Christian Walther (nicht überprüft)

Di. 19 Mai 2026 - 10:15

Antwort auf von Claus Schröder (nicht überprüft)

Natürlich sollte man sich beim Zitieren stets vergewissern, ob man wirklich das Richtige verwendet. Insofern ist die Kritik von Herrn Schröder berechtigt, doch ist die Einstufung der Fehler als Beweis für „unehrlich“ dann doch etwas problematisch. Zu den Passionen: Hier müsste man doch sehen, dass die zentrale Botschaft lautet: „Christus ist auch für dich am Kreuz gestorben“. Aber viele „Kulturchristen“ dürften das wohl ignorieren, - auch die ganze, unselige Theorie der „Sünde“. Goethe war die Symbolik des Kreuzes schlicht zuwider, aber bei ihm muss man nur lange genug suchen, dann findet man auch wieder deutlich positivere Positionierungen zum Christentum. 

Zu Herrn Habermas nur soviel: Wer sich seinerzeit mit dem Diskurs Habermas-Ratzinger beschäftigt hat, der wird mir zustimmen, dass Habermas keine inhaltliche Gegenpositionen zur Offenbarungsreligion im Sinn hatte. Nicht zuletzt dies hat ihm wohl eine fast staatstragende Bedeutung bei so manchen Journalist:innen verschafft, - nun ja.

Der Vorwurf von Herrn Murauer an viele Kulturchristen:innen ist, dass sie mit der nicht ganz ehrlichen Zustimmung zu den durch Kunst vermittelten religiösen Inhalten es sich leicht machen und nicht drüber nachdenken, was eine vernünftige Alternative zu religiösen Auffassungen sein könnte. Dabei muss man aber erst einmal zugeben wollen, dass es keine echten, geistigen Antworten auf Fragen wie die von Herrn Schröder formulierten - Tod, Schuld, Verlassenheit, Endlichkeit - geben kann. Der Mensch muss sich letztlich ins Unvermeidliche fügen; die antike philosophische Haltung der Stoa, es möglichst in Ruhe hinzunehmen, hat insofern nichts an Aktualität verloren. Christliche Verheißungen bedeuten hingegen nur, dass man sich etwas vormacht. Was allerdings dem Menschen möglich ist: die tätige Solidarität mit denen, die es in seinem Umfeld hart getroffen hat. Die Ausdehnung der helfenden Solidarität im globalen Maßstab bleibt allerdings unerreichbar - auch das gehört zu dem, womit wir umzugehen haben. 

Christian Walther, Marburg

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