Kunst und Kultur

Die Faschingsfee: Camille Schnoor (Fürstin Alexandra Maria), Daniel Prohaska (Viktor Ronai), Ballett

Operetten-Premiere in der Alten Kongresshalle in München

"Die Faschingsfee" von Emmerich Kálmán

Emmerich Kálmán – ein Operetten-Komponist, den man oft hört. "Die Faschingsfee" – ein Werk, das selbst Fans nicht unbedingt ein Begriff ist. Anlässlich des 100. Geburtstag dieser Operette lud das Münchner Gärtnerplatztheater am 16. Februar zur Premiere der "Faschingsfee" in die Alte Kongresshalle. Fans wie Kritikern bot sich die Gelegenheit, herauszufinden, ob jener Operette womöglich Unrecht getan wird, wenn die Spielpläne unserer Theaterbühnen sie regelmäßig übersehen.

Everardo González: La libertad del diablo | Devil's Freedom

Menschenrechte auf der 67. Berlinale

Amnesty International Filmpreis geht an mexikanische Doku

Der mexikanische Dokumentarfilm "The Devil’s Freedom" hat den Amnesty International Filmpreis erhalten. Der Friedensfilmpreis ging an den chilenischen Film "Adriana’s Pact", in dem die Folgen der Pinochet-Dikatur in der Familie der Regisseurin thematisiert werden. Auch den Berlinale-Besuchern lagen in diesem Jahr Menschenrechte am Herz. Philipp van Leeuws Kriegsdrama "Insyriated" und Raoul Pecks Dokumentarfilm "I’m Not Your Negro" wurden mit dem Panorama-Publikumspreis ausgezeichnet

67. Berlinale

Zwischen Theo-Populismus und heiliger Pornografie

Der wahhabitische Islam aus Saudi-Arabien überflutet die Welt im Netz mit seiner Propaganda. Darin rufen salafistische Prediger zum weltweiten Dschihad auf und Versprechen im Gegenzug 72 Jungfrauen im Paradies. Davon fühlen sich vor allem junge und sexuell frustrierte Menschen angesprochen. Der algerische Regisseur Merkaz Allouache hat in seiner Heimat die Folgen dieser religiösen Einflussnahme untersucht, sein sehenswerter Film "Investigating Paradise" erzählt davon.

David Garnetts Roman "Mann im Zoo"

Ein Diogenes im Affenhaus

David Garnett machte 1924 in seinem Roman "Mann im Zoo" Ernst mit der Erkenntnis, dass der Mensch ein Affe sei. Er lässt einen Romanhelden sich aus eigenem Entschluss in einem Zookäfig einquartieren. Die Liebe hat ihn dahin getrieben und zwingt ihn, am eigenen Leibe zu erfahren, wie es ist, ununterbrochen den Blicken des Publikums ausgesetzt zu sein. Der neu übersetzte Roman hat seither an Aktualität nur gewonnen.

67. Berlinale

Religionskritik, Rassismus und politische Debatte im Kinosaal

Eine junge algerische Journalistin taucht mit der Kamera ein in die Welt des slawistischen Islam, zwei junge Filmemacher erkunden den Kosmos einer jungen schwarzen Frau im rassistischen Amerika und eine französische Nachwuchsfilmerin begleitet zwei Schwestern aus der Minderheit der Jenischen in ihrem Alltag. Außerdem präsentiert die Berlinale Filme zu den politischen Folgen der Wirtschaftskrise in Südeuropa und zum Krieg in der Ukraine sowie einen hochbrisanten friedenspolitischen Appell.

67. Berlinale

Filme zu Menschenrechten, Flucht und LGBTI

Die Berlinale gilt als das politischste aller internationalen Filmfestivals. Auch das diesjährige Programm erfüllt die Erwartungen. So präsentiert die Berlinale etwa Spielfilme, in denen es um männliche Beschneidung, die gesellschaftspolitische Situation im Kongo oder die Revolution einer weiblich-radikalen "Army of Lovers" geht. Dokumentarische Beiträge befassen sich mit dem russischen Justizsystem, dem Alltag im vom Krieg zerrütteten Syrien oder eine schwule Kreuzfahrt geht. 

Martin Suters märchenhafter Thriller "Elefant"

Mit Elefant in der Handtasche auf der Flucht

Ein burmesischer Flüchtling, der in der Schweiz zum Elefantenpfleger und Dompteur wurde, eine Tierärztin für Straßenhunde und ein Obdachloser bilden in Martin Suters neuen Roman "Elefant" die Phalanx des Guten und retten einen kleinen rosa Elefanten davor, zum Modell für abertausende rosa leuchtende Spielzeugelefäntchen zu werden.

Wolfram P. Kastner

Kunst- und Meinungsfreiheit

Entscheidung im "Jodl-Prozess" vertagt

Am gestrigen Donnerstag verhandelte das Landgericht München I über den Einspruch gegen eine einstweilige Verfügung gegen den Aktionskünstler Wolfram P. Kastner. Die Verfügung des Gerichts war "… mit der Androhung eines Ordnungsgeldes bis zu 250.000 Euro oder einer Haft bis zu 6 Monaten …" verbunden und verbot Kastner "… an dem Grabstein/Grabdenkmal Schilder anzubringen ... Buchstaben … auszubrechen ... Farbe auf den Grabstein/Grabdenkmal aufzubringen ... den Grabplatz zu betreten ...", also Aktionen, welche der Künstler in der Vergangenheit durchgeführt hatte.

Die Künstler beim Anbringen des Mahnschildes

GBS-Beirat Wolfram Kastner soll für seinen Protest gegen ein Nazidenkmal bestraft werden

Aufklärung unerwünscht

Stimmen die bayerischen Behörden mit dem braunen Geschichtsrevisionismus des AfD-Politikers Björn Höcke überein - oder stehen sie auf dem Boden des modernen Rechtsstaates, der seine Stärke aus der schonungslosen Aufarbeitung der Vergangenheit gewinnt? Nicht zuletzt um diese Frage geht es am kommenden Donnerstag in einem Verfahren am Münchner Landgericht, das klären soll, ob der Aktionskünstler Wolfram Kastner (Mitglied des GBS-Beirats) gesetzeswidrig handelte, als er ein "Ehrenmal für Alfred Jodl" in ein "Schandmal für einen NS-Kriegsverbrecher" umgestaltete.