Ich glaube, hier liegt ein grundlegendes Missverständnis darüber vor, was Kennedy in Samoa und jetzt erneut tun wollte. Es geht nicht um „mehr Daten“ oder „bessere Analyse“, sondern um etwas, das seit dem Nürnberger Kodex eindeutig ausgeschlossen ist: Menschenversuche ohne rechtfertigende und ethische Basis.
Kennedy wollte ungeimpfte Kinder mitten in einer tödlichen Masernepidemie als „Kontrollgruppe“ belassen, um zu prüfen, ob sie „gesünder“ seien. Das ist kein wissenschaftliches Vorgehen, sondern ein ideologisch motivierter Versuch, eine vorgefasste Überzeugung zu bestätigen. Die Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit von Impfungen ist überwältigend – es gibt hier nichts zu erforschen, und schon gar nicht an erkrankenden Kindern.
Der Präsident von Samoa hat Kennedy damals nicht ohne Grund des Landes verwiesen. Und aktuell zeigt sich erneut, wie tief unethisch dieser Ansatz ist: Edzard Ernst hat gerade beschrieben, dass Kennedy ein weiteres „Trial“ dieser Art propagiert – wiederum mit dem Ziel, ungeimpfte Kinder als Kontrollgruppe zu instrumentalisieren. Das ist kein Forschungsprojekt, sondern ein Verstoß gegen jede medizinische Ethik und gegen die Grundprinzipien des Schutzes von Kindern in der Medizin.
https://edzardernst.com/2026/10/deeply-unethical-vaccine-trial-touted-by-rfk-jr-might-go-ahead/
Die entscheidende Frage ist also nicht, ob Kennedy „widerlegt“ würde. Menschen mit einem geschlossenen Weltbild lassen sich durch Daten nicht widerlegen; sie nutzen Daten nur selektiv, um ihre Überzeugung zu stützen. Die Frage ist, ob man erkennt, dass sein Vorgehen selbst zutiefst unethisch ist. Eine Epidemie ist kein Experimentierfeld, und Kinder sind keine Kontrollgruppe. Und Wissenschaft ist kein neutrales Datensammeln um jeden Preis.