3.9.1859
Der Politiker Jean Jaurès wird geboren Mehr...
cicero.de 12 Mär 2010 Nr. 9035
Von Sandra Aamondt, Samuel Wang
Wer zufällig ausgewählte Personen fragt, was sie über ihr Gehirn wissen, dürfte am häufigsten die Antwort erhalten, dass wir nur 10 Prozent seiner eigentlichen Kapazität nutzen. Bei dieser Aussage stehen den Neurologen auf der ganzen Welt die Haare zu Berge.
Der Mythos von den 10 Prozent kam vor mehr als hundert Jahren in den Vereinigten Staaten auf und mittlerweile glaubt ihn selbst im fernen Brasilien die Hälfte der Bevölkerung. Für Wissenschaftler, die das Gehirn erforschen, ergibt die Vorstellung jedoch überhaupt keinen Sinn; das Gehirn ist ein sehr effektiv arbeitendes Organ, und allem Anschein nach sind so gut wie alle Teile davon unverzichtbar. (...) Die beeindruckende Hartnäckigkeit mag mit der optimistischen Botschaft zusammenhängen: Wenn wir normalerweise nur 10 Prozent unseres Gehirns nutzen, was könnten wir dann vollbringen, wenn wir nur einen winzigen Teil der übrigen 90 Prozent nutzen könnten! Diese Vorstellung hat gewiss ihren Reiz und ist in gewisser Weise auch demokratisch. Wenn jeder über so große Reservekapazitäten verfügt, dann gibt es letztlich gar keine dummen Menschen, sondern nur unendlich viele potenzielle Einsteine, die nicht gelernt haben, einen größeren Teil ihres Gehirns zu nutzen. (...)