Etwas weniger Austritte 2025 in Österreich

Wie seit einigen Jahren üblich hat im September 2026 auch die römisch-katholische Kirche Österreichs ihre Statistiken fürs Vorjahr publiziert. Sie zeigen einen Rückgang bei den Austritten, aber sonst nicht viele gute Nachrichten für diese Kirche. Bereits seit Februar sind die Vorjahreszahlen aus den wesentlich kleineren evangelischen Kirchen bekannt.

Stephansdom
Blick auf den Stephansdom in Wien

Ende 2025 lebten noch 4.488.101 römisch-katholische Menschen in Österreich. Das entsprach einem Bevölkerungsanteil von 48,7 Prozent. Eine simple Hochrechnung der Entwicklung der letzten Jahre ergibt ungefähr 48,1 Prozent aktuellen Bevölkerungsanteil.

Die Anzahl der Austritte ging auf 66.930 zurück. Dies ist eine Austrittsrate von 1,46 Prozent; wegen der schrumpfenden Basis ist der Vergleich absoluter Zahlen weniger aussagekräftig als die Betrachtung der Austrittsrate. Und diese Rate ist immer noch höher als alles, was in den 2010er Jahren gemessen wurde.

Der absolute Rückgang beträgt 69.370 Mitglieder. Dies entspricht einer Abgangsrate von 1,52 Prozent; vor 2020 gab es nie einen so hohen Wert, der bisherige Rekord ist 1,99 Prozent im Jahr 2023. Neben den Austritten (die durch Wiedereintritte verringert werden) sind Bewegungen zwischen Österreich und dem Ausland und vor allem die Differenz zwischen Taufen und Todesfällen katholischer Menschen relevant. Diese Differenz war 2025 mit 12.736 besonders hoch: Nur im Corona-Pandemiejahr 2020 war er höher.

Austrittsrate
Schaubild 1: Austritts- und Abgangsrate aus der römisch-katholischen Kirche Österreichs, negativ dargestellt.

Negativer Rekord bei Säuglingstaufen 

Da die Kirche in ihren Statistiken auch die Altersgruppe der getauften Personen anführt, lässt sich feststellen, dass die Anzahl der im ersten Lebensjahr getauften Kinder einen historischen Negativrekord erreicht hat. Der Wert ist mit 26.031 sogar niedriger als im Pandemiejahr 2020 (damals 26.564). Das sind nur mehr 34,2 Prozent der Geburten des Jahres 2025 in Österreich: Die Erklärung mit „Demografie“, auf die die Kirche gerne zurückgreift, ist eine transparente Ausrede, da der Anteil an den Geburten auch sinkt. 

Der Trend zeigt eine langsame Verschiebung der Taufen auf einen späteren Zeitpunkt. Die Gesamtanzahl der Taufen war mit 35.259 „nur“ der zweitniedrigste Wert hinter 2020, hauptsächlich durch die höhere Anzahl der Taufen älterer Kinder.

Taufen
Schaubild 2: Römisch-katholische Taufen in Österreich nach Alter

Seit einigen Jahren liegt ein besonderer Fokus auf den „Erwachsenentaufen“, auf die die römisch-katholische Kirche eine Hoffnung auf „spirituelle Erneuerung“ aufbaut. Die 359 Taufen von Personen ab 14 Jahren sind gegenüber 2024 eine Steigerung, aber selbst 2020 in der Pandemie gab es noch mehr Erwachsenentaufen. Der Höchstwert ist bisher 890 im Jahr 2017. Hier gibt es also Schwankungen auf einem niedrigen Niveau, aber keine neuen Rekorde. (Die Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland hat jüngst eine Analyse zu den wesentlich stärker gestiegenen Erwachsenentaufen in Frankreich publiziert, die mit der falschen Erwartung einer katholischen Erneuerung gründlich aufräumt.)

Andere Zahlen fallen auch…

Die Gottesdienstbesuche fielen in der Pandemie klarerweise auf historische Tiefstwerte, erholten sich aber bis 2024 schrittweise wieder, auch wenn sie den Wert aus 2019 nie mehr erreicht haben. Diese Entwicklung hat sich 2025 auch nicht mehr fortgesetzt, die absoluten Zahlen nahmen gegenüber 2024 minimal ab. Das ist nicht sehr überraschend, da auch die Zahl der Priester um 2,7 Prozent auf 3.321 und die Anzahl der Pfarren um 7,2 Prozent auf 2.681 zurückging.

Die Anzahl der kirchlichen Trauungen fiel auf 6.678, das sind nur 14,7 Prozent aller Eheschließungen in Österreich. Nur in der Pandemie (2020 und 2021) gab es weniger kirchliche Trauungen. Dies und der niedrige Anteil der getauften Neugeborenen zeigt deutlich den Rückgang des Interesses an katholischen Ritualen bei jungen Erwachsenen.

…aber nicht die Einnahmen

Doch selbst die fallende Anzahl von Mitgliedern kann die Entwicklung der steigenden Einnahmen aus dem Kirchenbeitrag nicht aufhalten. In Österreich ist die Kirche für das Eintreiben der Forderung zuständig, es handelt sich nicht um eine Steuer. Die Einnahmen aus dem Kirchenbeitrag stiegen um 2,4 Prozent auf 552 Millionen Euro, das ist etwas unter der Inflationsrate. (Der Verbraucherpreisindex im Jahr 2025 lag laut Statistik Austria bei 3,6 %.)

Ebenfalls gestiegen ist die staatliche Zahlung an die römisch-katholische Kirche, und zwar auf 67,2 Millionen Euro. Diesen Posten weist die Kirche in ihren Berichten als „staatliche Wiedergutmachung für NS-Schäden“ aus; dieser Schaden wird seit 1960 mit ständig steigenden Beträgen „wiedergutgemacht“, weder der eigentliche Schaden noch der Grad der „Wiedergutmachung“ wurden jemals beziffert. Nach heutigem Wert wurden seither 4,7 Milliarden Euro unter diesem Titel an die römisch-katholische Kirche gezahlt, ein Ende ist nicht abzusehen.

Evangelische Kirchen 

Die evangelischen Kirchen in Österreich sind jene nach Augsburger sowie Helvetischem Bekenntnis und die evangelisch-methodistische Kirche. Zusammen kommen sie auf 241.928 Mitglieder, das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 2,6 Prozent. Auch die Austritte aus diesen Kirchen fielen zwischen dem Rekordjahr 2024 (6.753 Austritte) und 2025 auf 6.148.

Mit 3,1 Prozent war die Abgangsrate jedoch die höchste jemals gemessene; sie ist doppelt so hoch wie die Abgangsrate aus der römisch-katholischen Kirche. Die evangelischen Taufen haben mit 1.593 einen Negativrekord aufgestellt, dies ist sogar weniger als im ersten Corona-Jahr 2020.

Konfessionsfreie und andere Religionsgesellschaften

Nur die beiden genannten Kirchen publizieren regelmäßige Zahlen zu ihren Mitgliedern.

Für die zweitgrößte Religionsgesellschaft, die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) gibt es nur eine veraltete Erhebung (2021: 745.600, 8,3 % der Bevölkerung), die Zahl dürfte mittlerweile auf circa 806.000 gestiegen sein, das entspräche 8,7 Prozent der Menschen in Österreich.

Die orthodoxen Kirchen haben mit etwa 450.000 Menschen zusammen deutlich mehr Mitglieder als die evangelischen Kirchen. Hier gibt es keine Anhaltspunkte, um ein Wachstum anzunehmen: Wie die beiden anderen „Großkirchen“ verlieren sie wohl jedes Jahr einige Prozent der Mitglieder, die aber eventuell durch Migration kompensiert werden.

Andere christliche Konfessionen dürften auf bis zu 120.000 und die nicht-christlichen Religionen auf insgesamt bis zu 50.000 Menschen kommen. Das ergibt einen konfessionsfreien Anteil von etwa 33,9 Prozent.

Konfessionen
Schaubild 3: Verlauf der Konfessionsgebundenen und der Konfessionsfreien in Österreich

Mehr als 550.000 Austritte seit 2020

Seit September 2025 hat Österreich ein Informationsfreiheitsgesetz, das die Ermittlung von Austrittszahlen während des Jahres ermöglicht. Die Religionsaustritte finden bei den Bezirksbehörden statt. An diese hat Statistiken über Konfessionen und Konfessionsfreie im Herbst 2025 und im Sommer 2026 Anfragen geschickt, um die Zahlen der vergangenen Jahre zu erhalten. Die meisten Behörden waren kooperativ; einige haben sich 2025 geweigert, die Zahlen zu schicken, lieferten sie aber 2026 anstandslos.

In den meisten Fällen werden die Zahlen in „römisch-katholisch“, „evangelisch“ und „andere“ aufgeteilt geliefert. Manchmal gibt es jedoch nur eine Gesamtzahl, und bei besonders kompetenten sogar noch mehr Details wie „islamisch“, „orthodox“ und so weiter.

Die Hochrechnung der Zahlen im Jahr 2025 hat bereits den Rückgang bei evangelisch und katholisch vermuten lassen. Wegen der fehlenden oder nicht aufgeschlüsselten Daten ist die Prognose der Gesamtzahl schwierig, aber der direkte Vergleich der gleichen Region zwischen den Jahren ist möglich. Für 2026 ist mit einem Anstieg gegenüber 2025 zu rechnen: Bei der katholischen Kirche um wenige Prozent, bei den evangelischen Bekenntnissen ziemlich deutlich.

Die geografische Analyse der Austritte zeigt, dass sie verglichen mit der Bevölkerung eher in ländlichen Gebieten hoch sind. Jene, die austreten wollten, sind ja in den Städten bereits ausgetreten, das Potenzial dafür wird dort immer kleiner. Die Zwei-Millionen-Stadt Wien hat bereits weniger Austritte als Niederösterreich (1,7 Mio. Einwohner:innen) und Oberösterreich (1,5 Mio.).

Fazit

Die Selbstsäkularisierung geht in Österreich weiter. Der Anteil der Konfessionsfreien liegt bei mehr als einem Drittel; 2027 wird der kombinierte Bevölkerungsanteil aus den historischen Großkirchen katholisch und evangelisch unter 50 Prozent fallen. Um 2032 herum werden die Konfessionsfreien die Katholik:innen als größte Gruppe überholen. Diese Entwicklungen kommen jedoch in der Politik und in den Medien kaum an, säkulare Themen werden nicht diskutiert und Verbesserungen der Situation der zukünftigen Mehrheit sind nicht erkennbar.

Alle angeführten Diagramme und die zugrundeliegenden Daten sind auf der Website Statistiken über Konfessionen und Konfessionsfreie abrufbar.
Unterstützen Sie uns auf Steady!

Mehr lesen über:

Verwandte Artikel