Religionen

Du sollst auch in Austin, Texas, nicht das Vieh begehren.

Granit gegen die Aufklärung

Es ist der 27. Juni 2017, es ist sehr früh am Morgen in Little Rock, Arkansas, eigentlich fast noch Nacht. Vor dem State Capitol, dem Regierungssitz des Bundesstaates, bleibt ein dunkles Auto aus dem dünnen Verkehr heraus plötzlich stehen, genau auf der Höhe der Zehn Gebote, einer steinernen Gesetzestafel nach biblischem Vorbild, die man gestern erst aufgestellt hat. Vom Auto aus ist es nur ein kurzes Stück über den Rasen bis zu dem tonnenschweren Monument. Ein diensthabender Polizist sieht sofort, dass etwas nicht in Ordnung ist. Aber er kann nichts mehr tun.

Oliver Maria Schmitt

"Man sollte sich nicht unmündiger machen als man eh schon ist"

Oliver Maria Schmitt war Chef des legendären Satiremagazins "Titanic" und ist Autor nicht minder legendärer Reisereportagen ("Ich bin dann mal Ertugrul", Rowohlt). Im Interview spricht er über die intime Beziehung von Glaube und Satire, fühlt sich von der Zumutung "religiöser Gefühle" verletzt - und schlägt einen unwiderstehlichen Dachschmuck für das Berliner Stadtschloss vor.

Frei sein in Montreal

Religion schadet mehr als dass sie nützt

Kanada wird ja oft als der zivilisierte Bruder der Vereinigten Staaten gesehen: Höflicherer Umgang, weniger Aufschneidertum, kein ungeregelter Zugang zu Waffen wie er in der christlichen Nation USA nahezu selbstverständlich ist. Um nur ein paar der gängigsten Klischees zu bemühen. Was die Einstellung zu Religion angeht, kann man nun sogar auf ein paar aktuelle Zahlen zugreifen. Eine Mehrheit der Kanadier findet: Religion schadet mehr als dass sie nützt.

Herxheim am Berg

Zum Ruhme des Führers

Seit zwei Monaten staunt das Land über die Hitlerglocke von Herxheim. Jetzt hat sich auch die Landeskonservatorin zu Wort gemeldet. Sie findet: Hängen lassen! Auch wenn es weh tut! Dabei schmerzt hier vor allem eines - die hanebüchene Schlichtheit ihrer Argumente.

Daniela Wakonigg

Das Fliegende Spaghettimonster: Religion oder Religionsparodie?

Ob die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters nun eine Religion oder eine Religionsparodie ist, beschäftigt seit Jahren die Gemüter – und am Freitag auch wieder die Gerichte, wenn es vor dem Brandenburgischen Oberlandesgericht darum geht, ob die Spaghettimonster-Kirche Nudelmessehinweisschilder aufstellen darf. Der hpd sprach mit Philosophin und Theologin Daniela Wakonigg, die sich in einem aktuellen Buch ausführlich mit der Frage beschäftigt, ob es sich bei der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters um eine Religion oder um eine Religionsparodie handelt.

Religionswissenschaftler Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel

"Der Buddhismus ist keine Pop-Religion"

Westliche Beobachter sehen den Buddhismus zu sehr durch eine "rosarote Brille". "Während er früher und teils heute noch als pessimistisch und nihilistisch wahrgenommen wurde, finden sich inzwischen zahlreiche Klischees vom Buddhismus als leichter Pop-Religion, friedfertig und tolerant, als Spiritualität ohne Dogmen und Glaubensvorstellungen, gar ohne Gott", schreibt der Religionswissenschaftler und anglikanische Theologe Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel in seinem neuen Einführungsband "Buddhismus verstehen" aus dem Gütersloher Verlagshaus.

Erzbischof Müller nach einem Pontifikalamt in Rom mit Jugendlichen im Gespräch

Befreiung und Blamage

Endlich hat er eingegriffen. Italienische Medien haben es unisono berichtet, und der Vatikan hat die Meldungen bestätigt: Papst Franziskus hat sich von einem Kardinal befreit, der ihm seit langem auf die Nerven gegangen ist, wie ich aus Rom höre. Im Ernst: Der Anstellungsvertrag mit dem Amtschef der Glaubenskongregation, dem deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller, lief gestern (2. Juli 2017) ab und wird nicht mehr verlängert. Müller, bisher einflussreichster Amtsträger, sitzt vor der Tür. Eine Blamage sondergleichen.

Religion über Alles?

Die Grenzen der Religionsfreiheit werden seit vielen Jahren mit gläubiger Regelmäßigkeit anhand der weiblichen Kopfbedeckung diskutiert. Vor allem die Verschleierung führt immer wieder zum Streit; im Windschatten dieses Friseur-Boykotts geht es dann auch mal um das Häubchen der Diakonisse oder andere religiöse Deko-Artikel.

Ob Gott schon im Brot ist?

Der Weg zum Erlösersteak

Der liebe Gott hat immer ziemlich viel mit Esspapier zu tun. Wie man weiß, werden ja in den Kirchen regelmäßig Oblaten verzehrt, welche aber in der Wahrnehmung der Oblatenesser gar keine Oblaten mehr sind, sondern das Fleisch eines vor zweitausend Jahren Verstorbenen und dann doch nicht Verstorbenen: Der Heiland, der da verspeist wird, hat schließlich ein ewiges Leben. Was natürlich die Frage aufwirft, inwieweit die Mensch gewordene Oblate überhaupt verdaulich ist, und ob die ganze Aufesserei dem Oblatenwandlergott nicht sauer aufstoßen müsste.

Stirnen brennen

Herr, wirf Feuerchen vom Himmel

Wieder einmal ist Pfingsten, und kaum jemand weiß, was da gefeiert wird: Der Heilige Geist. Die Dreieinigkeit Gottes. Verstanden hat die nie jemand so richtig. Sie durchzusetzen war für die Kirche im 4. Jahrhundert allerdings ein Meilenstein auf dem Weg zur Weltmacht - und der erste Grund, Glaubensabweichler zu verfolgen und zu töten.