Mein persönlicher Bildungsweg führt als Kind einer einer prekär beschäftigten alleinerziehenden Mutter zu einer Promotion. Es ist eine Ausnahme und keine Erfolgsgeschichte.
Bildung wurde in meiner Familie stets als Aufstiegsversprechen begriffen. Es war aber klar, dass Nachhilfe keine Option ist. Ich bin über Realschule und dann allgemeine Hochschulreife zum Studium gelangt. Meine Mutter hat dabei "aufgestockt" weil das Einkommen für zwei Personen nicht gereicht hat. Das ist der Kontext. Strukturell passierte viel.
Ich hatte wenig soziale Integration weil alles Geld kostet, insbesondere Mobilität. Ich war während der Oberstufe arbeitslos, da ich einen Realschulabschluss hatte. Ich musste regelmäßig aufs Arbeitsamt, Termine wurden in Schulstunden gelegt und ich wurde herablassend behandelt. Als ob ich mir parasitär einen Abschluss von der Gesellschaft erschleiche. Ich habe mich dann für eine Höhere Berufsfachschule entschieden. In meiner Konstellation konnte ich damit innerhalb eines Jahres einen zweijährigen Abschluss erreichen. Das Arbeitsamt hat mich nicht auf Schüler-Bafög hingewiesen, sondern behauptet, ich müsse arbeiten, Geld sparen und dann könne ich mir den Abschluss leisten. Das war falsch und dreist.
Ich habe ein naturwissenschaftliches Studium bestritten. Die Anpassung war nicht einfach. In meiner Familie gab es keine Erfahrung mit der Universität. Ich habe durch mein sehr gutes Abitur am Anfang ein Stipendium erhalten, dann mit Bafög weiter gemacht. Im Master habe ich mein soziales Umfeld im Studium verloren da sie abgebrochen haben. Die Einsamkeit und die steigenden Schulden haben mir zunehmend zugesetzt. Ich habe viel zu lange gebraucht. Jetzt bin ich Doktorand. In meinem Fach wird üblicherweise 50% E13 bezahlt (2380 € brutto monatlich).
Ich habe das Glück etwas mehr zu erhalten. Das Bildungssystem ist wirkungsvoll wenn man nebenbei Geld zum Leben hat. Ich bin jetzt Mitte 30. Ich habe mich angestrengt und auch gelitten. Aber ich hatte nicht einmal gute Arbeit gesehen. Ich bin enttäuscht. Aber alle auf dem Weg erzählen die Geschichte vom Aufstieg durch Bildung. Nebenbei: Wenn Sie dabei noch selbst Kinder groß ziehen wollen, viel Glück. Ich werde als Doktorand ja immer noch als Auszubildender gesehen und bezahlt. Ich bin sicher nicht typisch. Aber ich bin enttäuscht. Und auf dem Weg sieht man auch, wie Leute leben, die nicht darauf angewiesen sind, dass es irgendwann klappen muss. Ich habe keine Rente aufgebaut. Ich habe keine Rücklagen. Ich bin kaum verreist. Aber im Studium sieht man schon, was für ein Leben für eine Bildungsschicht normal ist. Studium ist teuer. Ich komme aus einer Klasse, die Angst vor Krediten hat weil Zinsen hoch und Arbeitsplätze unsicher sind. Das legt man nicht so einfach ab. Das ist keine Investition, sonden ein Risiko welches man jeden Tag trägt. Wenn mich jemand fragt ob er studieren soll, Frage ich nach Geld und nicht nach Noten.