Eilmeldung
Terrorangriff auf Blasphemie-Konferenz in Kopenhagen
Foto: © Søren Storm Hansen, Flickr (CC BY 2.0)
KOPENHAGEN. (hpd) Bei einem Attentat auf eine Diskussionsveranstaltung über Meinungsfreiheit mit dem schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks wurde ein Mensch getötet und drei Polizisten verletzt.
Dänische Medien berichten, dass ein Täter eine Diskussionsveranstaltung über „Kunst, Gotteslästerung und Meinungsfreiheit“ im Kopenhagener Stadtteil Østerbro angegriffen hat. Der Veranstaltungsort, das Cafè „Krudttønden“, wurde von außen mit einem Schnellfeuergewehr beschossen.
Bei der Schießerei wurde ein 40-jähriger Besucher der Veranstaltung getötet und drei Polizisten verletzt. Der Täter ist weiterhin auf der Flucht. Als Ziel des Anschlags wird in den aktuellen Medienberichten der schwedische Künstler und Karikaturist Lars Vilks genannt, welcher jedoch unverletzt blieb.
Bereits im September 2007 setzte die irakische Gruppe des Terrornetzwerks Al-Qaida ein Kopfgeld von 100.000 Dollar auf den unter Polizeischutz stehenden Lars Vilks aus, nachdem die schwedische Zeitung „Nerikes Allehanda“ eine seiner Zeichnungen in einem Leitartikel über Selbstzensur und Religionsfreiheit abdruckte.
„Von heute an rufen wir alle auf, das Blut des Karikaturisten zu vergießen, der es gewagt hat, den Propheten zu entwürdigen“, drohten die Terroristen von Al-Qaida. „Wir erhöhen die Belohnung auf 150.000 Dollar, wenn er geschlachtet wird wie ein Lamm“, hieß es in einer Videobotschaft weiter.
Update: Bei einer Schießerei vor einer Kopenhagener Synagoge wurde ein weiterer Mann getötet und zwei weitere Polizisten verletzt.
Am Sonntagmorgen wurde der Täter von Polizisten erschossen.
Kommentare (10)
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bisher dachte ich,dass das
bisher dachte ich,dass das Risiko durch einen Terroranschlag ums Leben zu kommen überbewertet wird. Langsam beschleicht mich aber ein mulmiges Gefühl, da ich mich auch auf ähnlichen Veranstaltungen "rumtreibe"
Möchte Sie in Ihrem
Möchte Sie in Ihrem bisherigen Denken bestätigen. Das es Terroranschläge gibt ist bedauerlich und durch nichts zu rechtfertigen. Empfehle aber dabei die Relationen zu anderen Gefahren zu beachten.
Auch wenn die Zahlen immer kleiner werden, hat die Mehrheit der Gesellschaft in Deutschland weiterhin kein Problem mit durchschnittlich ca. 10 Verkehrstoten je Tag. Diese Tatsache wird als „Preis der Mobilität“ toleriert. Es ist ein allgemein akzeptiertes Restrisiko.
Wäre es nicht an der Zeit auch einen „Preis der Freiheit“ zu definieren und das im Zuge eines Risikomanagements auch zu tolerieren? Desweiteren eine Debatte darüber anzustoßen, was in der Gesellschaft wichtiger ist: Mobilität oder Freiheit?
Mobilität und Freiheit
Mobilität und Freiheit bedingen einander. Im Straßenverkehr wird man eher selten Opfer einer absichtlichen Tötung. Es sind eben in aller Regel Unfälle. Doch wo laufen zufällig um sich schießende Terroristen herum, die aus Versehen Passanten treffen? Oder sollte man diese einmal höflich darauf hinweisen, dass ihr unverantwortliches Tun fatale Folgen haben kann? Eventuell neue Straßenschilder aufstellen: Eine durchgestrichene Kalaschnikow im roten Kreis? Ich war auch vor ein paar Tagen bei einer "solchen" Veranstaltung und es blieb friedlich. Ich werde auch immer wieder hingehen, weil Mobilität ohne Freiheit sinnlos ist. Ich bin mir bewusst, dass mein Weg dort hin und wieder zurück ein gewisses Gefahrenpotential birgt. Aber Angst habe ich weder im Verkehr, noch in der Veranstaltung. Ich werde mich dem Terror - und dies ist der Zweck der Anschläge - nie beugen. Falls es mich eines Tages "erwischen" sollte, dann würde ich dem Tod ins Gesicht lachen und denken, dass jetzt vielleicht wegen mir ein paar Menschen in Großstädten spazieren gehen. Das Leben an sich ist ja lebensgefährlich. Es endet immer mit dem Tod.
habe gerade auf PHOENIX in
habe gerade auf PHOENIX in der Sendung "im Dialog" ein Gespräch mit Bruno Schirra (Islamkenner) zum Thema ISIS bringt Terror nach Europa verfolgt. Es wurde noch gruseliger. Ich gebe Ihnen aber Recht was die Relation von Risikoabschätzung allgemein angeht (sollte Schulfach werden).
Dieter, ich halte ihre
Dieter, ich halte ihre bisherige Einschätzung für richtig und die neue für falsch. Die Dramatik bestimmter Ereignisse verursacht Fehleinschätzungen, die mit der tatsächlichen Wahrscheinlichkeit nichts zu tun haben. Wenn sie um ihre Sicherheit besorgt sind, machen sie es wie ich: Prüfen Sie regelmäßig Licht und Bremsen ihres Fahrrades und tragen ggf. eine Warnweste, wenn Sie zu blasphemischen Veranstaltungen oder zur Arbeit fahren.
Eine Diskussionsveranstaltung
Eine Diskussionsveranstaltung zum Thema "Kunst, Gotteslästerung und Meinungsfreiheit", so der Text der Meldung sollte nicht in der Überschrift zu einer "Blasphemie-Konferenz" umdefiniert werden. Und der Begriff "mutmaßlich" passt nicht zu "Tätern", denn dass da geschossen wurde, ist ja keine Vermutung/Mutmaßung, sondern ein Fakt.
Gedankenlose Formulierungen sind Zeichen eines wenig sorgfältigen Journalismus.
Dass es sich bei der
Dass es sich bei der Veranstaltung um eine "Blasphemie-Konferenz" handelte, konnte man anderen Medienberichten entnehmen (bspw. beim Tagesspiegel, Spiegel Online oder FOCUS Online).
Der Begriff "mutmaßlich" war zu dem älteren Zeitpunkt noch notwendig. In ersten Meldungen sprach man noch von zwei Tätern. Dies wurde nun aber - nach der Aufklärung des Tathergangs - geändert. Herzlichen Dank für die Richtigstellung!
Eine
Eine "Diskussionsveranstaltung zum Thema 'Kunst, Gotteslästerung und Freie Rede'" als "Blasphemie-Konferenz" zu labeln halte ich für fatal, denn es spielt den Interessen der Terroristen in die Hände: Es wird ein Label geschaffen, das man dann Menschen aufdrücken kann um sie angreifen zu können. Als Folge bringt das Menschen die diesem Label zugeordnet werden können, in Gefahr und auf der anderen Seite bekommen Menschen Angst sich in Zusammenhänge zu begeben, die es ermöglichen, dass sie diesem Label zugeordnet werden könnten. Als Folge steigt der Trend zur Selbstbeschränkung und Selbstzensur.
In Koppenhagen wurden keine Blasphemisten, Blasphemie-Befürworter oder etwas dergleichen angegriffen, sondern Menschen, die sich bei einer Veranstaltung zu einem derzeit aktuellen politischen Thema informieren wollten. Der hpd sollte nicht die Wertung von Religions-Fundamentalisten übernehmen, dass Menschen, die sich zu einem Thema informieren oder darüber diskutieren wollten, bei dem auch Aspekte eine Rolle spielten, die von manchen Menschen als Gotteslästerung verstanden werden (von anderen aber keineswegs), zu irgendeiner abgrenzbaren Gruppe gehören, der man ein bestimmte Label aufdrücken kann.
Das Label "Blasphemie
Das Label "Blasphemie-Konferenz" wäre doch nur dann fatal, wenn blasphemische Diskussionsveranstaltungen bzw. Diskussionsveranstaltungen über Blasphemie - wie eben jene in Kopenhagen - tatsächlich etwas problematisches wären. Dass Gotteslästerung in irgendeiner Form verwerflich sei, entspricht doch gerade dem Maßstab von Fundamentalisten.
Blasphemie ist ein religiöser
Blasphemie ist ein religiöser Begriff, der Kritik in eine Schmähung umdeutet. Man sollte sich diesen Begriff nicht zu eigen machen. Was von manchen Religiösen als Blasphemie verstanden wird, ist es für viele andere und auch für die Urheber der vermeintlichen Blasphemie ja gerade nicht. Typisches Beispiel ist das Titelbild von Charlie Hebdo nach dem Anschlag: Vom Zeichner geradezu als Huldigung Mohammeds angelegt (wird er doch als empathischer und toleranter Mensch dargestellt) wurde die Darstellung von Islam-Hardlinern als Lästerung des Propheten verstanden, während wiederum viele liberale Muslime die gute Absicht zu würdigen wussten. Die Mehrheit der randalierenden Muslime in aller Welt wird die Karikatur gar nicht gesehen haben. Man hat ihnen nur gesagt, da sei eine blasphemische Karikatur erschienen. Das Label putscht den Hass auf, nicht die Zeichung als solche.
Das Label "Mohammed-Karikatur" das in den letzten Wochen inflationär in den Medien gebraucht wurde, ist übrigens ein ebenso problematisches Label. Wieso erfindet man hier eine besondere Kategorie von Karikaturen und Karikaturisten? Und dann auch noch gerade bei einem Thema, von dem man weiß dass man damit die betroffenen Menschen einer besonderen Gefahr aussetzt? Angela Merkel wird tagein tagaus in Karikaturen dargestellt. Hat deswegen irgendjemand schon mal von Merkelkarikaturen oder von Merkelkarikaturisten gesprochen? Das sind doch einfach nur politische Karikaturisten, die - weil Angela Merkel nun gerade einmal Bundeskanzlerin ist - auch diese Frau gelegentlich darstellen.