Evolution  [Video] 21.12.2012 · Nr. 14687

Was sind “Hopeful Monster”?

KASSEL/STANFORD. (hpd) In den 1940er Jahren wurde eine sprunghafte Evolution über Groß-Mutationen postuliert. Diese "Hopeful Monster-Theorie" wird noch heute kontrovers diskutiert. Im vorliegenden Lehr-Video wird dieses Konzept im Zusammenhang mit dem evolutionären Ursprung des Meeres-Phytoplanktons vorgestellt.


Das Evolutionsbiologen-Team mit Prof. Ulrich Kutschera (Universität Kassel/Stanford, USA), Dipl.-Biol. Lena Dörges und Dr. Stefan Schauer (beide Universität Kassel) hat diese Kontroverse visualisiert und als Lehrvideo Nr.10 veröffentlicht.

Ernst Mayr (1904-2005) hat sich, als Architekt der synthetischen Theorie der biologischen Evolution, in den 1940er und 50er Jahren mit den Thesen des Genetikers Richard Goldschmidt (1878-1958) auseinandergesetzt, der ein Anti-Darwin'sches "Hopeful Monster-Konzept" formuliert hatte. Nach Mayr verläuft die Evolution im Tier- und Pflanzenreich jedoch in Einzelschritten, d. h. gemäß dem Darwin'schen Prinzip des Gradualismus. Durch Großmutationen entstandene Monster-Organismen haben nach Mayr geringe Überlebenschancen — sie können auch kaum einen gleichartig mutierten "Monster-Paarungspartner" finden.

Aus heutiger Sicht hatte Ernst Mayr Recht: Artbildungsprozesse über Groß-Mutationen einzelner Monster-Individuen konnten nicht entdeckt werden, obwohl es systemische Mutationen regulatorischer Gene gibt, die große Effekte auf die Körper-Grundgestalt haben.

Das Süßwasser- und Meeres-Plankton, d. h. winzige, umherdriftende Einzeller (z. B. Schönaugen-Geißler der Gattung Euglena), die durch ihre Photosynthese-Aktivität die Stoffkreisläufe unserer Erde regeln, sind über sekundäre bzw. tertiäre Endosymbiose-Prozesse entstanden. Diese, nur wenige Male erfolgreich verlaufenen, Evolutions-Schübe werden heute im Sinne der "Hopeful Monster-Theorie" interpretiert: Das Augentierchen Euglena und andere Einzeller sind somit erfolgreiche "Miniatur-Monster", die sich seit Jahrmillionen in ihren aquatischen Lebensräumen behauptet haben, obwohl sie, als ineinander geschachtelte Zell-Chimären, die Zufallsprodukte einer blinden, ziellosen Evolution sind.