2.9.1853
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Die Welt 13 Jun 2007 Nr. 2157
Nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft hat der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber seinen Austritt aus dem Tigerenten-Club (SWF) erklärt. Grund dafür ist eine religionskritische Zeichnung des Kinderbuchautors Janosch.
Eine satirische Kulturkritik von Gustav E. Zencker.
(...) Nun setzte der „unverschämte Provokateur“ (Bischof W. Mixa über jemand anderen) seinem umstritten tabulosen Werk (z.B. „Mutter sag, wer macht die Kinder?“, 1982) die Dornenkrone auf. In der Trierer Ausstellung „Konstantin: Kunst & Provokation" wird derzeit die Karikatur eines Geistlichen gezeigt, „der einem Säugling über dem Taufbecken mit einem Hammer das Kreuz in den Bauchnabel schlägt“. In der kryptischen Sprache moderner Kunst bedeutet dies: jedenfalls nichts Gutes. „Kritizismus am Katholizismus“ fasst der kirchliche Schmuddelexperte Monsignore Stoltzphouss den Inhalt des für Laien völlig unverständlichen „Kunstwerks“ zusammen. Auch Edmund Stoiber hat sich dieser Einschätzung angeschlossen. „Das ist, äh, wenn auch subtil – also gewissermaßen mit dem, äh, Florett in die Wunde gelegt, aber die Religion darf sich – verstehen Sie, Frau Schirrmacher – niemals, äh, von der Satire einholen lassen“, artikuliert der Ministerpräsident präzise seinen Prostest gegenüber den zahlreich anwesenden Pressevertretern (Ambacher Anzeiger, YPS, MickeyVision)(...)
Dann verbrennt der streitbare Ministerpräsident - der von seinen Parteifreunden bewundernd das „blonde Fallout" genannt wird - in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion (zwo Passanten) seinen Tigerentenclub-Mitgliedsausweis und schließt tief bewegt auch mit diesem Kapitel seiner politischen Laufbahn ab.