Sponsor-Link

Galerie 23.04.2012 · Nr. 13269

„Wer sich nicht zeigt, wird nicht gesehen“

BERLIN. (hpd) Seit dem Wochenende gibt es ein in Deutschland bislang einzigartiges Projekt im Netz zu sehen. Hunderte von Humanisten und Atheisten zeigt das Portal „Who is Hu“, für das eine Berliner Fotografin sechs Jahre lang Menschen mit einer säkularen Weltanschauung porträtierte, die sagen: Wer Wissenschaft, Philosophie und Kunst besitzt, braucht keine Religion.

„Es ist das erste Portal, das wirklich umfassend ist“, meinte Evelin Frerk zum Start der Galerie. Für die Teilnahme an dem Projekt war die Mitgliedschaft in einem der säkularen Vereine nicht wichtig. Über ihre Motive sagt sie: „Mich hat einfach brennend interessiert: Wer bin ich als Humanistin? Wo gibt es andere Menschen wie mich? Und was denken Menschen, mit denen ich Ansichten und Standpunkte teile, die aber doch alle so unterschiedlich sind?“

Prominente Vertreter von Humanismus und Atheismus sind zwar regelmäßig öffentlich zu sehen und zu hören, so Evelin Frerk. Menschen wie Richard Dawkins, Karlheinz Deschner, Peter Singer, James Randi, Ingrid Matthäus-Maier oder der atheistische Schuhmacher David Bonney finden sich daher in der Galerie von „Who is Hu“. „Doch genauso wie gegenüber einer scheinbaren Überzahl von Anhängern der Religion in unserer Gesellschaft all die nicht gehört werden, die nichts sagen, habe ich hier gedacht: Wer sich nicht zeigt, wird nicht gesehen.“ Das ist der Gedanke hinter dem Projekt, so Frerk.

Die Veränderungen, die durch den Einsatz für eine säkulare und humanistische Welt entstehen, werden von viel mehr Menschen als nur den wenigen populären Persönlichkeiten getragen. Als professionelle Fotografin ergriff Evelin Frerk deshalb die Chance: „Ich kann fotografieren, also habe ich einfach angefangen.“ Das war im März 2006. „Mir war auch nicht wichtig, ob und wo jemand organisiert ist. Aus meiner Sicht zählte, dass die Menschen aneinander interessiert sind.“

Fast 350 Menschen mit ihren Porträts sind nach dem Start von „Who is Hu“ bereits online zu betrachten. Neben den Fotografien lud sie die Teilnehmer auch ein, mehr von sich und den eigenen Gedanken zu erzählen. So gibt es neben den Bildern auch eine Menge von Wissenswertem zu entdecken, die einiges über Hintergründe oder die Vorstellungen der Teilnehmer verraten.

Das Mitmachen ist einfach, die Teilnahme an „Who is Hu“ kostet nichts und ist freiwillig. Frerk: „Wer dabei sein möchte, muss nur versichern, eine säkular-humanistische Weltanschauung zu haben. Ob sie oder er dann mehr über Details dazu verraten möchte, bleibt eine Option, ist aber keine Pflicht.“

Übrigens: Frauen sind derzeit deutlich unterrepräsentiert. Evelin Frerk ist sicher, in Zukunft noch mehr Humanistinnen und Atheistinnen vor die Kamera zu bekommen: „Ganz großartig“ wäre es, wenn es ihr etwa gelänge, unter anderem den beiden Menschenrechtlerinnen Maryam Namazie und Ayaan Hirsi Ali zu begegnen: „Das könnte ein toller Anreiz für andere Frauen werden, sich auch für die von den bisher gezeigten Menschen vertretenen Ideen und Gedanken zu interessieren. Außerdem wünsche ich mir, dass wir noch mehr junge Menschen zeigen können und auch solche, die durch ihre Familie  zum Verbleib in einer religiösen Gemeinschaft gezwungen worden sind.“

Die Gründerin des ambitionierten Projekts denkt, langfristig mit der Idee und ihrem Anliegen nachhaltiges Interesse zu finden. Denn in der Erstellung und dem Aufbau des Portals zur Veröffentlichung der Bilder steckt nicht zuletzt eine „Heidenarbeit“. Darum sucht sie auch Menschen, Stiftungen oder Vereine, die das Projekt fördern und „Who is Who“ der Humanisten dauerhaften Halt in der Netzwelt geben können. „Gegenwärtig“, meint sie mit Verweis auf den Untertitel von „Who is Hu“, „ist ein Begriff, der hier in die Zukunft weist. Es wäre nicht nur schön, sondern aus meiner Sicht wichtig, wenn wir diesen vielen Gesichtern des Humanismus und ihren Ideen auf diesem Weg eine Perspektive verschaffen können.“

Evelin Frerk sagt, dass die hinter den Menschen bei „Who is Hu“ stehenden Gedanken auch in andere Länder ausstrahlen. Erste Schritte, das Galerieportal mehrsprachig zu machen, gibt es bereits. Eine französische und polnische Übersetzung liegt vor. „Vielleicht haben auch andere Lust, an diesem Projekt mitzumachen.“

Trotz des bislang enormen Umfangs der Galerie von Humanisten und Atheisten bleibt Abwechslung für vermutlich noch lange Zeit garantiert. Denn neben den jetzt schon gezeigten Bildern sind viele weitere Porträts bereits fertiggestellt, und werden „Who is Hu“ in den kommenden Wochen und Monaten ergänzen. Damit sich Besucherinnen und Besucher der innovativen Galerie in Zukunft auf dem Laufenden halten können, wurde unter anderem eine Seite bei Facebook eingerichtet.

Arik Platzek