Rezension

Gegen eine Ökonomisierung der Bildung

(hpd) Die US-amerikanische Sozialphilosophin Martha C. Nussbaum kritisiert in ihrer Schrift „Nicht für den Profit. Warum Demokratie Bildung braucht“ die Ökonomisierung von Schulen und Universitäten. Überzeugend weist die Autorin darauf hin, dass die Ausrichtung von Bildung an der Wirtschaft aus autonomen Bürgern letztendlich passive Marktteilnehmer macht und somit letztendlich auch Demokratie selbst gefährdet.

Strukturmerkmale totalitären Denkens?

(hpd) Der Philosoph und Politikwissenschaftler Lothar Fritze geht in seinem Buch davon aus, dass in den Denkfiguren von Hitler einerseits und Lenin, Marx und Stalin andererseits sehr viele identische Strukturmerkmale enthalten waren. Fritze hebt zwar einige solcher formaler Gemeinsamkeiten hervor und leugnet auch nicht grundlegende Unterschiede, gleichwohl geschieht dies ohne ein inhaltlich entwickeltes Untersuchungsraster und mit nicht immer passenden Objekten für den Vergleich.

„Neukölln ist überall“

(hpd) Heinz Buschkowsky, der sozialdemokratische Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, schildert in seinem Buch in mitunter drastischer Sprache die sozialen Konflikte in einem als „abgehängt“ geltenden Stadtteil einer deutschen Großstadt. Einerseits enthält das Buch einseitige und vereinfachende, andererseits aber auch beachtenswerte und problemorientierte Beiträge zur Integrationsdebatte.

Erwin Strittmatter und der Krieg unserer Väter

(hpd) Bereits vor 12 Jahren hat Günther Drommer beim Aufbau-Verlag eine Strittmatter-Biografie vorgelegt: „Des Lebens Spiel“ hieß sie. Nachdem Erwin Strittmatter posthum von mehreren Feuilletons in den Ruch eines Kriegsverbrechers gebracht wurde, wehrt Drommer sich mit einer weiteren Biografie dagegen.

Ursachen für die Faszination von K-Gruppen

(hpd) Der Journalist und Politikwissenschaftler Gunnar Hinck sieht in seinem Buch „Wir waren wie Maschinen. Die bundesdeutsche Linke der siebziger Jahre“ in der Hinwendung vieler antiautoritärer Achtundsechziger zu den dogmatischen K-Gruppen die Folge einer Sozialisation in gebrochenen Milieus der Nachkriegszeit.

Im Inneren der rechtsextremistischen Szene

(hpd) Der Journalist Thomas Kuban berichtet in seinem Buch „Blut muss fließen. Undercover unter Neonazis“ von seinen Recherchen mit versteckter Kamera in diesem Bereich des Rechtsextremismus: authentisch wirkend, aber auch subjektiv gehalten.

Vom Preis der Ungleichheit

(hpd) Der Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz beschreibt in seinem Buch die Folgen eines kontinuierlich ansteigenden Auseinanderdriftens von Arm und Reich. Dabei verzichtet der Autor auf billige Polemik und bringt faktengesättigte Argumente, welche die Dimension der Entwicklung für die Ökonomie, aber auch die Politik überzeugend aufzeigen.

Gerbrand Bakkers tierische Parallelwelten

BERLIN. (hpd) Seine Bücher wurden aus dem Holländischen in 20 Sprachen übersetzt. In „Komische Vögel“, einem Tiertagebuch, spielen Schafe, Hühner und Zootiere manchmal eine Haupt- und mitunter nur eine Statistenrolle. Gerbrand Bakkers Verhältnis zu Tieren ist unsentimental, aber voller Staunen über ihre Individualität und ihren Lebenswillen in einer vom Menschen dominierten Welt.

Chronologie der NSU-Serienmorde

(hpd) Die beiden Journalisten Maik Baumgärtner und Marcus Böttcher legen mit ihrem Buch „Das Zwickauer Terror Trio“ eine Chronologie der Ereignisse um die NSU-Serienmorde vor – mitunter allzu sehr beschreibend, dafür aber auch ohne Polemik und Verschwörungstheorien.

„Trotzki. Eine Biographie“

(hpd) Der britische Historiker Robert Service legt eine ausführliche Lebensbeschreibung des russischen Revolutionärs Leo Trotzki vor. Zwar liefert er trotz einer gewissen Einseitigkeit einige tragfähige Argumente zur „Entmythologisierung“ von Trotzki, in der Gesamtschau weist das Buch aber zu viele Mängel von einer fehlenden historisch-politischen Einbettung bis zu häufigen sachlichen Fehlern auf.