Kommentar

Wahl in Sachsen-Anhalt: Gegen Vernunft und Mitmenschlichkeit

Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt ist ein bitteres Zeugnis für die mangelnde politische Vernunft bei einem großen Teil der Wählerschaft dieses Bundeslandes.

Ulrich Siegmund
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Wahlkampf von Sachsen-Anhalt 2026.

Jede Wählerin und jeder Wähler – vor allem aus der bisherigen Masse der Nichtwähler – müsste sich fragen, welches konkrete Angebot die AfD den Arbeitnehmern, Rentnern, Sozialversicherten oder Gewerbetreibenden gemacht hat. Sie müssten sich auch fragen, welches Verständnis von Patriotismus eine Partei hat, deren Vertreter vom Kreml hofiert werden und den Kampf gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine nicht mehr unterstützen wollen, der offensichtlich auch als Aggression gegen Westeuropa und Deutschland geführt wird.

Welches Wirtschaftsverständnis hat eine Partei, deren Vorsitzende im Steuerparadies Schweiz wohnt und den Austritt aus der EU propagiert, während Deutschlands Exporte weit überwiegend in diesen Raum erfolgen? Welches Demokratieverständnis hat eine Wählerschaft, die eine als gesichert rechtsextrem geltende Partei wählt?

Diese Fragen stellten sich die Wählerinnen und Wähler der AfD nicht. Und es gibt keinen Grund, sie dafür in Schutz zu nehmen. Sie folgten, bis auf sowieso in der Wolle gefärbte Rechtsextreme, allein ihrem Wutgefühl auf die Bundesregierung, der Angst vor Veränderung oder einem dumpfen Nationalismus. Wer eine Partei wählt, die mit dem Slogan wirbt, „Wir holen uns unser Land zurück“, hat sich für Spaltung und Ausgrenzung entschieden. 

Die Wahl in Sachsen-Anhalt ist ein Beispiel für selbstschädigendes Wahlverhalten. Nach gängiger Lehrmeinung handelt es sich bei selbstschädigendem Verhalten nicht um eine Krankheit, sondern ein Symptom für psychische Belastungen. Es dient oft der Regulation extremer innerer Anspannung oder dem Verarbeiten von Gefühlen. Allerdings verschafft es nur kurzfristige Erleichterung. Der Schaden aber, der bleibt.

Kommentare (29)

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Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Mi. 9 Sep 2026 - 14:23

Der letzte Krieg ist ja schon über 70 Jahre her, es muß ja endlich wieder was geschehen in der langweiligen BRD, zum Glück der unzufriedenen gibt es ja die AfD, welchen es im
östlichen Teil der BRD langweilig geworden ist mit unserem Bundeskanzler, da musste doch was geschehen um die Bürger aufzurütteln aus ihrer satten Zufriedenheit.
Wählen ist eigentlich eine Frage des Intellekts und nicht der Gefühle!!!

ringo urban (nicht überprüft)

Mi. 9 Sep 2026 - 14:53

Guten Tag,

sie wissen doch sehr gut, dass es längst nicht mehr um Vernunft geht. Also warum erwähnen sie die Vernunft?

Es geht vielmehr um Gefühle, wie sie auch schreiben, um Affekte, hochgradige Frustration und Hass auf ein bzw. verschiedene Systeme, die sich nicht mehr bewegen,verändern oder reformieren (lassen).

24 Jahre, in Worten: vierundzwanzig, CDU Regierung in Sachsen-Anhalt.
Fällt da möglicherweise ein Groschen. Das nennt sich Demokratie und lässt sich auch durch die geltenden Gesetze so legitimieren. Gesund (und munter) scheint mir das jedoch nicht zu sein für ein lebendiges demokratisches Gesellschaftssystem. Schon mal etwas von einem Limit für Amtszeiten oder Rotationsprinzip gehört. Das sind nur zwei winzige, sehr einfache Elemente für eine Mögliche Entwicklung/Veränderung.
Gruss, Ringo Urban

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Mi. 9 Sep 2026 - 15:22

Ja, es ist faktische Selbstschädigung. Wer Umfrageergebnisse lesen kann, hätte wissen müssen, dass es jetzt "italienische Verhältnisse" in Sachsen-Anhalt gibt. Im Grunde ohne Möglichkeit, eine stabile Regierung zu bilden. In keiner Richtung.

Wozu führt das? Zu noch schlechterer Politik, mehr Aufgaben bleiben liegen, andere werden von der einen oder anderen Seite blockiert. Zu was führt das? Zu noch mehr Politikverdrossenheit, noch mehr Unmut in der Bevölkerung.

Die AfD wird sich in bester Populisten-Manier als Opfer präsentieren, während das durch das Wahlergebnis verursachte Versagen den "Altparteien" in die Schuhe geschoben wird. Und die unwissenden Wähler glauben das.

Die Folge? Bei der nächsten (nicht allzu fernen Wahl) werden noch mehr die AfD wählen, sodass sie die absolute Mehrheit erringt. Und dann ist die Kacke aber richtig am Dampfen! Und selbstverständlich sind auch da wieder die "Altparteien" Schuld, weil sie ja die beste Politik aller Zeiten (um einen Trump-Spruch zu nutzen) torpedieren.

Ich fürchte, wir müssen durch ein Jammertal, um zum Licht zu kommen. Die NSDAP hat in ihr Parteiprogramm auch nicht geschrieben, dass sie sechs Millionen Juden vergasen, die Welt überfallen und am Ende Deutschland in die Scheiße reiten wollen...

A.S. (nicht überprüft)

Mi. 9 Sep 2026 - 16:30

Leider sind viele Humanisten den kirchlichen und muslimischen Lobbyisten auf den Leim gegangen.

Die Religionen bringen Unterdrückung und Krieg, weil "Wahrheitsanspruch" ein hochtrabendes Wort ist für kleinkarierte, zänkische Rechthaberei.

"Religiöse Vielfalt" ist folglich eine Vielzahl kleinkarierter, zänkischer Rechthabereien.
Bereichert uns das? Bringt das unsere Gesellschaft weiter? Löst das irgendwelche Probleme?

Der Spruch "Religiöse Vielfalt bereichert uns" ist demagogisch ähnlich gut gemacht wie die Kampf-Vokabel vom angeblichen "antimuslimischen Rassismus". Das Verb "bereichern" appelliert an die menschliche Gier, also an einen der niederen Instinkte.

Ich sehe unsere Gesellschaft im gemeinsamen Krieg der Religionen gegen die Aufklärung.

Frau Göring-Eckardt hat gesagt, dass sie sich darauf freue, dass Deutschland religiöser werde. Damit hat sie meiner Meinung nach die Strategie der Kirchen preisgegeben: Deutschland soll religiöser gemacht werden.

Dazu dient die Migration ungebildeter Gläubiger und die Unterstützung der Islamisten durch die Kirchen.4

"Religiöse Vielfalt bereichert uns" ist der Schlachtruf der Anti-Aufklärer.

Lieber A.S.,

die Leser:innen des hpd kennen die Debatten um die Themen, die Sie aufzählen. Jedoch sind diese hier völlig fehl am Platz und Ihr Beitrag ist m.A.n. entsprechend off-topic.
Hat die Redaktion das übersehen?

Ich breche hier jetzt als Religionskritiker eine Lanze für liberale religiöse Menschen. Die können Sie doch nicht einfach mit den Fundis in einen Topf werfen!

Manchmal muss man sich halt mit einem "Feind" verbünden, um einen größeren Feind zu besiegen.
Ich mache lieber mit (liberalen!) Christen was gegen Nazis, als wie Sie einen Zwei-Fronten-Krieg zu führen.
Wenn Sie sich alle gleichzeitig zum Feind machen, werden Sie verlieren. Wenn wir die Nazis irgendwie (erneut?) überwunden oder eingedämmt haben werden, ist immer noch Zeit für Religionspolitik!

Und religiöse Vielfalt unter der Anerkennung des Grundgesetzes als oberster Instanz sollte in einer Demokratie gar kein Problem sein! Religion wird niemals verschwinden - sie muss aber juristisch und politisch anders behandelt werden.

Danke + LG

Adam Sedgwick (nicht überprüft)

Mi. 9 Sep 2026 - 17:06

"Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber!" Genau das ist am vergangenen Sonntag in S T passiert. Wie geht es nun weiter? Vielleicht sollten die bürgerlichen Parteien zuerst die verfassungsfeindlichsten Thesen der AfD veröffentlichen und auf die dazugehörigen Artikel unserer Verfassung hinweisen, mit ein zwei Bemerkungen, wie gefährlich solche Vorhaben der AfD für uns alle sind (wie die Abschaffung der Schulpflicht, Abschiebung von Immigranten, die auch eine tragende Säule in unserer Republik darstellen).
Des weiteren wäre auch eine Bemerkung zur finanziellen Unterstützung der AfD durch ausländische Unternehmer (E.Musk) wichtig, vor allem, ob diese Einmischung von außen verfassungsrechtlich erlaubt ist.

Am allerwichtigsten wäre es, wenn die bürgerlichen Parteien sich mit den brennendsten Problemen des Landes auseinandersetzen, da wäre sicherlich die Schaffung bezahlbaren Wohnraumes wichtig. Die Volt-Partei war ja so freundlich in Berlin eine Mängelliste der bisherigen Regierungsarbeit in Berlin als Wahlplakat aufzuhängen. Diese Orientierung müsste allerdings von der CDU, SPD und den GRÜNEN noch nach der Wichtigkeit sortiert werden. Dann heißt es, sofort die Liste einfach abzuarbeiten, und nicht mehr auf die Rechtsradikalen zu starren. In eineinhalb Wochen gibt es wieder ein Stimmungsbarometer in Berlin und in MV. Wahrscheinlich wird die CDU wieder abgestraft und man will den Kanzler damit noch mal deutlich treffen.
Für Sachsen-Anhalt erlaube ich mir die Empfehlung einer Minderheitsregierung unter dem bisherigen MP. Die Diskussionen sind für eine solche Regierung nicht viel komplizierter als damals unter bzw. in der Ampelkoalition. Ob der Gewinner der Wahl dieser Aufgabe gewachsen wäre, könnte man mal ausprobieren.

Sebastian (nicht überprüft)

Mi. 9 Sep 2026 - 18:09

Was soll denn dieses Bashing gegen die Menschen in Sachsen-Anhalt bringen?

Mir scheint, gerade durch solches Verhalten und solche "Nachrichten" bzw. Kommentare wird die Kluft zwischen den alten BRD und den neuen Bundesländern noch tiefer gegraben als nötig! Liebe Saarländer, fahrt doch mal rüber, versucht mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und versucht sie bitte ausnahmsweise mal ernst zu nehmen, anstatt gleich die grobe verbale Keule auszupacken!

Übrigens Rheinland-Pfalz, also bei euch gleich um die Ecke, ist auch ziemlich "alternativ" geworden und wurde nicht extra über Jahre und Jahrzehnte aus unreflektierten Vorurteilen heraus gebrandmarkt.

Da bin HPD der "Daumen hoch"Icon noch nicht erfunden wurde, möchte ich auf diesem Weg meine grundsätzliche Zustimmung ausdrücken.
Grundsätzlich sollte jede(r) Politikinteressierte auch mit den Menschen im Osten reden.

Roland Fakler (nicht überprüft)

Mi. 9 Sep 2026 - 18:22

Hier wird wieder ein Thema ausgeblendet, das starkes Gewicht gehabt haben dürfte: Die AFD ist leider die einzige Partei, die die aggressive Islamisierung Deutschlands stoppen kann und stoppen will. Die Deutschen, auch die integrierten Migranten, wollen diese Islamisierung nicht, weil sie besser wissen, was Islamisierung bedeutet, nämlich Religionsterror und Verlust aller individuellen Freiheiten. Die Islamisierung Europas wollen nur einige Herrschaften in Saudi-Arabien, in Katar, der Türkei und im Iran mit ihren Helfershelfern vor Ort und unsere naiven und unwissenden Politiker lassen das zu oder fördern das sogar. Dafür haben sie jetzt die Quittung bekommen.

Aha. Sie hätten also lieber Faschismus als Islamismus? Das bedeutet beides aber am Ende "Verlust aller individuellen Freiheiten." Witzig, was?
Wobei diese Gegenüberstellung aber auch nicht korrekt ist, denn "die aggressive Islamisierung Deutschlands" von der Sie sprechen, ist zu großen Teilen ein von rechts erzähltes Märchen, das meiner Kenntnis nach keinen soziologischen Befunden entspricht. Hier wird ein zum Teil selbst erfundenes Feindbild bekämpft.
Und wenn es doch so wäre, weiß man, was hier hilft, nämlich gute "Integration" - aber das ist ja genau das Gegenteil des AfD-Programms!
Sofort in Arbeit, sofort Deutschkurs und sofort Ende mit dem Bürokratismus in dem Migrant:innen feststecken.
Plus: Umverteilung! Aber das ist ja wieder "Sozialismus" und linksgrün und mit der AfD (und der CDU) und ihrem wirtschaftslibertären Ansichten nicht zu machen.
Merken Sie was?

Rüdiger Weida (nicht überprüft)

Mi. 9 Sep 2026 - 18:23

An alle, die jetzt Sachsen-Anhalt oder gar den ganzen Osten bashen:
- Die AfD wurde im Westen gegründet
- Die AfD wurde und wird vom Westen finanziert (ein kleines bisschen auch von der Schweiz)
- Das Führungspersonal, von Weidel bis Höcke, kommt aus dem Westen.
Wobei letzteres fast auf jedes Führungspersonal zutrifft.

In Politik, Verwaltung, Justiz und Industrie liegt dort der Anteil Ostdeutscher in Ostdeutschland deutlich unter 10 %. Vielleicht fühlt sich deshalb so mancher hier eher kolonialisiert als vereinigt.

Die Wählerinnen und Wähler wollen alles andere, als von der ISAH in Schutz genommen zu werden. Ihnen stößt eher auf, dass die mit falschen Behauptungen argumentiert.
Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Köln darf die AfD nur als rechtsextremistischer Verdachtsfall bezeichnet werden.

Also ich habe es so verstanden - es geht ja in dem Artikel um die Wahl in Sachsen-Anhalt. Davon abgesehen ist das Kölner Urteil aber auch nicht das Letzte Wort was die Ausrichtung der gesamten AfD betrifft.

Ja genau, leider gab und gibt es keine ostdeutsche politische Stimme im Politikzirkus! Selbst die ehemalige DDR Volksparteinachfolgerpartei "Die Linke" stellte einen aus dem Westen stammenden Ministerpräsidenten (der Bodo in Thüringen stammt ja bekannter Maßen aus Niedersachsen) und auch Frau Merkel hat eher selten für "ihre" Ossis den Mund auf gemacht..! Die Verlustängste der Ossis kann nur jemand verstehen, der die Wende- und Treuhandzeiten und das dazugehörige Gebaren und hochnäsige Gequatsche miterleben durfte (musste!). Die AfD hat als einzige Partei, glaubwürdig oder nicht, den Ossis an ihrem empfindlichen Ego gekitzelt und wird sicher auch in MeckPomm ähnlich erfolgreich abschneiden, einfach weil sich viele Ossis weder vertreten, noch verstanden oder gar wertgeschätz fühlen; nach 40 Jahren DDR Diktatur und der Selbstbefreiung aus dieser kommt vielleicht doch endlich nach fast weiteren 40 Jahren in den westdeutschen Kolonialissmus endlich mal politische Bewegung??? Wobei: was "Der Linken" trotz guter Wahlergebnisse in Jahrzehnten nie gelang, soll nun eine westdeutsche "alternative" Partei aus Verschwörungstheoretikern und Populisten schaffen? da kann ich nur hämisch lachend das "APPLAUS APPLAUS"-Schild in die Höhe heben und doch nur traurig den Kopf schütteln...

Grüße aus Dunkeldeutschland. die versprochenen blühenden Landschaften blühen hier bald überall blau...

Albert Dietz (nicht überprüft)

Mi. 9 Sep 2026 - 22:07

ich fühle mich ähnlich ohnmächtig, wie ich es oben (Beitrag, Kommentare) wahrnehme. Wir sind konditioniert darauf, die Welt zu gestalten, zu verändern ( "… und macht Euch die Erde Untertan" (Autsch) oder besser: im Sinne von Arnold Gehlen sind wir ein "handelndes Wesen" ) - und dann ist es schwer, diesen Zustand einfach zu ertragen.
Im Gegensatz zu Religionen bietet die Evolution kein Heilsversprechen: sie sortiert aus was sich nicht bewährt. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als nach unseren Idealen zu leben, und zu hoffen, dass die Evolution anderes aussortiert. Und solange wir noch da sind, können wir weiter in unserem Sinne handeln.

Sunder Martin (nicht überprüft)

Do. 10 Sep 2026 - 10:29

Daß die AfD den Krieg gegen Rußland nicht unterstützen will zeigt, daß die Partei manchmal wesentlich intelligenter ist als die Kriegsparteien Grüne, SPD und CDU.

Deutschland führt Krieg gegen Russland? Habe ich da etwa ein Kreigserklärung verpasst?

Oder ist es nicht doch eher so, dass Russland vor nun 4,5 Jahren seinen Nachbarn Ukraine ohne Kriegserklärung überfallen hat und das Land seitdem im Rahmen einer sogenannten "spezielle Militäroperation" bombardiert, terrorisiert, zerstört, seine Bewohner tötet etc.?

Zudem führt die russische Regierung seit Jahren einen hybriden Krieg gegen die EU und NATO, wie nicht zuletzt der fehlgeschlagene Anschlag am Flughafen Leipzig zeigt.

Aber ich weiß, dass die Wähler und Unterstützer der Braunblauen (und auch der Brombeeren und nicht wenige der Dunkelroten( dem ehemaligen KGB-Oberst mit Insbrunst huldigen und auf Gunstbezeugungen aus dem Kreml ganz versessen sind.

Die Ukraine führt für die USA einen Stellvertreterkrieg gegen Russland, und Deutschland unterstützt sie dabei enorm, das ist schon richtig. Auch Sie selbst unterstützen den Krieg mit Ihrer Rhetorik. Dass Russland diesen Krieg angefangen hat, steht all dem nicht entgegen: Die Ukraine (genauer: ihre Führung) war und ist dämlich genug, sich für diesen Stellvertreterkrieg heranziehen zu lassen. (So wie auch wir (genauer: unsere Führung) dämlich genug sind, uns im Wirtschaftskrieg gegen Russland selbst zu schädigen.)

Der angebliche "hybride Krieg" (was genau bedeutet eigentlich hybrid in diesem Zusammenhang?) ist genauso unbewiesen wie die angebliche russische Urheberschaft des Drohnenfundes auf dem Flughafen Leipzig. Wann immer es in den letzten Jahren Beweise gab, haben die gezeigt, dass angebliche Attacken Russlands bloß erfunden waren; ein Beispiel ist die angebliche GPS-Störung bei von der Leyens Flug nach Rumänien. Das sollte zu denken geben.

Was aber umgekehrt ganz sicher ist: Die Ukraine verübt Attacken in Russland und auf den Weltmeeren gegen russische Schiffe mit westlicher Unterstützung. Wie so oft bei Propaganda zeigt nur ein Finger auf den Gegner, aber drei zeigen auf einen selbst.

Der alberne, polemische Abschluss ihres Kommentars, AfD-Wähler "huldigten" Putin und seien "versessen auf Gunstbezeugungen", passt dann aber wieder gut zum inhaltlichen Niveau.

Also da läuft ja jetzt so einiges schief...
1.) Zum Thema Hybrider Krieg reicht zu einer ersten Klärung schonmal der Wikipedia-Artikel dazu.
2.) Teil der hybriden Kriegsführung ist ja eben auch, dass Angriffs-/Schad-/Desinformations- Aktionen nicht ohne Weiteres auf den Urheber zurück zu führen sind, weil sie verdeckt ausgeführt werden.
3.) Offen ausgeführte Attacken der sich verteidigenden Ukraine dagegen als die einzigen beweisbaren Kriegsaktionen hinzustellen ist m.A.n. nicht redlich und auch nicht sauber argumentiert.
4.) Beweise können/dürfen teilweise ja nicht veröffentlicht werden, wenn dadurch die Gegenseite Vorteile erlangen würde. Das ist einfach so, wenn die Nachrichten- bzw. Geheimdienste involviert sind. Und was sie ja auch sind, da wir ja in keinem offen Krieg sind, sondern eben in dieser schwierigen hybriden Form.
5.) @Renton: Bitte überlegen Sie mal, ob Sie durch Ihre Äußerungen nicht vielmehr selbst Teil der hybriden Kriegsführung Russlands sind - bevor Sie anderen vorwerfen, diesen Krieg zu unterstützen.
6.) Und bitte immer beachten: Wir leben derzeit noch in einer freiheitlichen Grundordnung, die solche Diskussionen zulässt! Versuchen Sie bitte mal in Russland (China, Nordkorea, Iran usw.) eine solches kritisches Gespräch zu führen. (Am Ende gar nicht möglich, weil sowas wie der hpd schon verboten wäre...)
7.) Wir wissen hier sicherlich bei Weitem nicht alles. Und dessen muss man sich immer bewusst sein. Allerdings entsteht damit genau der Boden, auf dem russische Desinformation oder andere Verschwörungsmythen gut gedeihen. Damit hat man dann das Gefühl, alles verstanden zu haben, wieder genau bescheid zu wissen und den Mitmenschen einen Schritt voraus zu sein, weil man nun eben alles mit vermeintlich klaren Augen sieht.
Achtung, dieser Schein trügt.

Zunächst einmal Danke für Ihre sehr sachliche Erwiderung! Das ist bei diesem Thema (leider) nicht selbstverständlich. Ich gehe auf Ihre Punkte im Einzelnen ein.

1.) Ich habe den Wikipedia-Artikel überflogen. Er weist erkennbar Schlagseite und Schwächen auf. Da ist die Rede von "böswilligen Akteuren" und "scheinbarer Risikoarmut". Damit kann ich wenig anfangen. Ich lade jeden gerne ein, einmal in eigenen Worten zu erklären, was hybride Kriegführung ist, damit der Begriff mehr Kontur gewinnt.
2.) Das kann doch kein Argument sein, auf Beweise und Belege zu verzichten. Sonst sind wir im Mittelalter, wo bezüglich Hexerei genau gleich argumentiert wurde: Ist leider unsichtbar, da müssen wir dem Zeugen glauben, der sagt, die Nachbarin habe seine Kühe verhext.
3.) Sie haben nicht verstanden, worauf ich hinaus wollte, das habe ich offenbar nicht deutlich genug gemacht. Es geht mir nicht darum, ob Attacken offen ausgeführt werden, sondern darum, dass die Ukraine Attacken mit westlicher Hilfe ausführt. Wenn man Zielhilfe zum Beschuss russischer Raffinerien leistet, ist es heuchlerisch, einen (im Übrigen ja bisher immer noch nur angeblichen) hybriden Krieg Russlands gegen deutsche Infrastruktur u.ä. zu beklagen.
4.) Siehe 2.) Wenn man glaubhaft sein möchte, dann muss man irgendwann einmal Beweise vorlegen. Der politische Nutzen, auch Zweifler wie mich zu überzeugen, würde den Preis, der Gegenseite Vorteile (wohl auch nur einmalige und zeitlich begrenzte) zu verschaffen, rechtfertigen, finden Sie nicht?
5.) Ich habe es überlegt: Nein, ich bin kein Teil der hybriden Kriegführung. Ich bin auch kein Opfer von Desinformationskampagnen; ich bin schlicht jemand, der seiner Regierung nicht einfach alles glaubt, was sie behauptet, ohne es zu belegen, und der sich gegen die verbale Eskalation wendet, die in diesem Krieg nur schwarz und weiß sehen möchte. Letzteres, ob Absicht oder nicht, ist eine Standardtechnik der Kriegspropaganda und somit bedeutet somit Agitieren für Krieg.
6.) In Russland werden solche Gespräche wie unseres in unzähligen Telegram-Kanälen geführt. Zugegeben, genau deswegen behindert Russland jetzt Telegram, aber die findigen Russen werden auch dafür einen Ausweg finden. Wir haben nicht mehr 1925, die Vorstellung, in Russland gäbe es eine Zensur stalinistischen Ausmaßes ist komplett überholt. Das ist heutzutage auch schlicht nicht mehr möglich.
7.) Danke für die Warnung :-) Lassen Sie mich umgekehrt auch Sie warnen: Nicht nur Russland verbreitet Desinformation und Verschwörungsmythen, auch unsere eigene Regierung und Politiker, die unserer Verbündeter im Westen und natürlich die Ukraine verbreiten das Gleiche. In diesem Konglomerat aus Lügen, Halbwahrheiten und Verdrehungen kann tatsächlich niemand für sich in Anspruch nehmen, der Wahrheit gewiss zu sein. Aber einen Standpunkt kann man trotzdem beziehen, je nachdem, was man für am plausibelsten hält, und immer im Wissen, das man sich natürlich irren könnte.

Vielen Dank für Ihre Antwort.

@Redaktion: vielen Dank für die Ermöglichung, die Debatte ist schon länger etwas sehr abwegig vom obigen Artikel und muss ein Ende finden.

Ich hau trotzdem nochmal kurz was raus dazu:

1.) Das ist richtig, Beurteilungen wie "böswillig" hängen vom eigenen Standpunkt ab und sind nicht objektiv. Zum Standpunkt gehört hier z.B. ein Wertekanon. Nimmt man den freiheitlich-westlichen, kann man das "böswillig" aber durchaus nachvollziehen.

Hybrider Krieg liegt m.A.n. vor, wenn ein Staat ohne Kriegserklärung schädliche Aktionen in einem anderen Land ausführt (Sabotage, Drohnenangriffe gegen Infrastruktur oder Menschen, aber auch Desinformation, politische Störmanöver durch Bestechung und Agenten), diese Taten geheimdienstlich ausführt und verschleiert und auch deren Urheberschaft abstreitet.

2.-4.) Es wird ja weiterhin ermittelt und scheinbar gibt es inzwischen Hinweise und deutlichere Indizien (oder Beweise?) für z. B. die Drohnen auf dem Flughafen Leipzig. Es dauert eben manchmal seine Zeit. Da sollte man also auch nicht einfach so pauschal behaupten, dass es keine Beweise gäbe. Am Ende wird es (hoffentlich) eine internationale Gerichtsverhandlung geben und das ist dann schon was anderes als das Beispiel Hexerei.

Ich verstehe nicht, was daran falsch sein soll, wenn der Ukraine bei ihrer Verteidigung geholfen wird? Natürlich gehören dazu auch gezielte Gegenattacken. Die BRD ist sozusagen auch im Verteidigungskrieg gegen Rußland (Stichwort Hybrider Krieg) nur wird das von der Politik (noch) nicht klar genug an die Bürger:innen vermittelt.

Im Übrigen zweifle ich eher an Infos aus Quellen oder Medien autoritärer Staaten, als von Demokratien, wo Informationen immer frei überprüfbar und kritisierbar sind.

5.) Die Regierung/Politik macht ihre Arbeit und teilt darüber mit, was sie für notwendig hält. Das muss man nicht glauben, nur richtig einordnen: die Opposition behauptet was Anderes als die Regierung, alle machen ständig Wahlkampf usw. Das Tatsächliche berichten vielmehr guter Journalismus und die Wissenschaft. Und daran hält sich "die Politik" der BRD leider viel zu wenig - aber auch viele Bürger:innen sind da auf Abwegen, meine ich...

Ich bin auch dagegen, vorschnell in schwarz oder weiß zu kategorisieren, aber: bei einem völkerrechtswidrigen Angriff auf ein anderes Land gibt's wenig Raum für Grautöne, oder?
Niemand will Krieg - aber Verteidigung muss möglich sein. Jeglicher naiver Pazifismus wird in dieser heutigen Welt einfach nur verlieren. Man schaue auf das Gewaltverbot im Christentum: das wurde von der Kirche NIE praktiziert, es passte nämlich einfach nicht zur Realität. Ha ha.

6.) Ich bin in keiner russischen Telegram-Gruppe und wie soll ich nun wiederum Ihre Aussage überprüfen? Jedenfalls ist Russland kein Land, in dem freie Meinungsäußerung, freie Presse und Kritik am Staat/System Putin möglich ist. Darauf wollte ich eigentlich hinaus. Dass die Russ:innen womöglich trotzdem ihre Wege zu kritischer Diskussion finden, ändert da rein gar nichts und ist kein Argument.

7.) Nun ja, die Gefahr besteht, sich in einem völligen Relativismus zu verlieren. Daher baue ich meinen Standpunkt dann doch lieber auf guten (freiem) Journalismus und Wissenschaft - weniger auf Äußerungen meiner Regierung, und schon gar nicht auf Fake-Infos aus den a-sozialen Netzwerken und youtube. Und erst Recht nicht auf Aussagen von Führern autokratischer Staaten oder von diesen gelenkten Medien.

Für mich sind es die sogenannten "westlichen Werte" wie Demokratie, Freiheit, Gleichheit, unabhängige Justiz, Teilhabe, Bildung, freie und unabhängige Medien usw., die extern von autokratischen Schurkenstaaten und intern durch Extremismen (wenig von links, aber viel von rechts und islamistisch) bedroht werden.

Wieso eigentlich für die USA? War es nicht so, dass die USA Selenskyi ausfliegen wollten? Die hatten ihren Stellvertreterkrieg offenbar nicht besonders sorgfältig geplant. Der wäre ja schon beendet gewesen, bevor er richtig angefangen hätte.

Also wenn schon, dann für die europäischen Demokratien, würde ich sagen, wenngleich mir "Stellvertreterkrieg" schon ein wenig arg inflationär und sinnentstellend verwendet wird. Ein Verteidigungskrieg ist immer noch ein Verteidigungskrieg. Um das zu einem Stellvertreterkrieg aufzuwerten, müsste da seitens der Amerikaner schon ein wenig mehr passieren. (wie z.B. in Vietnam)

Mark (nicht überprüft)

Do. 10 Sep 2026 - 12:55

Der Autor scheint zu glauben, sobald die AfD an der Regierung, dass in Sachsen Anhalt Chaos ausbricht. Allerdings ist auch wahrscheinlich, das die AfD einen guten Job macht und wiedergewählt wird. Diese Möglichkeit sollte auch in betracht gezogen. Gleichgültig ob man die AfD mag oder nicht.

Renton (nicht überprüft)

Fr. 11 Sep 2026 - 10:02

Was für ein schwacher, respektloser Kommentar über AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt. Weil die nicht wählen, wie gewünscht, werden ihnen psychische Probleme unterstellt und sie werden als politisch unvernünftig abgekanzelt.

Ich empfehle den ISAH-Saarland-Autoren, einmal darüber nachzudenken, inwiefern man den gleichen Kommentar über die Wähler aller anderen Parteien auch schreiben könnte - abhängig vom Standpunkt, den man einnimmt, gerade jetzt in Zeiten von Aufrüstung, Sozialabbau, wirtschaftlicher Dauerstagnation, Rechtsbeugung und Rekordschuldenmachen.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Di. 15 Sep 2026 - 10:08

Antwort auf von Renton (nicht überprüft)

Dieser Kommentar wirft letztlich eine Frage auf, die bei jeder Wahl gilt: Welche Verantwortung trägt der Wähler bei einer politischen Wahl? Wählt man einfach aus Frust, weil man mehr für sich und weniger für andere will? Oder vielleicht doch aus einer staatspolitisch verantwortlichen Position, die das Gemeinwohl im Auge hat? D. h. im Bewusstsein, mit seiner Stimme die Zukunft des Landes mitzubestimmen. Macht es also Sinn, offenkundig populistische Parteien (nicht nur die AfD) zu wählen, um "denen da oben" einen Denkzettel zu verpassen? Wissen viele Bürger nicht, dass sie damit nicht "die da oben" treffen, sondern ausschließlich sich selbst? "Die da oben" haben ihr Auskommen, ihre Villa, ihr Privatflugzeug, egal wie gewählt wird.

Gerade das Parteiprogramm der AfD ist auf Selbstbedienung "der da oben" ausgelegt. Und wo bedienen sich die "Oberen"? Bei denen da unten! Bei den Kälbern, die ihre Metzger selber wählten. Man mag den "Altparteien" vorwerfen was man will (da fällt mir eine Menge ein), aber eine gehörige Portion der aktuellen Probleme (ich klammere einmal die international entstandenen aus) basieren auch auf einem an sich unnötigen Kampf: Der Kampf gegen den rechtsnationalen Populismus! Wäre die AfD in Größenordnungen der NPD unterwegs, könnte man sie im politischen Zirkus ignorieren und sich mehr auf die Kernthemen unsere sehr schwierigen Zeit konzentrieren.

Hier haben sich also die AfD-Wähler einen Bärendienst erwiesen. Und die AfD schlachtet dies genüsslich aus: Weil sie dank der Wähler bedrohlich stark wird, machen die "Altparteien" Fehler, die die AfD für ihre eigenen Ziele nutzen, was ihnen wieder Zulauf bringt, da sie sich als "Opfer" der "bösen Altparteien" gerieren können. Ein Teufelskreis, der nur vom Wähler durchbrochen werden kann, indem er ausschließlich die Mitte wählt. Ob die etwas weiter rechts oder links steht oder etwas grüner ist, ist nebensächlich. Hauptsache nicht die radikalen Ränder. DAS ist die Verantwortung UND die Chance der Wähler. Und sie ermöglicht die Demokratie, die wir alle retten müssen, wenn uns etwas an unserem Land und der Welt liegt...

Initiative Säkularität, Aufklärung und Humanismus Saarland (ISAH Saarland)

Die vormalige Initiative Konfessionsfreier im Saarland (IKiS) entstand als informeller Kreis im Sommer 2025. Anlass war unter anderem die massive Einflussnahme kirchlicher und rechtskonservativer Kreise auf die Wahl einer Richterin für das Bundesverfassungsgericht. Anfang 2026 umfasste der Kreis etwa 30 Personen. Nach ersten Treffen im Frühjahr 2026 beschloss der Teilnehmerkreis sich dauerhaft zu organisieren. Die Gründungsversammlung als Verein fand am 10. August in Saarbrücken statt.

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