Religionen

Heiliger Brotsack!

"Sack des heiligen Franziskus wahrscheinlich echt", titelt katholisch.de und meint damit einen Stoffrest aus dem Mittelalter. Puh! Weit daneben, wieder einmal: Die Forschungsergebnisse geben diese Aussage überhaupt nicht her.

Schluss mit Luther: eine Rezension

Vor knapp 500 Jahren, am 31. Oktober 1517, publiziert Luther seine 95 Thesen, die sich dank der in Deutschland wiederentdeckten Kunst des Buchdruckens rasend schnell verbreiten. Die "Reformation" kommt ins Rollen und Europa versinkt in Kirchenspaltung mit Bauern- und Religionskriegen ins Elend. Dieser 31. Oktober 1517 ist kein Moment des Aufbruchs, keine welthistorische Zäsur, sondern nur ein innermittelalterliches Ereignis, ein Glied einer langen Kette, welches die grausame Geschicke Europa bestimmt.

Kirche

Sterben die Scheinriesen aus?

Schon seit 1990 verlieren die beiden Großkirchen konstant eine halbe Million Mitglieder im Jahr. Bis 2010 ging die Gesamtzahl von 58 auf 48 Millionen zurück. Aber die Gründe veränderten sich. Bis 1995 stand und fiel der Mitgliederschwund mit der Zahl der Kirchenaustritte. Seither wird die Überalterung vor allem in der evangelischen Mitgliederschaft immer auffälliger.

Cover Luther

Martin Luthers judenfeindliche Schriften - Band 2

Karl-Heinz Büchner, Bernd P. Kammermeier und Reinhold Schlotz dokumentieren in "Martin Luther. Judenfeindliche Schriften Band 2" nach der berüchtigten Schrift "Von den Juden und ihren Lügen" vier weitere antisemitische Abhandlungen im Originaltext, aber auch im heutigen Deutsch. Den Herausgebern kommt das Verdienst zu, damit auf die nicht nur aus einer Schrift bestehenden judenfeindlichen Schattenseiten des Reformators erinnert zu haben.

Zisch! Hat der Herr wieder schlechte Laune?

Störsender im Hirn

Nach dem Wirbelsturm Katrina gaben die christlichen Fundamentalisten in den USA den vielen Homosexuellen in New Orleans die Schuld. Jetzt hat Harvey ihren eigenen Lebensraum getroffen, Texas. Da mussten sie kurz nachdenken. Wer ist nun Schuld? Wieder die Schwulen! Wie die Vorstellung "Gott" jeden klaren Gedanken verzerrt - und warum Jesus das ganz anders sah...

Ansicht des Erfurter Domes (links) und der Severikirche (rechts).

Konfessionelle Differenzen haben viel von ihrer Kraft verloren

Während sich Protestanten auf den 500. Jahrestag der Reformation vorbereiten, zeigen neue Umfragen des Pew Research Center, dass sich die theologischen Unterschiede, die das westliche Christentum im 16. Jahrhundert gespalten haben, sowohl in Westeuropa als auch in den Vereinigten Staaten auf ein Maß verringert haben, das Christen in vergangenen Jahrhunderten möglicherweise schockiert hätte. In ganz Europa und den USA herrscht die Ansicht vor, dass sich Protestanten und Katholiken in Religionsfragen heutzutage eher ähneln als unterscheiden.

Tut ganz harmlos: Ganesha

Die Weisheit tut dem Bischof weh

Im spanischen Ceuta hat jetzt das Umhertragen einer Statuette für die Entlassung eines hochrangigen Würdenträgers gesorgt. Es war der elefantenköpfige Hindu-Gott Ganesha, der seinem Kollegen Jahwe vom Christentum einen Besuch abstattete: ein äffchengroßes, bunt verziertes Götterabbild, das auf einem kleinen Thron getragen wurde, durch Ceuta hin zur "Kirche der Heiligen Maria von Afrika" und dort auch hinein. In der Kirche empfing man den Gott der Weisheit und der Künste standesgemäß mit ein wenig Chorgesang, Weisheit und Künste können ja eigentlich nie schaden, Musik auch nicht – sollte man meinen. Allerdings hat eine verletzliche Seele doch aufgeschrien: der Bischof von Cadiz und Ceuta, Rafael Zornoza Boy.

Caravaggios “Sacrificio di Isacco” von 1603

Das Opferfest

Wer den Islam kritisch sieht hierzulande, gerät schnell in den Verdacht, verkappter Rassist oder Fremdenhasser zu sein. Ungeachtet möglicher Berechtigung der Kritik wird der Kritiker kurzerhand der "Islamophobie" geziehen und in eine Ecke gestellt mit Rechtspopulisten und "Meine-Heimat-gehört-mir!"-Stammtischparolenplärrern. Vorneweg deshalb ein Zitat des jeder Islamophobie unverdächtigen Islamkritikers Samuel Schirmbeck: "Die Leute, die islamkritisch sind, die sind ja nicht islamophob: Sondern sie sind nur gewaltophob, intolerantophob, sie sind homophobophob." Ich selbst, um in Schirmbecks Diktion zu bleiben, bin überdies entschieden tierqualophob.