Sicher, so allgemein formuliert, trifft das zu, aber in Bezug auf Religionen
muss man doch ziemlich unkritisch sein, um nicht zu sehen, dass durch
die Abgabe von Entscheidungen und Verantwortung z. B. an die Texte einer
Buchreligion sowie an deren professionelle Deuter und Vermittler nichts
gewonnen wird. Ein Text kann unmöglich alle Wechselfälle eines Lebens
berücksichtigen und erst recht nicht stets zum Wohle des Betroffenenen
lösen. Da könnte man diese Entscheidungen mit dem gleichen Erfolg auch
selbst treffen, wenn, ja wenn da nicht das verlockende Gefühl der Entlastung
wäre, das die Illusion bietet, von verschiedenen Vaterfiguren an die Hand
genommen zu werden.