Rezension

"Das möchte ich niemals erleben"

Ein Buch, welches auf seinem Einband auf ein Vorwort von Karl Lauterbach verweist, macht neugierig: Professor Lauterbach, Arzt und Krebsspezialist und Gesundheitsexperte der SPD im Bundestag. Das Buch "Patient ohne Verfügung" des Palliativmediziners Matthias Thöns enttäuscht dann auch nicht, nein es nimmt einen sofort gefangen. Man liest es wie im Rausch.

Die Hälfte des Planeten als Naturschutzgebiet

Der berühmte Biologe Edward O Wilson legt in seinem Buch "Die Hälfte der Erde. Ein Planet kämpft um sein Leben" eine Problemskizze zum Aussterben der Arten vor und leitet daraus ein Plädoyer für die Hälfte des Planeten als Naturschutzgebiet ab. Das Alterswerk macht berechtigt auf Gefahren für die Biosphäre des Menschen aufmerksam, was allerdings ein wenig sprunghaft und unsystematisch geschieht.

Fragmentarische Darstellung zum NS-Chefideologen

Der Journalist und Publizist Volker Koop legt mit "Alfred Rosenberg. Der Wegbereiter des Holocaust. Eine Biographie" eine Darstellung zu dem früheren NS-Chefideologen vor. Er liefert einige neuere Erkenntnis auch auf Basis der Tagebücher, gleichwohl wirkt sein Buch etwas fragmentarisch und bezogen auf die Bedeutung Rosenbergs für Ideologie und Politik auch ein wenig widersprüchlich.

Die Stadt - Neue Heimat für Dachs und Igel

Hyänen streunen neuerdings öfter durch die Straßen von Addis Abeba. Pumas wurden in den Vorgärten von Los Angeles gesichtet. Leoparden sehen sich in Mumbay um. Wir sind längst nicht mehr unter uns in den Städten. Die "Landflucht der Wildtiere" beschäftigt Sebastian Lotzkat. In seinem jüngsten Buch macht er klar: Ausgelöst haben wir sie selbst.

Der nicht verfügte Patient

In deutschen Kliniken wird operiert, katheterisiert und bestrahlt, was die Gebührenordnung hergibt… diese auf dem rückwärtigen Umschlag des im Piper Verlag erschienenen Buches angeführte Feststellung nimmt der Palliativmediziner Dr. Matthias Thöns zum Anlass für eine sehr kritische Analyse des deutschen Gesundheitswesen mit seinen überbordenden Kosten, seiner Missachtung des Patientenwillens und unmenschlichem Einsatz der Apparatemedizin bei Sterbenskranken.

Antisemitismusdiskurse in der US-Linken

Die Ethnologin und Politikwissenschaftlerin Sina Arnold legt mit "Das unsichtbare Vorurteil" eine Studie zum Thema vor, worin sie einerseits auf den eher marginalen Antisemitismus-Anteil hinweist, andererseits aber dort auch Empathielosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber Antisemitimusentwicklungen konstatiert. Die auch methodisch ambitionierte Arbeit beeindruckt durch eine differenzierte Analyse, die auch nach den Ursachen der erwähnten Einseitigkeiten fragt.

Pluralistische Religionspolitik

Das Anwachsen der Gruppe der Konfessionsfreien und das Hinzukommen des Islam unterziehen die deutsche Religions- und Weltanschauungsfreiheit einer Prüfung, die zu einem reformierten Religionsrecht führen sollte, das kein herkömmliches Staat-Kirchen-Recht mehr sein kann. So die Tendenz von Hans Markus Heimann im vorliegenden Buch. Seine Vorschläge haben eine gewisse Nähe zu denen des HVD, den der Autor aber wahrscheinlich gar nicht kennt. Eine große Distanz zu "laizistischen Puristen" durchzieht die Publikation, die von Horst Groschopp im Folgenden rezensiert wird.

Gute-Laune-Krimi aus Berlin

Der Held - oder doch wohl besser Anti-Held - dieser Geschichte, der junge Hartung Siegward (genannt "Hasi") Graf von Quermaten zu Oytinghausen, der eben erfolglos sein Studentenleben hinter sich gelassen hat, ist chronisch klamm und immer auf der Suche nach einer neuen Bleibe, meist verbunden mit einer neuen Jobsuche.

Ostdeutschland als Blaupause für den Westen

Blaupause ist ein Modewort. Es meint Vorbild, Grundlage, Idee, Modell, Muster. Blaupause klingt geheimnisvoll. Es passt zum Thema "die Konfessionsfreien". Diese sind noch immer ein gesellschaftswissenschaftliches Geheimnis. Ihre Zahl scheint aber inzwischen groß genug, dass Kirchen und ihre Theologen diese Großgruppe nicht mehr ignorieren oder deren Existenz als allein ostdeutsches Phänomen, gar als Produkt der DDR, denunzieren können. Was bleibt davon? Niemand kann an dem Thema vorbei, ohne über das weitgehend religionsfreie Ostdeutschland zu reden – als "Blaupause" für ganz Deutschland, gar Europa?