Säkular und atheistisch: Eine Studie zur Weltanschauung von Veganern

Eine umfassende Befragung im deutschsprachigen Raum wirft ein neues Licht auf das Weltbild von Veganern und Veganerinnen. Die Ergebnisse untermauern die Kritik an gängigen Stereotypen über eine angebliche Esoterik- oder Religionsnähe von Menschen, die tierische Produkte vermeiden: Die Befragten stehen Religionen mehrheitlich kritisch gegenüber und tendieren deutlich stärker zu atheistischen sowie agnostischen Überzeugungen.

Junge Frau mit Salat
Symbolbild

Über die Hälfte der Befragten, 56,6 Prozent, lehnen Religion ab oder stark ab, 30,6 Prozent stehen Religion neutral gegenüber und nur 12,8 Prozent bezeichnen sich als „religiös“ oder „stark religiös“. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung von 2.161 Veganerinnen und Veganern zwischen 18 und 84 Jahren. Durchgeführt wurde sie vom Psychologen Guido F. Gebauer im Auftrag der Dating-Plattform „Gleichklang“, die sich an ökologisch und progressiv orientierte Menschen richtet. Die Befragten, überwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, wurden über verschiedene Kanäle angesprochen, darunter neben „Gleichklang“ auch Facebook, Reddit und vegane Newsletter.

In Deutschland ernährt sich etwa ein Prozent der Bevölkerung vegan, also rein pflanzlich. Davon wiederum sind über 70 Prozent Frauen, wie andere Untersuchungen ergaben. Dieses Geschlechterverhältnis spiegelt sich auch in der aktuellen Studie wider, an der 1.417 Frauen, 639 Männer und 105 nichtbinäre Personen teilnahmen.

Neben der organisierten Religion wurde auch untersucht, inwieweit sich die Befragten an nicht-religionsgebundener Spiritualität orientieren. Auch hier zeigte sich die Mehrheit ablehnend, wenn auch bei geringfügig höheren Zustimmungswerten. 41,3 Prozent äußern sich neutral, 31,8 Prozent lehnen Spiritualität ab oder stark ab. Nur 26,9 Prozent haben eine spirituelle Orientierung, 5,2 Prozent eine starke spirituelle Orientierung.

Weitaus verbreiteter sind dagegen säkulare Weltanschauungen. 26 Prozent der Teilnehmer bezeichnen sich als Atheisten, 12,4 Prozent als Agnostiker. Unter den Gläubigen bilden die Buddhisten mit 8 Prozent die größte Gruppe, gefolgt von den Christen mit 4,7 Prozent. Kleinere Anteile entfallen auf Anhänger von Janinismus (2,8 Prozent), esoterische Spiritualität (2,6 Prozent), Anthroposophie (2,2 Prozent), Hinduismus (2,0 Prozent), Judentum (0,6 Prozent) und Islam (0,3 Prozent).

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Studie betrifft den Zusammenhang von Weltanschauung und politischer Verortung. Zwar lassen sich statistisch signifikante Zusammenhänge feststellen, diese fallen jedoch durchweg gering aus: Nur 6,2 Prozent der Unterschiede in den politischen Einstellungen lassen sich statistisch durch die Haltung zu Religion und Spiritualität erklären. Das bedeutet: Über 93 Prozent sind durch andere Faktoren, etwa soziale Situation, Bildung, persönliche Werte und Alter, geprägt.

Dennoch zeigen die Daten laut Studienautor Gebauer zwei – schwach ausgeprägte – Orientierungen: Einerseits tritt eine Hinwendung zu religiösen oder spirituellen Vorstellungen wie Christentum, Buddhismus, Esoterik oder Anthroposophie etwas häufiger zusammen mit konservativen und autoritäreren politischen Haltungen auf. Dagegen zeigt sich eine religions- und spiritualitätskritische Einstellung sowie eine atheistische Selbstverortung geringfügig häufiger gemeinsam mit linksorientierten Positionen und der Ablehnung von Autoritätsdenken. Aber: Einzelne religiöse und spirituelle Strömungen weisen in Detail durchaus auch Überschneidungen mit klassisch nicht-konservativen Anliegen auf, etwa bei der Friedenspolitik, Antikolonialismus oder Flüchtlingshilfe.

Besonders erhellend sind die Ergebnisse der Studie vor der Hintergrund früherer Publikationen, die einen Zusammenhang zwischen Veganismus und Religion, Esoterik sowie konservativen beziehungsweise rechten Weltbildern behaupteten. Hierzu verweist Studienautor Gebauer beispielhaft auf Arbeiten der Autorinnen Jutta Ditfurth und Mira Landwehr. Eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Thesen leistete bereits hpd-Autor Colin Goldner in einer Buchrezension. Darin argumentierte er, dass für Landwehrs Behauptungen die tragfähige empirische Grundlage fehle. Die Ergebnisse der nun vorliegenden Studie liefern eine Datenbasis für künftige Debatten über die weltanschauliche Verortung von veganen Menschen und Organisationen.

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Inge Hüsgen

Die Autorin ist die Chefredakteurin des "Skeptiker", der Vierteljahreszeitschrift der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) sowie Redakteurin beim Humanistischen Pressedienst.

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