Gedenktage

Sundsholm / Schweden 11.12.1849

Ellen Karolina Sophie Key

Ellen Karolina Sophie Key (* 11. Dezember 1849 in Sundsholm; Δ 25. April 1926 in Strand, Vätternsee) war eine schwedische Reformpädagogin und Schriftstellerin. Bekannt wurde sie durch ihre individualpädagogische Studie "Das Jahrhundert des Kindes" (1900). Key kommt das Verdienst zu, wichtige Anstöße für die pädagogische Reformbewegung des frühen 20. Jahrhunderts gegeben zu haben.

Key stammt aus der Familie eines Großgrundbesitzers. Sie ging nicht zur Schule sondern erhielt Privatunterricht, u.a. durch eine deutsche Lehrerin. Ihre Eltern gewährten ihr in ihrer Kindheit und Jugend einen großen Freiraum, so dass sie ihre ausgesprochen eigenwillige Persönlichkeit entwickeln konnte. Sie hatte bereits als Zwölfjährige ein eigenes Zimmer, in das sie sich auch noch als Erwachsene immer wieder für längere Zeit zurückzuziehen pflegte. Dieses für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Faktum, beförderte ihre Haltung für ein "Recht des Kindes" und ein "Recht auf Persönlichkeit".

Als Sekretärin ihres Vaters, der Reichstagsabgeordneter und einer der Begründer und führenden Köpfe der Bauernpartei war, nahm sie sehr früh am politischen und sozialen Leben Anteil und verfasste dazu eigene Artikel. 1880 begann sie als Lehrerin an einer Mädchenschule in Stockholm zu unterrichten. Ab 1883 hielt sie Vorlesungen an einem Institut zur Weiterbildung von Arbeitern.

In der Zeit von 1874 bis 1926 verfasste sie insgesamt 44 Werke und 149 Zeitschriftenartikel, vor allem über Fragen der Kindererziehung und der Frauenbewegung.
Durch die Übersetzung ihrer Texte und durch eigene Vorträge im Ausland fanden ihre Schriften in Europa und ganz besonders im deutschen Kaiserreich große Beachtung. Sie wurde um die Jahrhundertwende zu einer der meistgelesenen Schriftstellerinnen.

Ihre pädagogischen Vorstellungen sind wesentlich von Jean-Jacques Rousseaus geprägt. Es geht ihr darum, Kindern mit mehr Verständnis zu begegnen. Sie stellt die eigene Würde und Individualität des Kindes in den Mittelpunkt, dem die Erwachsenen mit Respekt begegnen sollten. Sie selbst beschreibt ihr Konzept mit den Worten: "Ruhig und langsam die Natur sich selbst helfen lassen und nur sehen, dass die umgebenden Verhältnisse die Arbeit der Natur unterstützen, das ist Erziehung". Im Sinne von Nietzsche betrachtete sie die Befreiung des Individuums von religiösen Zwängen als wesentlich. Entsprechend forderte sie den Verzicht auf religiöse Unterweisungen für Kinder. Zahlreiche schul- und bildungspolitische Vorschläge Keys wie der Verzicht auf die führende Rolle des Lehrers im Unterricht und auf zuvor geplante Unterrichtsergebnisse wurden in der Folgezeit umgesetzt.

Frauenpolitisch vertrat sie eher gemäßigte Positionen. Ehe und Familie stellte sie nicht in Frage. Sie fordert die gesellschaftliche Anerkennung der Erziehungsarbeit und die ökonomische und soziale Absicherung der erziehenden Mutter.

Key war Monistin. In ihrem Testament bestimmte sie, ihr Haus als Erholungsheim für arbeitende Frauen einzurichten und dafür aus ihrem Vermögen eine Stiftung zu gründen.

Zitat:
„Das schädlichste Element in der Erziehung ist der christliche Religionsunterricht... Selbst eine lebendigere und aktuellere Unterweisung im Christentum schadet dem Kind."