wissenrockt.de 20.01.2012 · Nr. 12741
Blasphemie: Atheist in Indonesien verprügelt und inhaftiert
West-Sumatra: Kritik am Islam führte zum Überfall durch gewalttätigen Mob. Dem Opfer drohen bis zu sechs Jahre Haft.
In Indonesien ist der 31-Jährige Alexander Aan der Blasphemie bezichtigt, geschlagen und anschließend inhaftiert worden. Aan hatte auf einer Facebookseite die Existenz eines Gottes bestritten und dabei auch Passagen aus dem Koran verwendet. Nach den Gesetzen des Landes droht ihm nun eine lange Gefängnisstrafe. Muslimische Geistliche diskutieren über Konsequenzen für den Apostaten, Unterstützer versuchen über das Internet öffentlichen Druck für eine Freilassung zu mobilisieren.
Die Inhaftierung wurde von Anzeigen islamischer Organisationen begleitet, darunter dem Indonesischen Rat der Religionsgelehrten Majelis Ulama Indonesia (MUI). Alexander Aan, Angestellter einer Regionalplanungsgesellschaft in der indonesischen Provinz West-Sumatra, hatte den Satz „Es gibt keinen Gott“ auf die vom ihm moderierte Facebookseite „Ateis Minang“ gepostet und über den Koran diskutiert. Als er am Mittwoch an seinem Arbeitsort eintraf, wurde er von einem wütenden Mob attackiert und zusammengeschlagen. Um Schlimmeres zu verhindern, nahm die Polizei ihn daraufhin zunächst in Schutzhaft.
In Indonesien gestattet die Verfassung, neben dem Islam fünf weitere Religionen zu praktizieren. Die Praktizierung nichtreligiöser Einstellungen, darunter atheistischer Haltungen, ist hingegen nicht vom „Pancasila“ genannten Verfassungsprinzip vorgesehen. Aans Äußerungen fallen daher nicht unter den Schutz der Gesetze des Landes, die laut dem Auswärtigem Amt der Bundesrepublik Deutschland zu rund 88 Prozent aus islamischen Gläubigen besteht. (...)








