Warum der Rückhalt für die Energiewende bröckelt
Sorge ums Klima, Zweifel an der Politik
Extreme Wetterereignisse machen die Folgen der Erderwärmung immer deutlicher spürbar, doch die Akzeptanz für staatlichen Klimaschutz sinkt in Deutschland. Das aktuelle „Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation“ zeigt: Während die Klimakrise vielen Menschen Sorge bereitet, betrachten sie Klimaschutz-Maßnahmen dennoch mit Skepsis – aus Angst vor finanzieller Überlastung und fehlendem Vertrauen in die Politik.
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Hitze, Dürre, Waldbrände: Der Sommer 2026 zeigt, dass sich das Problem Klimakrise nicht mehr ignorieren lässt – daran ändert auch der Regen der letzten Tage nichts. Tatsächlich bereitet der Klimawandel 80 Prozent der Menschen in Deutschland Sorgen. 56 Prozent fordern weitere Maßnahmen in der Energie-, Verkehrs- und Wärmewende und 54 Prozent sind dafür, dass der Staat mehr Geld für den Klimaschutz ausgibt. Doch der Rückhalt für eine nachhaltige Klimapolitik schmilzt zusehends. So sprechen sich nur noch 60 Prozent der Befragten für eine Energiewende aus. 2021 waren es noch 69 Prozent, 2023 betrug der Anteil 65 Prozent. Gründe sind Sorgen vor Wohlstandseinbußen und ein schwindendes Vertrauen in die Politik.
Zu diesen Ergebnissen kommt das diesjährige „Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation“, ein Projekt der Bertelsmann Stiftung und des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit (RIFS) am Helmholtz-Zentrum für Geoforschung. Die Sorgen in Zahlen: 53 Prozent fürchten negative Auswirkungen des Klimaschutzes auf ihre persönliche Finanzlage. 39 Prozent äußern sich besorgt, dass die aktuelle Klimapolitik zu gesamtwirtschaftlichen Wohlstandsverlusten führt. Und 79 Prozent glauben, der Umstieg privater Haushalte auf klimafreundliche Technologien sei ohne staatliche Unterstützung finanziell nicht zu stemmen.
Das zeigt sich auch bei konkreten Maßnahmen. Von denjenigen, die klimaneutrale Heizsysteme wie Wärmepumpen ablehnen, nennen 41 Prozent finanzielle Gründe, bei der energetischen Gebäudesanierung sind es 52 Prozent. Zudem sehen 26 Prozent für sich keine Möglichkeit, auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel umzusteigen.
Trotz dieser Sorgen betrachten die meisten Befragten Ökonomie und Ökologie nicht als Gegensatz. 52 Prozent sehen Klimaschutz und Wirtschaftswachstum als gleichrangige Ziele. 44 Prozent sehen Klimaschutzinvestitionen als Chance für die Wirtschaft – nur 23 Prozent verneinen dies.
Schlechte Noten stellen die Befragten allerdings der Politik und ihrer Kommunikation mit den Bürgern aus. Mehr als die Hälfte, 56 Prozent, empfinden die Politik zur Energiewende als unverständlich, 63 Prozent bezeichnen sie als bürgerfern. 55 Prozent haben kein Vertrauen, dass die Bundesregierung beim nachhaltigen Wandel im Interesse der Allgemeinheit handelt.
So zeigt sich ausgerechnet bei einem Vorzeigeprojekt der Bundesregierung, dem „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“, ein deutliches Informationsdefizit: Nicht weniger als 85 Prozent der Befragten fühlen sich darüber schlecht informiert.
Doch gerade bei solchen komplexen Vorhaben komme es nicht nur darauf an, Ziele und Maßnahmen nachvollziehbar zu vermitteln, sagt Luisa Schulze Marquarding von der Bertelsmann Stiftung, Mitautorin der Studie. „Entscheidend ist vielmehr das Vertrauen darin, dass die bereitgestellten Mittel transparent, zweckgerecht und wirksam eingesetzt werden. Verlässlichkeit und Nachvollziehbarkeit bilden hierfür die entscheidende Grundlage.“
Die gute Nachricht: Trotz der zunehmenden Skepsis stellt die Studie keine Abwehrhaltung in der Bevölkerung fest. Der Großteil der Menschen ist bereit für Veränderungen, wenn Rahmenbedingungen und Beteiligung stimmen: So unterstützen 78 Prozent der Befragten einen höheren Anteil erneuerbarer Energien im Stromnetz, und die Mehrheit ist für einen Ausbau von Windkraftanlagen. Von den Windkraft-Gegnern sagt ein Drittel, sie würden den Widerstand vielleicht aufgeben, wenn sie finanziell am Ertrag beteiligt wären. Und 59 Prozent bejahen ausdrücklich, dass jetzt in Klimaschutz investiert werden muss, um langfristige Kostensteigerungen zu vermeiden.
Für das „Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation“ werden im Rahmen einer Panelstudie wiederholt dieselben Personen zu ihren Einstellungen und Erwartungen hinsichtlich des nachhaltigen Wandels befragt. Die diesjährige, vom Meinungsforschungsinstitut forsa durchgeführte Befragung, umfasste 6.566 Erwachsene und erfolgte online im März und April 2026.
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