Kirchen und Landesregierung für Kooperation

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MP Sellering. Kollage: F. Lorenz

GREIFSWALD. (hpd) Die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern und die Kirchen wollen zukünftig stärker zusammenarbeiten. Bei einem Seminar für Kirchlichen Dienst in Greifswald erörterten Kirchenvertreter und Ministerpräsident Erwin Sellering am Montagabend die Entwicklung des ländlichen Raumes des Flächenlandes, Werte- und Bildungsfragen, die Zusammenarbeit von Kirche und Schule sowie das Thema Rechtsextremismus.

Ministerpräsident Erwin Sellering dankte den Vertretern der beiden evangelischen Landeskirchen für ihre Arbeit. "Sie sind wichtig für unser Land. Ihre Arbeit ist in vielen sozialen Bereichen unverzichtbar. Und sie stehen für die Vermittlung von Werten, die wir für unser Zusammenleben brauchen."

Das große Thema für die Arbeit ist die Bevölkerungsentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern, so Landesbischof Andreas von Maltzahn. Er sieht großen Gestaltungsbedarf für die zukünftigen Jahre und berichtete von herausfordernden Erfahrungen kirchlicher Initiativen in sozialen Brennpunkten. Die kirchliche Präsenz in weniger dicht besiedelten Regionen solle zukünftig weiterhin erhalten bleiben.

Beide Seiten sprachen sich für eine verstärkte Zusammenarbeit im Bildungsbereich aus. So soll eine "mittelfristige Verlässlichkeit" des Einsatzes von kirchlichen Mitarbeitern in den Schulen erreicht werden. "Wir müssen zu langfristigeren Verträgen kommen", so Bildungsminister Henry Tesch.

Kirchen und Bildungsplanung

Die Kirchen seien bereit, sich stärker als bisher an der weiteren Ausgestaltung der Bildungsplanung zu beteiligen, sagte der Schweriner Oberkirchenrat Dr. Jürgen Danielowski. Er regte einen "Basiskurs Religion" für alle Erzieherinnen und Erzieher an. Das solle als Beitrag zur Wertevermittlung in den Bildungseinrichtungen dienen.

Ministerpräsident Sellering betonte außerdem, die Bekämpfung des Rechtsextremismus sei nach wie vor eine drängende Aufgabe. Es sei gut und wichtig, dass auch die Kirchen sich weiter engagierten. Sellering weiter: "Mit den Regionalzentren für demokratische Kultur haben wir geeignete Einrichtungen geschaffen, die die Arbeit vor Ort unterstützen."

Der evangelikale Bischof Hans-Jürgen Abromeit versuchte außerdem, die Regierungsvertreter an die gemeinsame Verantwortung im Bildungsbereich zu erinnern. Er meinte, die geistigen Grundlagen allgemeiner, freier und gleicher Bildung lägen im jüdisch-christlichen Menschenbild.

Von vergleichbaren Äußerungen anderer Regierungs- und Kirchenvertreter in Deutschland hatte sich der Zentralrat der Juden in Deutschland bereits im letzten Dezember mit klaren Worten distanziert.

Auch der amtierende HVD-Präsident Frieder Otto Wolf äußerte sich damals zu dementsprechenden Umdeutungen der Wirklichkeit. Wer solche Ansichten von Kirchenvertretern kritisch hinterfrage, so Wolf Ende letzten Jahres, könne „schnell zu der Erkenntnis gelangen, dass es noch weitere identitätsstiftende Traditionen gibt, auf die Deutschland sich berufen kann.“

Hier sei vor allem die Aufklärung zu nennen, der die europäische Gesellschaft nicht zuletzt die Grundgedanken von Selbstbestimmung und Toleranz, von unteilbaren Menschenrechten verdanken, sagte Wolf und verwies auf die traditionelle Rolle der Kirchen im Umgang mit Vordenkern der europäischen Kultur.

Arik Platzek