Interview
„Der legalistische Islamismus stellt ein Problem dar“
Nachdem die Ethnologieprofessorin Susanne Schröter emeritiert worden war, wickelte die Frankfurter Goethe-Universität das von ihr gegründete und geleitete Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam (FFGI) ab. Damit endete an der Universität auch die Arbeit eines Instituts, das sich kritisch mit dem Politischen Islam auseinandersetzte. Viele waren froh über Schröters Abschied. Ihnen war sie zu kritisch gegenüber dem postkolonialen Zeitgeist und zu engagiert, wenn es um die Verteidigung von Frauenrechten und Demokratie ging. Nun hat Schröter gemeinsam mit prominenten Mitstreitern wie Ruud Koopmans und Ahmad Mansour das „Institut für Demokratie und Islam“ gegründet. Es will informieren, beraten und forschen.
Foto: privat
hpd: Ein Jahr nach dem Ende des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI) haben Sie nun mit einer Reihe prominenter Mitstreiter das „Institut für Demokratie und Islam“ (INDEMNIS) gegründet. Führen Sie nun die Arbeit des alten Instituts weiter?
Susanne Schröter: Nein. Zum einen ist INDEMNIS ein Verein und kein Hochschulinstitut. Wir alle arbeiten heute ehrenamtlich und aus reiner Überzeugung. Wir haben eine Homepage, die zu einem Wissensportal ausgebaut werden soll. Erste Artikel wurden publiziert und ich bin dabei, Themen über die islamische Welt zusammenzustellen, die deutschland- und europaweit relevant, gut lesbar und wissenschaftlich fundiert sind. Wir werden künftig auch Beratungen und Fortbildungen anbieten
Zu Ihren Mitstreitern gehören viele, deren Stimmen schon heute gehört werden: Mouhanad Khorchide, Ruud Koopmans, Ahmad Mansour oder Ali Ertan Toprak.
Es geht darum, das Wissen gebündelt zur Verfügung zu stellen. Unsere Zukunftsvision ist, dass wir jedem, der etwas über den Islam wissen will, fundierte Informationen anbieten können: sowohl zu regionalen Konflikten in der islamisch geprägten Welt als auch zu den Grundlagen des Islam in seiner Vielfalt.
Auch zwei Veranstaltungen stehen schon an. Eine mit dem Titel „Israel im Nahostkonflikt und die neue Welle des Antisemitismus“ und eine Konferenz zum Thema „Frauenrechte im Iran“.
Das sind zwei hochrangige Veranstaltungen und ich bin positiv überrascht, dass es gelungen ist, Leute mit ins Boot zu holen, die auch mitfinanzieren, und dass der hessische Justizminister für die erste Veranstaltung die Schirmherrschaft übernommen hat.
Rechnen Sie mit Problemen bei den Veranstaltungen?
Die Israel-Veranstaltung werden wir ganz öffentlich machen. Wir haben natürlich Sicherheitsdienste, die Polizei wird informiert, wie immer. Die zweite Veranstaltung wird nicht öffentlich sein. Die wird angekündigt und wir werden innerhalb unserer eigenen Netzwerke mobilisieren. Man wird auch nur mit Einladung hinkommen. Das geht leider nicht anders.
Bei Beratung und Fortbildung sehe ich auf der Homepage noch keine Angebote.
Da sind wir im Aufbau und das werden wir relativ schnell aufsetzen. Unser Mitglied Marwan Abou-Taam beispielsweise macht jetzt schon sehr viel Fortbildung. Ich mache das teilweise auch. Da werden wir sicherlich noch andere Fortbilder bekommen, die sich uns anschließen.
Das sind alles bundesweite Angebote, nicht nur für das Rhein-Main-Gebiet?
Ja, das sind bundesweite Angebote. Unser Ziel ist es, dass dieses Institut im Laufe der nächsten fünf Jahre zu einer Einrichtung wird, in der Mitarbeiter wirklich forschen können.
Der Vibe-Shift hat die Universitäten noch nicht erreicht?
Nein, hat er sie nicht erreicht und vermutlich wird er sie auch in den nächsten zehn Jahren nicht erreichen. Diejenigen, die jetzt berufen und einstellen, stellen meist nicht nach Qualifikation sondern nach ideologischer Passgenauigkeit ein. Von daher brauchen wir auch Orte, an denen Wissenschaftler arbeiten können, die an der Universität heute keinen Platz haben.
Mein Ziel ist, dass wir dazu beitragen, ein Netzwerk zu bilden, das die Demokratie gegen den Islamismus stärkt. Das heißt auch ganz klar, dass wir liberalen Muslimen eine Stimme geben, dass wir froh sind, wenn wir mit ihnen zusammenarbeiten können. Das Ziel ist völlig klar: Es geht nicht gegen Muslime, es geht auch nicht gegen den Islam, es geht gegen den politischen Islam, gegen Islamismus. Islamismus ist nicht – und das ist das Wichtige – Terrorismus. Terrorismus ist ein Teil des Islamismus, aber gerade der legalistische Islamismus stellt ein Problem dar. Er ist vielen Menschen, auch Politikern sowie Fachkräften aus dem Bildungs-, Sozial- und Sicherheitsbereich, vollkommen unbekannt. Immer wieder werden Einladungen zum Fastenbrechen in problematischen Moscheen angenommen, zeichnet man Personen aus, die der extremistischen Muslimbruderschaft nahestehen. Hier sehen wir einen erheblichen Aufklärungs-und Beratungsbedarf.
Es reicht es nicht, in der Welt, der FAZ oder der NZZ einen Artikel zu schreiben oder selbst bei Lanz in der Sendung zu sein. Die Sensibilisierung für diese Art des Extremismus ist eine langfristige Aufgabe und sie ist eine Aufgabe der politischen Bildung.
Kommentare (2)
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Viel Glück! Viel Erfolg!…
Viel Glück! Viel Erfolg! Viel Mut!
Ich teile die Ansicht, dass der legalistische Islam die weitaus größere Bedrohung für Freiheit und Demokratie ist als die paar Terroristen-Hansel.
„Legalistischer Islamismus“…
„Legalistischer Islamismus“
Warum der Begriff rechtsstaatlich gefährlich ist
https://verfassungsblog.de/legalistischer-islamismus/
"(…) Für die Rechtsschutzgarantie des Art. 19 Abs. 4 GG ist es dabei unerheblich, ob eine Person als religiös oder politisch extremistisch eingeordnet wird; das Grundgesetz gewährt allen Zugang zu Gerichten. Justitia ist bekanntlich blind. „Legalistischer Islamismus“ politisiert damit eine zulässige Grundrechtsausübung – und widerspricht so dem Anspruch auf einen effektiven Zugang zum Recht, den das Bundesministerium der Justiz selbst betont. (…)"