aktiv zu verfolgen (Martin Luther hat den völkischen Antisemitismus, der bis dahin eher ein Antijudaismus war, hoffähig gemacht (s. sein Buch "Von den Juden und ihren Lügen" [Alibri-Verlag]). Da der Islam seinerseits Europa erobern wollte und nur mit Mühe vor Wien gestoppt werden konnte, entstanden hier auch bis heute tradierte Ängste.

Diese Konflikte, die sich in brutalen Kriegen entluden (auch zwischen Katholiken und Reformern, s. den grausamen 30-jährigen Krieg), zeigen, dass Religionen Menschen nicht guttun, sondern nur von Machthabern genutzt werden, um das religiös fanatisierte Volk zu selbstmörderischen Aktionen zu verleiten. In diesem Punkt müssen alle Religionen "zurechtgestutzt" werden und sich selbst neu aufstellen, um keinerlei (!) Kollisionen mit demokratischen Strukturen zu provozieren. Das GG muss über allem stehen, irgendwann vielleicht sogar eine Weltverfassung, die ein friedliches Zusammenleben ermöglicht, in der Religion reinste Privatsache ist, die niemanden berechtigt, sich zum Herrscher über Dritte zu erheben, auch nicht über die eigenen Kinder. Also keinerlei Indoktrination, keine Genitalverstümmelung und selbstverständlich keine "Ehrenmorde", erzwungene Verhaltensweisen, sexuelle Übergriffe etc. pp.

Letztlich geht es um eine Weiterentwicklung der Zivilisation als solches. Auch hier sehe ich keinerlei Ansätze bei der AfD, sondern das Gegenteil, was nur zu neuen Konflikten führen muss. Das AfD-Denken spiegelt das völkisch-nationalistische Denken des 19. Jh., dass spätestes seit dem "Großversuch" im Dritten Reich brutalst möglich gescheitert ist.

Ihre Schlussbemerkungen: Dass etablierten Parteien heute oft genug eine Vision fehlt, ist unstrittig. Nein, man müsste wegen einer Vision nicht zum Arzt gehen, wie Helmut Schmitt einst äußerte, sondern wir müssten im gesellschaftlichen Konsens nach einer tragfähigen Vision suchen. Wo wollen wir hin? Welche Zukunft wollen wir, die uns erwartet? Leider arbeiten sich heute Parteien viel zu sehr und fast panisch an der AfD ab. Auch unterstützt durch eine grassierende "Umfrageritis" der Medien, die niemandem hilft außer den extremen Parteien (hier kürze ich ab, weil das sehr ins Psychologische geht). Asoziale Hetzwerke, die Echokammern und Filterblasen erzeugen und unterstützen, tun ein Übriges.

Mittel dagegen wären: Bildung, Bildung, Bildung der Bevölkerung! Auch Herzensbildung, den Ton ändern, in dem man miteinander spricht. Es geht um eine Zukunft der Menschen, in der jeder seinen Platz finden möchte. Egoisten sollten vom Altruismus überzeugt werden - indem sie erkennen dürfen, dass eine Welt mit Gemeinsinn auch für sie besser ist, als die rüpelhafte Raffgier des Egoismus. Wir müssten die "neue Welt" als vorteilhafter, besser darstellen, auch wenn der Weg dorthin (leider) ein steiniger sein wird. Aber diese Steine im Weg haben wir selbst dort hingelegt, eben durch Egoismus bis hin zum (teilweise religiös begründeten) völkischen Nationalismus.

Wir sind bereits unumkehrbar globalisiert. Es geht nur noch miteinander, nicht mehr gegeneinander. Diese Welt ist bereits untergegangen und wenn wir nicht bald die Kurve kriegen zur Zusammenarbeit - ungeachtet, wer mit wem zusammenarbeitet -, werden wir im Strudel dieser untergangenen Welt folgen. Die AfD will den Stöpsel in der Wanne ziehen, lasst sie uns gemeinsam daran hindern...

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