Finde die Ansichten vom "Feministischen Bündnis Heidelberg" etwas schwierig. Bei dem Interview sind viele Vorschläge dabei, die ich unterstützenswert finde, wie zB Sexualkunde in der Schule. Andererseits sind mir viele Behauptungen zu platt, mir fehlen Belege oder sie sind falsch. Beispiele:
- Für die Behauptung "dass sich Pornos, in denen Frauen erniedrigt, beschimpft, verletzt oder gedemütigt werden, am besten verkaufen." finde ich (nach zugegebenermaßen nur kurzen Suche) keine Belege. Dass es umgekehrt in der Pop Kultur schon länger die Rolle der "Domina" gibt und natürlich auch massenhaft entsprechende Pornos, in denen Männer entsprechend den devoten Part einnehmen, wird geflissentlich verschwiegen.
- Auch sehe ich keine Belege dafür, dass Kinder und Jugendliche "vom Bildungswesen allein gelassen" werden. Hier wird schon einiges getan, aber die Eltern drücken ihren Kindern halt schon im Kindergarten die Smartphones ohne Beschränkung in die Hand.
- Es wird pauschalisierend behauptet, dass "Misogynie – als erotisch wahrgenommen wird". Ich glaube, dass das für die meisten Männer nicht zutrifft.
- Wann gesagt wird, "dass uns kein Pornoprodukt bekannt ist, das Sexualität wirklich emanzipatorisch darstellt", dann haben sie wirklich nicht sehr lange gesucht. Es gibt durchaus solche Produktionen. Auch mit Regisseurinnen und Darstellern, die auch im echten Leben ein Paar sind.
Also die Zustände sind (zumindest in Deutschland) zwar nicht ideal, aber nicht so schlimm wie dargestellt und sie bessern sich auch immer mehr. Zum Teil habe ich in dem Interview manchmal sogar den Eindruck, dass hier schon fast ein Strohmann aufgebaut oder zumindest ein gigantischer Gegner aufgeblasen wird. Nur dass der Gegner nur deswegen so groß wirkt, weil die Mitte der Gesellschaft halt gar nicht betrachtet wird, die immer mehr in Richtung Gleichberechtigung geht. Gegen Ende hin ist mir dann unklar, ob der "Feministische Bund" jetzt eigentlich nur gegen den "patriarchalischen Kapitalismus" oder gegen den Kapitalismus an sich ist. Und da geht es mir dann doch in eine Richtung, die ich auch nicht einschlagen möchte.