Michael Murauer (nicht überprüft)

Mo. 18 Mai 2026 - 14:32

Antwort auf von Claus Schröder (nicht überprüft)

Ich danke Herrn Schröder für seine differenzierte Kritik. Es wäre schön, wenn wir uns hier im hpd öfter mit diesem Anspruch streiten würden.
Ja, das Goethe-Zitat ist eine „Aneignung“ bei der ästhetische Kritik auf allgemein weltanschauliche übertragen wird. Ich stehe, insbesondere für den beabsichtigten provokativen Zusammenhang, zu diesem Vorgehen, da christliche Motive heutzutage vielfach ähnlich wie etwa Stilmöbel eine Art kulturelle Nostalgie darstellen, auf die Goethes ursprünglich ästhetische Kritik eben auch sehr gut paßt.
Habermas hat in vielen bioethischen Fragen (eine Detaildiskussion überschreitet diesen Rahmen) religiösen Argumenten ein säkulares Gewand angezogen. Seine Argumentation überzeugt aber oft nur, wenn man die ursprüngliche theologische Argumentation immer noch stillschweigend mitdenkt, eine überzeugende säkulare Interessensabwägung sucht man vergeblich. Habermas ist ein philosophischer Protagonist der deutschen, stark theologisch beeinflußten gesetzgeberischen Bevormundung in vielen bioethischen Fragen, wie sie von Dieter Birnbacher immer wieder (so unlängst in „Aufklärung und Kritik“), auch hinsichtlich des dabei in der politischen Auseinandersetzung entstandenen inkonsequenten Stückwerks, kritisiert wurde.
Ich bestreite auch nicht, daß man die säkularen Antworten auf Tod, Schuld, Verlassenheit, Endlichkeit unbefriedigend finden kann. Dies ist sicherlich einer der Gründe, warum sich die Menschen selbst in ostdeutschen Großstädten, wo die Kirchenmitgliedschaft teils nur mehr wenig über 10 Prozent liegt, bei katastrophalen Ereignissen noch zum Gedenken in den großen Kirchen versammeln. Nur sind die säkularen Antworten, auch wenn sie zum Teil weit weniger tröstlich sein mögen, eben realistisch und nicht illusionär.

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