Da bin ich völlig bei Ihnen und habe es 20 Jahre in meiner beruflichen Laufbahn (Justiz) tagtäglich miterleben müssen. Gegen den zivilen, aufgeklärten Wertekanon der Demokratien ist auch nichts einzuwenden, solange diese an einer Stelle wachsam bleiben - bei der Aushebelung von verfassungsmäßig garantierten Grundrechten und -freiheiten, im weiteren Sinne den europäischen Verfassungen.
Insofern bin ich dann auch Verfechterin der aktiven, wehrhaften Demokratien, für die die einmal erreichten, verbindlichen Verfassungen nicht verhandelbar sind. Toleranz endet dort, wo in Grundrechte und -freiheiten eingegriffen wird. An dieser Stelle haben Demokratien deutlich für sich einzutreten und entsprechende Grenzen zu ziehen. In den letzten ca. 35 Jahren haben wir gerade in den westeuropäischen Gesellschaften so viel Toleranz und grenzenlose Naivität erlebt, die die Etablierung anderer, paralleler Rechtsordnungen inmitten Europas erst möglich gemacht haben. Automatische Anpassungen an Werteordnungen erfolgen in keiner Weise automatisch, was sich aus der Geschichte ableiten lässt. Die Anpassungen müssen selbstredend gesteuert, aktiv eingefordert und immer wieder nachjustiert werden.