Simone Guski

Die Autorin ist gelernte Philosophin, arbeitete viele Jahre lang als Kulturjournalistin mit dem Schwerpunkt Kunst im In- und Ausland für Tageszeitungen und Magazine. Sie war langjährige Kulturberichterstatterin für DIE WELT in Madrid und unterrichtete später philosophische Anthropologie und Ästhetik an der Universidad de la Comunicación in Mexiko-City. Schließlich spezialisierte sie sich journalistisch auf die Themen Anthropologie, Primatologie und Tierrechte.

Artikel der Autorin

"Elegie für balancierende Elefanten"

Sechseinhalb Jahre schrieb Mikael Vogel an seinem jüngsten Gedichtband "Dodos auf der Flucht", dessen Protagonisten Tiere sind, die es nicht mehr gibt. Diesen immensen imaginären Raum voller Abwesenheiten entdeckte er über die Paläontologie. Andere der Verschwundenen sind Opfer menschlicher Gier oder Achtlosigkeit.

Nebelkrähe (Corvus cornix)

Die Weisheit der Krähen

Vor zwei Jahren erschien mit "Krähengekrächz" aus der Feder von Monika Maron eine Recherche und Essay in einem über den schlauen schwarzen Unglücksvogel, die Rabenkrähe; vor allem aber schrieb die Autorin mit dem schmalen Bändchen damals eine Vorstudie zu einem Roman, in dem dieses unerschrockene und doch geheimnisvolle Tier eine Rolle spielen sollte. Mit "Munin oder Chaos im Kopf" ist dieser nun erschienen.

Sie wurzeln im All

Anthropozän war gestern, eigentlich müsste man zuerst vom Phytozän sprechen, machen die Pflanzen doch die Welt erst zu einer und einer für alles weitere Leben bewohnbaren. Sie wirken ohne zu handeln, sind offen schlechthin und verbinden durch die von ihnen geschaffene Atmosphäre alles mit allem. Grenzenlosigkeit und Inklusion statt Exklusion – die Pflanzen leben es uns vor. Emanuele Coccia entwickelt eine Philosophie der Pflanzen.

Wachsame Fische

Nahe den Steinkorallen sind die in Gruppen lebenden Zitronen-Demoisellen, eine Art Riffbarsche, am sichersten vor Prädatoren. Doch die Älteren entfernen sich auf der Futtersuche weit von der Deckung. So nehmen sie Gefahren zuerst wahr. Mit ihrem Rückzug alarmieren sie die Jungen, die sich so schnell in Sicherheit bringen können. Sebastian Ferse, Riffökologe vom Marinen Zentrum für Tropenforschung in Bremen, sieht darin biologischen Altruismus.

Liebe im Schlachthof

Die neue Kollegin für Qualitätskontrolle und der Finanzdirektor des Schlachthofs träumen Nacht für Nacht denselben Traum. Er träumt, ein Hirsch zu sein, sie eine Hirschkuh. Hirsch und Hindin berühren im verschneiten Wald sanft ihre Schnauzen. Doch die Menschenkörper haben in jenem heißen Sommer ihre Not, zueinander zu finden, in Ildiko Enyedis 2017 Berlinale-preisgekröntem Film "Körper und Seele", der jetzt als DVD herauskam.

Freiheit – die Macht eines Gefühls

Am 11. April 1967 hielt Hannah Arendt in Chicago einen Vortrag unter dem Titel "Revolution und Freiheit". Im Sommer 2017 stellte Arendts Assistent Jerome Kohn einen Text unter dem Titel "Die Freiheit, frei zu sein" aus ihrem Nachlass ins Netz. Er fand ihn ohne Titel und Hinweis auf Entstehungszeit und Verwendung. Das Manuskript dürfte aber in jener Zeit entstanden sein. Nun erscheint es fast zeitgleich in Amerika und in Deutschland in Buchform.

Ansammlung von Habichtfalken

Gibt es Feuervögel wirklich?

Ganze Scharen von Raubvögeln werden immer wieder entlang der Feuerfront der Buschbrände Australiens beobachtet. Fast wie bei uns die Saatkrähen, wenn der Acker umgepflügt wird: Schwarzmilane, Keilschwanzweihen und Habichtfalken jagen Echsen, Schlangen und Insekten, die vor den Flammen fliehen. Helfen sie den Bränden nach? Mark Bonta und Bob Gasford sind überzeugt, dass an den Erzählungen der Aborigines über Feuer legende Falken etwas dran ist.

Die Langlebigen

Humanmediziner interessieren sich angesichts der Frage, wie man Organe für Transplantationen länger lebensfähig hält, für ihre Arbeiten. Sogar Weltraumforscher schauen genau hin, was bei der Torpor-Forschung herauskommt. Die vergleichende Tierphysiologin Lisa Warnecke untersucht den Winterschlaf, besser: die Winterstarre und die Hitzestarre. Das führte sie über vier Kontinente, erzählt sie in ihrem Buch "Das Geheimnis der Winterschläfer".

Mit dem Walkalb auf du und du

Als familiär kann man die Beziehung zwischen den urtümlichen Kunekune-Schweinen und Marianne Wondrak und Johannes Baumgarten am Messerli-Forschungsinstitut für Mensch-Tier-Beziehungen in Wien bezeichnen. So richtig lief es, wenn die Forscher in die tierlichen familiären Beziehungen mit aufgenommen wurden. Im Gegenzug war die Einsatzbereitschaft schier grenzenlos, erzählen sie in Teipels Monolog-Sammlung "Unsere unbekannte Familie".

Männlicher naturfarbener Zebrafink (Taeniopygia guttata)

Zebrafinken sind Minimalisten

Was haben ein Computer, ein Kleinkind und ein junger Zebrafink miteinander gemeinsam? Sie analysieren auf ähnliche Weise Wort- beziehungsweise Tonfolgen, fand Richard Hahnloser vom Institut für Neuroinformatik der Universität Zürich zusammen mit seinem Team heraus. Zebrafinken lernen das Singen ähnlich wie Kinder das Sprechen. Kein Wunder, sie verfügen über dasselbe FOXP2-Sprachgen.