Eine überraschend schwache Argumentation, die ihrerseits viel Theologisches enthält.
Um sagen zu können, die Bibel enthalte nichts Göttliches, müsste ja feststehen, dass Gott – dessen Existenz so wenig wissenschaftlich widerlegt wie belegt ist – nicht so ist wie die Bibel: Widersprüchlich, spannungsgeladen, oft alogisch und unklar. Diese Argumentation setzt ja bereits eine Gottesvorstellung voraus, nämlich, dass Gott, wenn überhaupt, so sein müsse, wie der Mensch nicht ist.
Dass die Bibel viel (aus der Perspektive eines dem liberalen Menschenrechtsdenken verpflichteten Menschen des 21. Jahrhunderts) Entsetzliches und Ekelerregendes enthält, kann ebenfalls kaum als Beweis dafür dienen, dass die Bibel ein rein menschliches Produkt sein muss. Die Erfahrungen der Menschen, auf die die Texte tatsächlich zurückgehen und von denen sie handeln, lassen sich ja nicht nachvollziehen. Zudem ist es doch wiederum eine wunschgeleitete Vorstellung, dass ein Gott, der wirklich ist, allgütig und und allliebend sein müsste.
Richtig ist: Kein Argument für die Existenz Gottes in der Bibel, dem man aus wissenschaftlicher Sicht nichts entgegenhalten könnte. Das war es dann aber auch schon.
Gottesvorstellungen, Herr Stamm, hat es bereits vor den heiligen Schriften gegeben. Die heiligen Schriften als unentbehrliche Voraussetzung für einen Gottesglauben zu behandeln, schreibt nur einen kulturprotestantischen Religionsbegriff fort. Die meisten Gläubigen haben, historisch betrachtet, die heiligen Schriften kaum gelesen (und tun es auch heute nicht), ja, die meisten haben sie gar nicht lesen können und – oft – nicht lesen wollen; an Glauben hat es ihnen deshalb nicht gefehlt.